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Secretärs an der Bibliothek bekleidete, ſo behaglich und heimiſch, daß er einen noch in demſelben Jahre an ihn ergangenen Ruf als Profeſſor nach Bonn ablehnte. Als i. J. 1829 die Stelle des erſten Bibliothekars vacant wurde, meldete ſich Grimm hierfür, aber ohne Reſultat, da ihm ein Anderer, der höheren Orts für dieſe Stelle empfohlen war, vor⸗ gezogen wurde. Er erhielt als Entſchädignng eine jährliche Gehaltszulage von 100 Thalern. Es ſcheint übrigens dieſe Nichterfüllung ſeiner Bitte von Seiten der heſſiſchen Regierung eine Mißſtimmung in ihm hervorgebracht und ihm ſeine Wirkſamkeit bei der Bibliothek etwas verleidet zu haben. Denn noch in demſelben Jahre 1829 folgte er einem Rufe nach Göttingen als ordentlicher Profeſſor und Bibliothekar(ſein Bruder erhielt gleichzeitig einen Ruf an dieſelbe Univerſität als außerordentlicher Profeſſor und Unterbibliothekar). Im Januar 1830 ſiedelten beide Brüder nach Göttingen über. Jakob Grimm docirte daſelbſt deutſche Grammatik und deutſche Literatur(letztere nur aushilfsweiſe); außerdem las er auch ein Colleg über Tacitus' Germania und über deutſche Rechtsalterthümer. Der Aufent⸗ halt in Göttingen ſprach ihn anfangs ſehr wenig an; das peinigende Gefühl der Sehnſucht nach ſeiner Heimat wollte ihn nicht verlaſſen. Ganz natürlich! Er, der begeiſterte Naturfreund, fand in Göttingen nicht die ſchöne Natur und Umgebung, wie in Caſſel. Auch war ihm das Dociren etwas Neues und Ungewohntes, und da er bereits in den Vierzigen ſtand, ſo fiel es ihm nicht ſo leicht, wie etwa einem Zwanzig⸗ oder Dreißigjährigen, in den Docententon ſich hineinzuleben. Auch als Bibliothekar hatte er viel mehr und angeſtrengter zu arbeiten, wie früher in Caſſel. Im Jahre 1832 ließ er ſich deßwegen ſeiner Stelle als Biblio⸗ thekar entheben, und erhielt zum Zeichen der Anerkennung ſeiner Leiſtungen den Titel„Hof⸗ rath“. So konnte er ſich nun ausſchließlich ſeiner Profeſſur widmen, und lernte auch jetzt nach und nach Männer kennen, die ihm geiſtig verwandt waren, mit denen er daher näheren Umgang pflegen konnte. Zu dieſen Männern gehören z. B. Dahlmann, Ottfried Müller und Gervinus.
Leider wurde aber Grimm ſeiner Thätigkeit als Göttinger Profeſſor durch einen unan⸗ genehmen politiſchen Zwiſchenfall entriſſen. Im J. 1837(nach dem Tode Wilhelm's IV.) beſtieg Ernſt Auguſt, Herzog von Cumberland, den hannöveriſchen Thron und er⸗ öffnete ſeine Thätigkeit mit einem Acte, der ein in die hannöveriſche Verfaſſungsgeſchichte tief einſchneidender war. Durch das Patent vom 1. November 1837 hob er das auf frei⸗ ſinnigeren Anſchauungen beruhende hannöveriſche Staatsgrundgeſetz von 1833 auf, und die⸗ ſes mußte einem abſolutiſtiſcheren Platz machen. Die Herzen aller Vaterlandsfreunde waren hiervon tief erſchüttert. Es erhoben ſich ſofort die bekannten Göttinger Sieben(die beiden Grimm, Gervinus, Dahlmann, Albrecht, Ewald und Weber), darunter Jakob Grimm, und richteten an das Curatorium der Univerfität eine Eingabe, worin ſie offen und freimüthig erklärten, daß ſie bei ihrem Eide, den ſie auf das Staatsgrundgeſetz von 1833 geſchworen, verharrten. Sofort erfolgte die Abſetzung dieſer Männer von Seiten der Regierung, und dreien insbeſondere, darunter Jakob Grimm, wurde, da ſie dieſe Eingabe auch ſchon Andern mitgetheilt, eröffnet, binnen drei Tagen die Univerſität und das Land zu verlaſſen. Grimm flüchtete nach Caſſel zu ſeinem Bruder Ludwig(December 1837), wohin ihm im September 1838 auch Wilhelm folgte. Hier machte er den Anfang zu ſeinem großen Wörterbuch, wo⸗ rüber wir unten etwas näher ſprechen werden.
Im Jahre 1840 erhielten beide Brüder einen Ruf nach Berlin von Friedrich Wil⸗ helm IV. als Mitglieder der Akademie der Wiſſenſchaften, womit zugleich auch die Erlaubniß verbunden war, Vorleſungen an der Univerſität zu halten. Die Beſtimmung ihres Gehaltes


