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wird der Philoſoph, wie der Theolog ſagen müſſen:„Dieſe Fähigkeit iſt ihm von einem höheren Weſen gegeben worden.“ Alſo iſt es im letzten Grunde doch die Gottheit, welche dem Menſchen die Sprache verliehen, mögen wir nun dies direct oder indirect verſtehen.
C. Es erübrigt uns nun noch, die lexikographiſche Thätigkeit Jakob Grimm's zu betrach⸗ ten. An Wörterbüchern hat es zwar vor ihm nicht gerade gemangelt. Namen, wie Eras⸗ mus Alberus, der das erſte eigentliche deutſche Wörterbuch ſchrieb und zwar merkwür⸗ diger Weiſe ein Reimwörterbuch(1540 zu Frankfurt a. M. erſchienen), Georg Heniſch (zu Anfang des 17. Jahrhunderts), Juſtus Georgius Schottelius(gleichfalls im 17. Jahrhundert), Chriſtoph Ernſt Steinbach und Johann Leonhard Friſch (beide aus dem 18. Jahrhundert), Johann Chriſtoph Adelung insbeſondere(eben⸗ falls im 18. Jahrhundert) und nach ihm Voigtel, Heinſius, Heyſe, Oertel, Kalt⸗ ſchmidt, Schwenck, Weber, Wenig, Hoffmann, alle dieſe Namen erinnern an lexikographiſche Thätigkeit. Aber ſie alle ſind Zwerge gegen den Rieſen Jakob Grimm. Wenn man das Grimm'ſche Wörterbuch zur Hand nimmt und es vergleicht etwa mit dem Adelung'ſchen, welches ſeiner Zeit ſo ſehr Epoche machte, ſo wird man gar bald einen himmelweiten Unterſchied zwiſchen beiden finden, einen Unterſchied, der quantitativ und, was hier vorzüglich in die Wagſchale fällt, qualitativ unbedingt zu Gunſten Jakob Grimm's ausfällt. Sein Wörterbuch iſt eine wahre Rieſenarbeit. Der Verfaſſer iſt ja auch bekannt⸗ lich darüber geſtorben, und es iſt bis jetzt noch nicht vollendet. Das Grimm'ſche Wörter⸗ buch, an welchem übrigens die beiden Brüder Jakob und Wilhelm arbeiteten, möchte ich jenen großen Domen des Nittelalters vergleichen, an denen oft viele Menſchenalter hindurch gearbeitet werden mußte, bis ſie in ihrer Vollendung daſtanden. Auch an dieſem koloſſalen Wörtergebäude, deſſen Vorbereitung mit dem Ende der dreißiger Jahre begann, wird noch manches Jahr gebaut werden, bis es zum Abſchluß kommt.
Im Jahre 1854 erſchien der erſte Band des deutſchen Wörterbuches von Jakob Grimm und Wilhelm Grimm, enthaltend die Wörter von A bis Biermolke; der zweite Band, 1860 erſchienen, enthält die Wörter von„Biermörder“ bis D(incl.); der dritte Band, 1862 vollendet, geht von E bis„Forſche“; die erſte Lieferung des vierten Bandes erſchien 1863, die zweite Lieferung dieſes Bandes war ſchon vorgeſchritten bis in den Artikel„Frucht“, da rief der unerbittliche Tod Jakob Grimm vom Schauplatz ſeiner Thätigkeit ab(ſein Bru⸗ der Wilhelm war ihm ſchon im December 1859 vorangegangen). Die Fortſetzung ſeiner Werke übernahmen die gelehrten Sprachforſcher Rudolf Hildebrand und Karl Weigand. Grimm wollte mit dieſem Lexikon ein Nationalwerk liefern, ein Werk für die ganze deutſche Natioa, für Gelehrte ſowohl, wie für das Volk, damit allen das Heiligthum der deutſchen Sprache eröffnet werde. Das Motiv alſo zu dieſer immenſen Arbeit war ſein vaterländi⸗ ſcher Sinn, und der Hauptzweck dabei war ihm nach ſeiner eigenen Ausſage, den Umfang des neuhochdeutſchen ganzen Zeitraums ſo viel als möglich zu erſchöpfen und dadurch nicht allein das Verſtändniß der einzelnen Ausdrücke zu ergründen, ſondern auch die Liebe zu den vergeſſenen Schriftſtellern dieſer Zeit wieder anzufachen. Das Grimm'ſche Wörterbuch umfaßt demnach die Zeit von Luther bis Göthe incl.(Grimm greift allerdings auch in das 15. Jahrhundert zurück und nimmt in den Bereich der neuhochdeutſchen Sprachen auch noch Geiler von Kaiſersberg, ſowie Sebaſtian Brant und andere).
„In Luther“, ſagt Grimm,„gewann die deutſche Sprache, nachdem ſie von der früheren, kaum wieder erreichbaren Höhe herabgeſtiegen war, wieder das Gefühl ihrer


