Aufsatz 
Jakob Grimm und seine Verdienste um die deutsche Sprache
Entstehung
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iſt, ſpringt jedem Sachverſtändigen in die Augen. Was insbeſondere noch den dritten Theil der Grimm'ſchen Grammatik anlangt, ſo iſt das Intereſſanteſte darin die Abhandlung über das Geſchlecht. Grimm trat auch hier reformatoriſch und wahrhaft geiſtvoll auf. Er un⸗ terſcheidet ein natürliches und grammatiſches Geſchlecht.Das grammatiſche Ge⸗ ſchlecht, ſagt er,iſt eine, aber im früheſten Zuſtand der Sprache ſchon vorgegangene An⸗ wendung der Uebertragung des natürlichen auf alle und jede nomina, beruhend auf dem Einbildungsvermögen der Sprache, d. h. auf der in der Phantaſie der menſchlichen Sprache entſprungenen Ausdehnung des natürlichen Geſchlechtes auf alle und jede Gegenſtände, alſo auch auf abstracta. Grimm zeigt, wie einer Reihe von Wörtern, die zwiſchen natürlichem und grammatiſchem Geſchlecht gleichſam die Mitte halten, wirkliche Perſonification zu Grunde liege, z. B. beiSonne undMond. Der vierte Theil ſeiner Grammatik, 1837 erſchienen, behandelt die Syntax. Es lie⸗ gen allerdings zwiſchen der Herausgabe des zweiten, reſp. dritten Theils(1826, reſp. 1831) und der des vierten Theils(1837) noch zwei der ausgezeichnetſten Werke Grimm's, auf die wir aber, da ſie unſerem Zwecke weniger nahe liegen, nicht näher eingehen, ſondern die wir nur nennen wollen, nämlichDeutſche Rechtsalterthümer(1828) unddeutſche Mythologie(1835). Durch beide hat ſich Grimm das Verdienſt erworben, daß er uns immer mehr und beſſer mit den Sitten und Gewohnheiten und der Denkungsart unſerer Vorfahren bekannt machte. In der deutſchen Mythologie iſt er insbeſondere ſo durchaus neu und bahnbrechend, daß er damit eine ganz neue Viſefenſchaft in's Leben gerufen hat. Der letzte Theil der Grimm'ſchen Grammatik alſo handelt von der Syntax, Syntar aber nicht in dem Sinn, als ob Grimm uns darin einfach die Lehre von den Sätzen und Satz⸗ theilen dargeſtellt, ſondern in dem Sinn, daß er die Regeln der Satzlehre und ſyntaktiſchen Verhältniſſe geſchichtlich verfolgte, demnach vom Gothiſchen anfangend zum Althochdeutſchen und Mittelhochdeutſchen und von da zum Neuhochdeutſchen vorwärts ſchritt. Beſonders be⸗ rückſichtigte er auch hierbei die verſchiedenen Dialekte. Der hauptſächlichſte wiſſenſchaftliche Gewinn, den wir aus dieſem Theil der Grimm'ſchen Grammatik ziehen, beſteht darin, daß wir darüber belehrt werden, wie in der Sprache und zumal in den Sätzen das ganze geiſtige Leben unſerer Nation und namentlich des Volkes auf allen ſeinen Stufen ſich getreu ab⸗ ſpiegelt. Zu beklagen iſt es nur, daß Grimm bloß den einfachen Satz behandelt hat, und zu dem zuſammengeſetzten nicht mehr gekommen iſt, was gewiß noch intereſſantere Aufſchlüſſe uns gegeben hätte. Aber lieber, als daß er dieſen Abſchnitt noch hinzugefügt, begann er wieder zu reformiren an dem erſten Theil ſeiner Grammatik, und es erſchien 1840 die dritte Ausgabe desſelben, worin die Lehre von den Vocalen durchaus umgearbeitet iſt. Wenn nun auch mit dieſem letzteren Werke, der dritten Ausgabe des erſten Theils ſeiner Grammatik, die ſtreng grammatiſche Thätigkeit Grimm's ſich abſchließt, ſo müſſen wir doch, ehe wir ſeine lexikographiſche Thätigkeit betrachten, mit ein paar Worten zweier ſich auf die Sprache beziehenden Werke erwähnen, die in ihrer Art faſt ebenſo großartig ſind, wie die Grammatik ſelbſt. Grimm gab 1848 in zwei Bänden eine Geſchichte der deutſchen Sprache heraus und 1851 ein WerkUeber den Urſprung der Sprache. Was erſteres Werk betrifft, ſo hat man ſich den Stoff desſelben nicht ſo eingeſchränkt zu denken, als ob es lediglich eine Geſchichte unſerer jetzigen deutſchen Sprache, alſo des Hoch⸗ deutſchen wäre, aber auch nicht ſo weitſchichtig, als ob es die Geſchichte aller germaniſchen Sprachſtämme umfaſſe. Das Werk iſt vielmehr eine Fortführung der Erörterung über die Hauptgeſetze unſerer Sprache, ſowie ihrer Stellung zu den mit ihr verwandten Sprachen,