Aufsatz 
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
Entstehung
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7 Am väterlichen Hofe zu Homburg floss das Leben des Prinzen nach seiner Rückkehr gleichmässig dahin; er setzte die in Schwerin begonnenen Studien fort, zu denen ihn besonders seine Stiefmutter eifrig anhielt. Seine freie Zeit verwandte er dazu, auf die Jagd zu gehen. Sein Vater wies ihn auf diese Art der Erholung hin, indem er voraussetzte, dass der Prinz dafür dem Trunke und anderen Leidenschaften entsage, und war der Meinung, dass das Weidwerk nicht unwürdig für einen jungen, für den Kriegsberuf bestimmten Mann sei.

Ein Jahr nach der Heimkehr des Prinzen verliess der oben erwähnte Erzieher v. Löw Homburg und trat in den Dienst des Fürsten von Nassau-Hadamar. Eine Schwester Kasimirs, Elisabeth Juliane, an der er sehr hing, hatte bereits früher sich mit dem Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Siegen vermählt, und nun blieb er auf sich selbst angewiesen eine Zeitlang sein eigener Lehrer und Erzieher. Zuletzt hatte er noch mit seinem jüngeren Bruder Ludwig Georg zusammen einen Hofmeister namens Mieg, und soweit es Vergnügungen und Ablenkungen zu- liessen, vervollkommnete er sich in der Arithmetik u. Geometrie und beschäftigte sich nebenher mit historischer Lektüre.

Ein Umschwung vollzog sich in dem Leben Kasimir Wilhelms, als im Sommer des Jahres 1706 Prinz Ernst August, der spätere Herzog von Sachsen-Weimar, nach Homburg kam, um den Prinzen zu einer Reise nach Holland und Frankreich einzuladen. Da Landgraf Friedrich ent- schlossen war, seinen Sohn grössere Reisen machen zu lassen, deren bildenden Wert er wohl zu schätzen wusste, so willigte er nach Beseitigung einiger finanziellen Bedenken seines Rates Herold in den Vorschlag ein. Man stellte den Prinzen unter die Leitung des Reisemarschalls des Weimarer Prinzen, gab ihm als Begleiter den Lektor Seifert einen jungen zuverlässigen Mann und Verwandten jenes fürstlichen Rates mit und den treuen alten Kammerdiener Pein.

Die Reise begann in Mainz und ging den Rhein hinab bis Nimwegen; von da kamen die Prinzen über Utrecht und die hervorragendsten Städte Hollands endlich nach Antwerpen und von hier über Gent nach Brüssel, wo man sich 4 Monate lang aufbielt. Die beiden Prinzen versäumten es nicht, von Brüssel aus einen Abstecher nach dem nahegelegenen Kriegsschau- platze zur Armee der Verbündeten zu machen, die damals noch im Monat Oktober gegen die Truppen Ludwigs XIV. im Felde stand. Das Jahr 1706 war für die Verbündeten eines der glücklichsten des ganzen Spanischen Erbfolgekrieges gewesen. Im Mai dieses Jahres war die französische Armee bei Ramillies gänzlich geschlagen worden; Antwerpen, Brüssel, Gent, Brügge und Ostende mussten infolge dieser Schlacht den Siegern die Tore öffnen. Den Sommer 1706 über hatte sich dann die Armee der Verbündeten ruhig gehalten, bis die lang ersehnte Kunde von der Unterzeichnung des Vertrages von Altranstädt eingetroffen war. Eine um so ange- strengtere Herbstkampagne sollte nunmehr die Versäumnisse des Sommers nachholen. Der ältere Bruder Kasimirs, Erbprinz Friedrich Jakob von Homburg, der als Generalmuajor in hollän- dischen Diensten stand, bereitete seinem Bruder bei der Ankunft im Felde einen überaus hecz- lichen Empfang; er stellte ihn allen jenen tapferen Generalen vor, die damals die Elite der siegreichen Truppen bildeten. Da der kalte und regnerische Ierbst die Verbündeten zwang, die Kampagne als aussichtslos aufzugeben ¹), kehrte der Prinz gemeinsam mit der Armee nach Brüssel zurück und war Augenzeuge des glänzenden Siegeseinzuges des Herzogs von Marlbo- rough, der von der Stadt mit dem altertümlichen Ehrengepränge der herzoglich burgundischen Zeit empfangen wurde und in seiner bekannten Höflichkeit und Zuvorkommenheit die beiden Prinzen wie alle anderen Fremden von Stand zu sich zu Gaste lud. Doch blieb der Herzog nur 2 3 Tage in Brüssel. Dagegen verweilte der holländische Feldmarschall v. Overkerke ²),

¹) Vgl. v. Noorden: Europäische Geschichte im 18. Jahrhundert I.z, S. 592. ²) Overkerke starb bei der Belagerung von Lille 1708 eines plötzlichen Todes. Vgl. A. Arneth, Prinz Eugen von Savoyen, Bd. II, S. 45.