und hielt in Gegenwart des ersteren um die Hand der ältesten Tochter des Grafen an. Die Hochzeit fand zwei Tage später im kleinen Kreise auf Schloss Braunfels statt; der Graf schenkte seiner Tochter am Tage der Hochzeit 6 Rappen und gab ihr zur Morgengabe 15 000 Gulden, die später auf 30 000 erhöht wurden. Seinen Wohnsitz nahm der Landgraf mit seiner Gemahlin zunächst in Braunfels und später in Homburg. Wiederholte Reisen führten ihn in den ersten zwei Jahren seiner Ehe an die kleineren Höfe der Nachbarschaft, nach Laubach, Hungen, Wetalar, nach Darmstadt, Weimar und Kassel, sowie nach den Besitzungen des Hauses Hessen-Homburg in Norddeutschland. Im Juli 1724 beteiligte sich der Landgraf mit seiner jungen Gemahlin an der Einweihung der neu erbauten reformierten Kirche, der„Jakobskirche“, zu Homburg. Zur Erhöhung der Feier fand die Taufe eines Judenmädchens statt, wozu zahlreiche Leute aus Frankfurt und der Umgegend sich eingefunden hatten. Der regierende Landgraf nebst Kasimir und seine Gemahlin Christine übernahmen die Patenschaft, denen zu Ehren das Mädchen die Namen Jakobea, Christine, Wilhelmine erhielt.
Dem glücklichen Ehebunde des fürstlichen Paares entsprossen drei Kinder. Der älteste Sohn war Prinz Friedrich Karl, geb. am 15. April 1724 auf Schloss Braunfels, der später unter Friedrich dem Grossen die beiden schlesischen Kriege mitmachte und als Landgraf Friedrich IV. nachmals den fürstlichen Thron bestieg. Durch ihn ist Kasimir Wilhelm der dritte Stammvater des im Jahre 1866 erloschenen landgräflich hessen-homburgischen Hauses geworden.
Für die Erziehung seines ältesten Sohnes traf Landgraf Kasimir Wilhelm in seinem kurz darauf errichteten Testamente folgende Bestimmungen, in denen sich die Erfahrungen seines eigenen Lebens widerspiegeln, und die uns zugleich einen Blick in sein eigenes Seelenleben gestatten. Er schreibt:„Was nun aber diesen meinen erstgebohrenen Sohn, wann Ihm Gott die Gnade des Lebens gönnet, angehet, so ist mein Wünschen, dass Er gleich von Anfang seiner zahrtesten Jugend... in der Furcht Gottes und dem wahren reformierten ¹) Glauben erzogen werde, und muss diese spirituelle Erziehung durch einen Geistlichen geschehen, der von meiner lieben Gemahlin vor tüchtig dazu gehalten wird, worüber sie sich auch Raths guter Freunde erholen wird. Sobalde aber die Zeit der zahrtesten Jugend vorbey, das Kind in seinem Glauben gewiss und durch die Gnade Gottes in dem Heiligen Abendmahl demselben einverleibet, muss man sich nach einem wohl erfahrenen Informatore umsehen, welcher capable, einem jungen Herrn seines Standes diejenigen Sprachen und Wissenschaften zu geben, so ihme nöthig, darbey auch trachten, dass er nicht unerfahren aller deren exercitia so üblich und nöthig, einen jungen Menschen von Qualität zu informieren.2²) Wann dieser zweite Stand ausgestanden, ersuche meine hertzgeliebte Frau Gemahlin vor allen Dingen, das Kind nicht länger bey sich zu behalten, sondern nach Möglichkeit Gelegenheit zu suchen, dass selbiges unter Führung und Aufsicht eines raisonnablen Mannes, der die Welt kennt und mit Standespersonen umbgegangen, kein Pedant, sondern sich in heutige Welt zu schicken weiss, selbige zum ersten und je eher je lieber zu
¹) Um sich dem brandenburgischen Hause näher anzuschliessen, war Friedrich II. von der lutherischen zur reformierten Konfession übergetreten, und diese war seitdem in der Linie Hessen-Homburg die herrschende geblieben.
²) Die Wahl, welche später die Mutter und der als Oheim zum Vormund bestellte Graf Anton II. von Oldenburg, an dessen Hof zu Varel der junge Prinz erzogen wurde, trafen, war überaus glücklich. Man er- wählte als ersten Lehrer des Prinzen den nachmaligen Hofprediger und Erzieher am preussischen Hofe Sack. Auf ihn folgte der tüchtige Trembley, der ein treffliches Werk über die Erziehung hinterlassen hat; zum Hof- meister hatte Prinz Friedrich Karl später Herrn v. Beaufort, der ihn auf die Universität Leyden begleitete und ihm auch teilweise in den schlesischen Kriegen zur Seite stand, die der Prinz im Hauptquartier Friedrichs des Grossen mitmachte. Während dieser kurzen, aber ehrenvollen kriegerischen Laufbahn war er der Freund und Waffengefährte vieler Generale, die sich später auf den Schlachtfeldern des siebenjährigen Krieges auszeichneten.
Vgl. K. Schwartz: Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg und seine Familie. Bd,. I.


