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Kasimir Wilhelm erhielt. Ueber der frühesten Jugend des fürstlichen Kindes waltete kein günstiger Stern. Denn bereits 6 Monate nach seiner Geburt starb die Landgräfin, und einige Monate später siedelte der junge Prinz mit seiner jüngsten Schwester Henriette und seiner Amme nach dem Schlosse Grabow im Mecklenburgischen über, wo sich die verwitwete Herzogin Christine, eine geborene Prinzessin von Hessen-Homburg und Stamm-NMutter der heutigen Gross- herzöge von Mecklenburg-Schwerin, der verwaisten Kinder mit vieler Liebe und Fürsorge an- nahm. Am Mecklenburger Hofe blieb der Knabe bis zu seinem 7. Lebensjahre.
Sein Vater hatte inzwischen eine 3. Ehe mit der verwitweten Gräfin Sophie Sybille von Leiningen-Westerburg geschlossen, der noch mehrere Kinder entsprossen. Die Eltern kamen persönlich an den herzoglichen Hof nach Schwerin, wohin der Prinz unterdessen mit seiner Pflegemutter übergesiedelt war, um ihren Sohn in den Schoss der Familie nach Weferlingen zurückzuführen. Dort angelangt erkrankte der junge Landgraf heftig an den Blattern, die unter Erwachsenen und Kindern damals zahlreiche Opfer forderten. Nach glücklicher Genesung reiste er mit seinen Eltern über Mansfeld und Weimar, wo man an dem befreundeten Hofe ¹) stets mehrere Tage zu verweilen pflegte, nach Homburg v. d. Höhe. Im Kreise seiner Geschwister und unter den Augen seines viel beschäftigten Vaters wuchs Kasimir Wilhelm im väterlichen Schlosse bis zu seinem 13. Jahre auf. Seine Erziehung erfolgte teilweise zusammen mit der seines jüngeren Stiefbruders Ludwig Georg und vollzog sich in der bei Kindern seines Standes üblichen Weise.
In seiner frühesten Jugend hatte der Prinz, wie er selbst erzählt, als Lehrer einen schlichten und anspruchslosen Mann namens Deinon, der ihm die Anfangsgründe des Lesens und Schrei- bens beibrachte und ihn in den Anfängen der christlichen Religion unterrichtete. Ihm hat er unter allen seinen Lehrern das dankbarste Andenken bewahrt. Denn er legte, nach des Land- grafen eigenen Worten, den Grund zu seinem„inwendigen Menschen“, zu jener Herzensfrömmig- keit, die trotz mancherlei Irrungen einen Hauptzug seines Lebens bildete. Weniger glücklich war die Wahl des ersten Hofmeisters, eines Herrn v. Hamel, den der Prinz„wohl einen guten Prediger, aber schlechten Erzieher“ nennt. Die kleinsten Vergehen wurden von ihm mit un- nachsichtlicher Strenge durch Schläge bestraft; die gefürchteste aller Strafen aber für die land- gräflichen Kinder bestand in dem Übernachten in einer dunklen Kammer unter dem Dache des Schlosses, die noch dazu an die Wohnung des Erziehers angrenzte.
In seinem 12. Jahr kam der Knabe mit seinem Bruder Ludwig Georg unter Leitung eines adeligen Erziehers v. Luc²) auf die Fürstenschule zu Frankfurt a. M., wo die Brüder zusammen mit 3 Grafen von Isenburg, 2 Grafen von Nassau-Weilburg, je einem Grafen von Erbach, Löwenstein, Wittgenstein, 2 Freiherrn von Dörnberg und Degenfeld und anderen jungen adeligen Herren ritterlichen Exerzitien oblagen und eine standesgemässe Ausbildung erhielten. Später hatte der Prinz in Homburg einen anderen Erzieher, namens Delft, der ein passionierter Jäger war. Diese Leidenschaft sollte für ihn, wie der Prinz in seinen Erinnerungen erzählt, ver- hängnisvoll werden. Eines Tages nämlich, als Kasimir seinen Vater in der Karosse auf einer Spazierfahrt durch den Park begleitete, kam der Gärtner und führte Klage darüber, dass die Hasen die Blumen und den Kohl im Garten verwüsteten. Der alte Landgraf, der seinen Sohn zur Jagd zu ermuntern pflegte, schickte ihn am Abend mit seinem Erzieher auf den An- stand. Der Gärtner stellte beide Seite an Seite in einer Allee auf; der Zufall wollte es, dass Kasimir seinen Lehrer vorher ermahnte, in der Dämmerung seinen Platz nicht zu verlassen, da leicht ein Unglück geschehen könnte. Dennoch verliess der Erzieher, als er eine Katze be-
¹) Die älteste Schwester des Landgrafen Kasimir, Charlotte Sophie, war die Gemahlin des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar.
²) Er fiel später als pfälzischer Oberstleutnant bei der Belagerung Landaus. Der Landgraf rühmt von ihm, dass er, obwohl von Jugend auf Soldat, die feine Lebensart sich wohl bewahrt hatte.


