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ein ehrwürdiger Veteran voll gereifter Erfahrung, längere Zeit in der Stadt. Die Prinzen wohnten bei dem Grafen Johann von Nassau, und da ihre Herberge der Wohnung des Feld- marschalls gerade gegenüber lag und am Anfang ihres Aufenthaltes wenigstens der Hofmeister von Benkendorf den Prinzen genügend Freiheit liess, so war der junge Landgraf der gern ge- sehene, tägliche Gast des Feldmarschalls; und gar manchmal liess Overkerke den Prinzen, wenn er es etwa versäumt hatte, zur Tafel und zum Muskatwein holen. Viele Bekanntschaften, die Prinz Kasimir während seines Aufenthaltes bei der Armee gemacht hatte, wurden hier erneuert und zahlreiche neue Freundschaften geschlossen. Brüssel war damals gewissermassen die hohe Schule für junge Edelleute; nicht weniger als 40 fürstliche, herzögliche und gräfliche Familien zühlte man in der Stadt, und dazu kam, dass auch die zahlreichen Patrizierfamilien ein glän- zendes Leben führten und an Festlichkeiten sich überboten. Bei all diesen Vergnügungen unterliess es der Prinz nicht, ernstlich zu arbeiten; er vervollkommnete sich in der französischen Sprache, lernte Englisch und beschäftigte sich unter der Anleitung eines tüchtigen englischen Offiziers namens Pauli mit Geometrie und der Lehre des Festungsbaues. Doch dieses schöne Leben in Brüssel dauerte nicht allzulange. Der fürstliche Begleiter Kasimirs vermochte seinem Freunde nicht zu folgen und liebte derartige Geselligkeiten nicht. Der Hofmeister aber war eifersüchtig darauf, dass Kasimir seinen Zögling übertreffe, und fürchtete, dass der junge Landgraf sich allzusehr zerstreue; er suchte deshalb, ihn den Vergnügungen zu entziehen. Anfangs widerstrebte der Prinz; aber um den steten Vorwürfen zu entgehen und um des lieben Friedens willen gab er schliesslich nach und zog sich mehr und mehr von der ôffentlichkeit zurück. Im kleinen Kreise rauchte er nunmehr mit den Freunden regelmässig seine kurze Pfeife, und statt Welt und Menschen kennen zu lernen, wusste er bald besser, wie er selbst später grollend be- merkt, wo man in Brüssel den besten Tabak kauft.
Inzwischen hatte der Weimarer Prinz von seinem Vater den Befehl erhalten, die Reise nach Paris fortzusetzen. Im Monat Februar 1707 reiste man nach Ausfertigung der Pässe von Brüssel ab. Die Reisegesellschaft bestand aus den beiden Prinzen, dem Hofmeister von Benken- dorf, dem Sekretär des sächsischen Prinzen, Helmershausen, dem Lektor Seifert, 2 Kammer- dienern, einem Pagen namens Reder und 2 Lakaien. Man fuhr von Brüssel mit der„Landkutsch“ bis Mons; von hier aus ging es über Valenciennes, Cambrai, St. Quentin, Compiègne nach Paris-
Die Reise war sehr beschwerlich, da die Wege infolge des schlechten Wetters fast un- passierbar waren. Der Prinz und seine Begleiter mussten meist zu Fuss gehen, und jenseits von Mons, wo es noch keine Chausseen gab, waren sie oft zwei Stunden vor der Kutsche in ihren Quartieren. Zwei Pariser Kaufleute hatten sich der Reisegesellschaft angeschlossen; es waren unterhaltende Leute, und manches Glas Wein wurde mit ihnen unterwegs geleert. Doch hatte man auch mit der Unsicherheit der Strassen zu rechnen. Bei der Abreise von Brüssel waren die Waffen sorgfältig in Bereitschaft gesetzt worden, da man erfahren hatte, dass eine Kutsche zwischen Brüssel und Mons trotz der Postenkette längs der Strasse geplündert worden sei. Nicht geringe Heiterkeit aber erregte es, als bei einem vermeintlichen Überfalle— es handelte sich in Wirklichkeit um harmlose Zollwächter— sich die Reisegesellschaft kampffertig machte und die scharf geladenen Pistolen des Prinzen von Weimar sich wohl verpackt in seinem Mantelsack befanden.— Von seinem Aufenthalte zu Mons, wo damals der landesflüchtige Kur- fürst Max Emanuel von Bayern mit seinem Hofe weilte, ohne dass die Prinzen es für nötig hielten, ihn zu besuchen¹), erzählt Prinz Kasimir ein merkwürdiges Erlebnis. In der Nacht
*) Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern war bei dem Ausbruche des Spanischen Erbfolgekrieges auf Frankreichs Seite getreten; er musste nach den verlorenen Schlachten am Schellenberg und bei Höchstädt 1704 sein Land verlassen, wurde 1706 geächtet und lebte seitdem in den spanischen Niederlanden. Die politische Stellung des Kurfürsten veranlasste auch wohl die Prinzen, ohne den Besuch seines Hofes weiterzureisen.
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