Aufsatz 
Jakob Grimm und seine Verdienste um die deutsche Sprache
Entstehung
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tung Grimm's ſo zufrieden, daß er ihn, mit Beibehaltung ſeiner Bibliothekarſtelle, im Februar 1809 zum Auditor beim Staatsrath ernannte, was eine weitere Erhöhung ſeines Gehaltes um 1000 Francs zur Folge hatte. Für Grimm war beſonders die Stelle als Bibliothekar eine ſeinem Geiſt und ſeiner Neigung ganz und gar entſprechende und angemeſſene. Die Bibliothek enthielt viel Altdeutſches, was Grimm überaus willkommen war; und da außer⸗ dem keine Bücher aus derſelben ausgeliehen wurden, und Grimm keine bureaukratiſch zuge⸗ meſſenen Arbeitsſtunden hatte, ſo ſtand ihm ſehr viel Zeit und Gelegenheit zu Gebote, alt⸗ deutſche Sprachſtudien zu machen. Altdeutſche Sprache und Poeſie waren damals der Haupt⸗ gegenſtand ſeiner Beſchäftigung. Ein Theil jener Wilhelmshöher Bibliothek, und zwar gerade der werthvollere, kam unterdeſſen nach Caſſel, und nach einem 1811 im Schloſſe ausgebrochenen Brande, wobei übrigens die Bücher größtentheils gerettet wurden, hatte Grimm viel mit der Neuordnung derſelben zu thun. 1813 wurden die werthvollſten Werke von Wilhelmshöhe und Caſſel nach Frankreich verbracht; eine Sammlung von Handſchriften aber, die ſich auf heſſiſche Kriegsgeſchichte(vom dreißigjährigen Krieg an) bezogen, brauchte dieſe Wanderung nicht zu machen, da Grimm ſie dem König als ganz unwichtig hinſtellte.

Nach dem Umſchwung der politiſchen Verhältniſſe zu Gunſten Deutſchland's durch die Schlacht bei Leipzig kehrte auch wieder der alte Kurfürſt am 21. November 1813 aus der Verbannung nach Caſſel zurück. Dieſer natürlich wußte nichts von einem Bibliothekar Grimm, ſondern(von 1806 her) nur von einem Kriegsſecretariatsacceſſiſten Grimm, der dann auch ſchon im folgenden Monate(December 1813) zum Legationsſecretär ernannt wurde. In dieſer Eigenſchaft begleitete er i. J. 1814 den kurheſſiſchen Geſandten, Grafen Keller, in's Hauptquartier der verbündeten Heere, veranſtaltete aber noch vor ſeiner Abreiſe (in Verbindung mit ſeinem Bruder Wilhelm) die Herausgabe des mittelhochdeutſchen Ge⸗ dichtesder arme Heinrich von Hartmann vonder Aue zum Beſten der heſſiſchen Frei⸗ willigen. Obſchon nun Grimm ſeine Reiſe mit dem Geſandten Keller durch die Schweiz nach Frankreich zu wiſſenſchaftlichen Zwecken möglichſt auszubeuten beſtrebt war, ſo befrie digte ihn doch die diplomatiſche Laufbahn auf die Dauer keineswegs.

Im April 1814 kam er nach Paris und beſchäftigte ſich hier viel mit dem Studium der Hand⸗ ſchriften. Im Sommer 1814 kehrte er nach Caſſel zurück, um im Herbſt desſelben Jahres in ſeiner genannten Eigenſchaft als Legationsſecretär zum Congreß nach Wien abzureiſen, woſelbſt er vom Oktober 1814 bis Juni 1815 verblieb. Der Aufenthalt in Wien war ihm nament⸗ lich inſofern von Bedeutung, als er daſelbſt die ſlaviſche Sprache kennen lernte. Das⸗ Spätjahr 1815 brachte unſeren Grimm wieder nach Paris. Da er nänlich auch ſchon in weiteren Kreiſen als gelehrter Sprachforſcher und insbeſondere als Handſchriftenkenner einen Namen hatte, ſo ging ihn die preußiſche Regierung an zur Herausforderung von Hand⸗ ſchriften, die aus einigen Gegenden Preußens nach Paris geſchleppt worden waren. Er hatte ſeine Aufgabe in kurzer Zeit gelöſt, und zwar der Art für Preußen befriedigend, daß ihm das Jahr darauf von dem damaligen preußiſchen Staatskanzler, Fürſten Hardenberg, wegen ſeiner guten Function in Paris ein Belobungsſchreiben zu Theil wurde. Der Kur⸗ fürſt von Heſſen wollte ihn um dieſe Zeit auch zum Geſandtſchaftsſecretär bei dem neu er⸗ richteten Bundestag in Frankfurt machen; aber Grimm nahm dieſe Stelle als ſeiner Neigung wenig zuſagend nicht an. Dagegen wurde ihm im April 1816 eine Stelle zu Theil, wie er ſchon längſt nach einer ſolchen geſtrebt, und die ſeinem Forſchergeiſt neue Nahrung bot. Er wurde zweiter Bibliothekar in Caſſel mit einem jährlichen Gehalt von 600 Thalern und fühlte ſich in dieſer Stellung, zumal auch ſein Bruder ſeit Februar 1814 die Stelle eines