Aufsatz 
Jakob Grimm und seine Verdienste um die deutsche Sprache
Entstehung
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dennoch ſtehen(verſteckter Umlaut); in andern hört mit dem Ausfallen des i der Umlaut auf, und der anfängliche reine Vocal kehrt zurück(Rückumlaut).

b) Jeder Umlaut ſetzt alſo wirkliche oder wenigſtens früher vorhanden geweſene Zwei⸗ ſilbigkeit voraus; das i oder u aus der zweiten Silbe wirkt den Umlaut in die Wurzel hinein. Ob ausnahmsweiſe der althochdeutſche Diphthong ei als ein umgelautetes ai be⸗ trachtet werden? ob auch in mehr, als zweiſilbigen Wörtern der Umlaut überſpringen, d. h. über eine in der Mitte liegende in die Wurzel ſpielen dürfe? kann erſt im beſonderen er⸗ örtert werden.

c) Nicht allein einfache, ſondern auch doppelte Vocale ſind umlautsfähig; es verſteht ſich, daß letztere nur in doppelte umlauten können, als à in ae, ô in oe, ua in ue ꝛc. Die nähere Angabe bleibt der beſonderen Abhandlung vorbehalten. 3

d) Der Umlaut überhaupt ſtellt ſich nämlich dar, nicht als ein in der deutſchen Sprache urſprünglich und durch alle ihre Stämme waltendes Element, vielmehr als ein ſpäterhin in ſteigender Richtung und verſchiedenartig entwickeltes. Gegen dieſe Anſicht könnte ſich die Meinung erheben, daß der Umlaut auch in den älteren deutſchen Sprachen vorhan⸗ den und bloß aus Mangelhaftigkeit der Schriftzeichen nicht geſchrieben worden ſei. Die Erwägung dieſer Zweifel in der beſonderen Abhandlung.

Um alſo nochmals die Lehre Grimm's über den Umlaut kurz anzugeben: Der Umlaut trat urſprünglich dann ein, wenn einem Stamm, der die Vocale a, oder o, oder u, oder au, enthielt, eine Endung mit dem Vocal i angehängt wurde(im Althochdeutſchen); dieſes i hat ſich im Neuhochdeutſchen meiſtens zu e abgeſchwächt. Z. B. althochdeutſch: krafti, neuhoch⸗ deutſch: Kräfte. Es wird auch aus den Worten Grimm's klar, warum von e oder i kein Umlaut exiſtirt. Da der Umlaut in einer Trübung oder Verdünnung beſteht, der Vocal i aber, wie wir oben gehört, einer ſolchen nicht fähig iſt, ſo kann er nicht umlauten. Daß aber auch e nicht umlautet, erhellt einfach daraus, daß es bereits ſeiner Natur nach ein trüber Vocal iſt; es liegt alſo in ihm ſchon eine Trübung; folglich braucht es nicht mehr getrübt zu werden..

Eine andere ſprachliche Erſcheinung, von Jakob Grimm entdeckt, iſt die ſogenannte Brechung. Sie iſt eine Veränderung, reſp. Abſchwächung der Vocale i und u, welche dann eintrat, wenn eine Wurzel oder ein Stamm mit i oder u den Vocal a als Endung hatte, wie z. B. das Wortleſen, welches urſprünglich hieß lisan. Hier bewirkt der Vocal a, daß im Neuhochdeutſchen in die Wurzel derjenige Vocal zu ſtehen kommt, der ein Gemiſch von i und a iſt, nämlich e, und bei dieſer Veränderung ſchwächt ſich auch der Endvocal a zu e. Ein Aehnliches haben wir in dem WorteVogel, früher fugal; der Endvocal a hat bewirkt, daß aus u(dem Hauptlaute) der Nebenlaut o wurde(ein Mittel⸗ di zwiſchen u und a), und bei dieſer Gelegenheit hat ſich auch der Endvocal ſelbſt abge⸗ chwächt.

Ferner iſt die Schwächung der Vocale von Jakob Grimm hervorgehoben worden. Ein Vocal wird geſchwächt, will ſagen: aus einem voller tönenden, der er urſprünglich war, wird ein matterer, indifferenterer. In der Regel gilt e als ein ſolch' matter Buchſtabe. Die Schwächung der Vocale findet beſonders ſtatt in Vor⸗ und Nachſilben, weniger in Stamm⸗ und Wurzelſilben. 3 1

Eine beſondere Erſcheinung bei dem Zeitwort, welche hier ihren Platz finden mag, iſt die Reduplication, gleichfalls von Jakob Grimm zuerſt erörtert und in's Licht geſtellt. Die Reduplication(wörtlich: Wiederverdoppelung), welche wir noch durchgehends in der

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