Aufsatz 
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
Entstehung
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sehen bekomme. Der wird dahin sehen, dass Unser Kind allezeit denen vornehmsten Gesell- schaften und Conversationen der Leute von Qualität und nicht der geringsten immittiert werde, seine Excercitia und alles so ihm nützlich und möglich, sowohl in der Gelahrsamkeit alss anderen Tugenden erlerne und in Stand gesetzet werde, dass er wisse, was einem ehrliebenden Fürsten, der seine fortune und seiner Vorältern chrlichen Nahmen soutenieren soll, zu wissen nöthig habe. Ich bitte soviel möglich dahin zu sehen, dass diese Erziehung alleine auf unsere Kinder reffektiere und nicht auf andere Jugend mit, dann ich an mir selber leyder erfahren, dass, wann der Hof- meister auf mich alleine bestelt gewesen wäre, ich besser gefahren wäre, und sollte es nicht anders seyn können, dass diese Erziehung mit Zuziehung anderer jungen Standespersonen geschehen müsste, so wird sich doch die Mutter und die, so sie dem Kinde vorsetzen wird, angelegen seyn lassen, dass nicht Jugend bei Jugend und absonderlich die Herrn Gelegenheit haben, mit Bedienten gleichen Alters ohne Beysein der Vorgesetzten oder frommer guter Aufsicht zu konversiren; dann einer pflegt den andern zu verführen. Dieses ist nun, was ich auf dieses chapitre zu erinnern habe. Gott wird alsdann schon sorgen, dass das oder die zu seinen Ehren auferzogenen Kinder ihr weiteres Auskommen haben werden; absonderlich wenn die Mutter darnach siehet, dass sobalde solche capable, der Welt oder einem Herrn zu dienen, sie nicht davon abgehalten werden, weder aus mütterlicher Furcht der Gefahr oder wie es Nahmen haben mag, dann ich und die Meinigen sind dem Herrn gewidmet, der wirds wohl mit uns machen. Eine Vorsorge ist noch nöthig, dass, wann mein Sohn jemahlen von Gott das Leben und die Jahre erlanget, einem Herrn oder Staate zu dienen, man ihm zu Anfang dieses Standes mit einem tüchtigen brafen Manne versehe, der den Dienst und die Welt kenne und ihm in diesem

schweren Anfange mit Rath und Tat an die Hand gehen möge; denn dadurch kann er viele Occasion entfliehen, umb seine fortune zu bekommen.“

Bei seinem zweiten Sohne Eugen Kasimir, der am 9. Juni 1725 zu Homburg geboren wurde, übernahm Prinz Eugen von Savoyen die Patenstelle. Das interessante Handschreiben des Landgrafen an den berühmten Heerführer, für den er von frühester Jugend an das Gefühl

innigster Verehrung besass und mit dem er, wie wir sahen, wiederholt auf seinen Zügen zusammengetroffen war, lautet: ¹)

Ayant plu au Tout Puissant de me benir par la naissance d'un fils je me flatte que Votre

Altesse Serenissime aura pour aggreable que je l'aye foit tenir en Son Nom, sur les fonds de Bateme.

Deux fortes raisons m'y ont engagé, L'une de donner a mon fils le model le plus accomplis

de notre siecle a imiter et L'autre de marquer L'Estime et la veneration toute particuliere avec laquelle j'ay L'honneur d'estre

De Votre Altesse Serenissime Le tres humble, tres obeissant et tout devoue serviteur Hombourg le 13. de juin 1725. Casimir Guilleaume Landgr. de Hesse-Hombourg.

Doch starb das Kind zum Schmerze seiner Eltern schon wenige Tage nach seiner Geburt. ²) Im Herbst 1725 siedelte Prinz Kasimir mit seiner Gemahlin nach dem Amte Hötensleben bei

Aschersleben über, das einst sein Vater von dem schwedischen Feldmarschall, Grafen Königsmark, erworben hatte und ihm bereits 1718 bei der Erbteilung der Brüder durch das Los zugefallen

¹) Nach der eigenhändigen Abschrift des Landgrafen im Hötenslebener Archive zu Darmstadt. ²) Er starb am 21. Juni 1725 und ward im Erbbegräbnis zu Homburg v. d. H. beigesetzt. Vgl. W. E. Becker: Ein Gang durch die Fürstengruft in der evangelischen Stadtkirche zu Homburg, 1896.