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beiden, dem Schüler und dem Lehrer, ein wahrhaft inniges Freundſchaftsverhältniß entſtand, ohne daß die Autorität des Lehrers darunter gelitten, oder die Hochachtung von Seiten des Schülers ſich gemindert hätte. Im Gegentheil, dieſelbe wuchs von Tag zu Tag, je näher und je beſſer Grimm ſeinen geliebten Lehrer kennen lernte, und ſteigerte ſich gar bald zur kindlichen Verehrung. Savigny ward unſerem Grimm ein zweiter Vater.
Es vergingen nun unter dieſem edlen wiſſenſchaftlichen Freundſchaftsverhältniſſe die Jahre 1802 und 1803. Im Sommer des Jahres 1804 unternahm Savigny eine Reiſe nach Paris zu einem längeren Aufenthalte daſelbſt, um auf der dortigen Bibliothek Sammlungen zu machen für ſeine Geſchichte des römiſchen Rechts im Mittelalter. Er ſah bald ein, daß ihm bei dieſen Collectaneen eine hilfreiche Hand von Nutzen ſein könnte, und ſtellte an ſeinen Schüler Jakob Grimm den Antrag, ihm dabei behilflich zu ſein. Obgleich nun Grimm in dem letzten Jahre ſeiner Studien ſich befand, wo ein ununterbrochener Univerſitätsbeſuch bis zum Abſchluß derſelben ihm nur höchſt wünſchenswerth ſein konnte, ſo entſchloß er ſich doch kurzer Hand, der Ein⸗ ladung Savigny's zu folgen, die im Januar 1805 an ihn ergangen war; denn er ſchloß mit Recht, daß der Aufenthalt in Paris und an der Seite des gelehrten Savigny, dazu die Beſchäftigung auf der großen, reichhaltigen Bibliothek ihm mehr geiſtigen Nutzen bringen könnte, als eines oder zwei Semeſter auf der Univerſität Marburg. So verlebte er in Paris die Zeit von Februar 1805 bis September desſelben Jahres, alſo ungefähr 7 Monate. Wie angenehm und nützlich dieſer Aufenthalt in Paris für Grimm geweſen, erhellt aus ſeiner eigenen Ausſage.„Ich befand mich vortrefflich aufgehoben, und verlebte das Früh⸗ jahr und den Sommer auf die angenehmſte und lehrreichſte Weiſe. Was ich von Savigny empfing, überwog bei weitem die Dienſte, die ich ihm leiſten konnte“ u. ſ. w.
Im Herbſt 1805 ſeine Univerſitätsſtudien abſchließend, kehrte er zu ſeiner Mutter nach Caſſel zurück, die inzwiſchen von Steinau dahin übergeſiedelt war. Im Januar 1806 trat er ſeinen Acceß beim Secretariat des Kriegscollegs in Caſſel an und bezog dabei zugleich ein Gehalt von 100 Thalern. Die Bureauarbeiten aber ſprachen ihn, den geiſtig Höherſtehenden, nicht an, und er fand für ſeine ihm läſtigen Berufsgeſchäfte nur Erſatz in den freien Stun—⸗ den, die er der Literatur und der Dichtkunſt des Mittelalters widmete.
Inzwiſchen gab es in politiſcher Hinſicht in der Heimat Grimm's weſentliche Veränderungen und Umwandlungen. Der zu damaliger Zeit die europäiſche Welt dominirende Napoleon I. er⸗ richtete i. J. 1807 nach dem Frieden von Tilſit aus preußiſchen und kurheſſiſchen Gebietstheilen ein Königreich Weſtfalen, welches er ſeinem jüngſten Bruder, Hieronymus, übergab. Aus dem ehemaligen kurheſſiſchen Kriegscollegium wurde nun eine Truppenverpflegungscommiſſion, wobei auch Grimm zu functioniren hatte, und dies um ſo mehr, da ihm unter den zu dieſer Commiſſion gehörenden Mitgliedern das Franzöſiſche am geläufigſten war. Den viſſenſchaftlichen jungen Mann und Patrioten aber konnten Arbeiten, die weder wiſſenſchaftlich, noch patriotiſch waren, auf die Dauer bei einer ſolchen Stelle nicht erhalten; und ſo nahm er denn auch noch in demſelben Jahre ſeine Entlaſſung und privatiſirte in Caſſel.
Die erſte Zeit ſeines Privatiſirens daſelbſt war nun für ihn nicht ſehr erheblich. Denn einmal entging ihm eine Stelle als Bibliothekar in Caſſel, um die er ſich beworben, und ſodann ſtarb i. J. 1808 ſeine geliebte Mutter. Im Sommer desſelben Jahres aber ſchien ihm das Schickſal günſtiger zu werden. Es wurde ihm nämlich um dieſe Zeit die Verwaltung der Privatbibliothek des Königs von Weſtfalen, die im Schloſſe Wilhelmshöhe aufgeſtellt war, übertragen, und ihm dabei zugleich ein jährliches Gehalt von 2000 Francs bewilligt; einige Monate darnach wurde dieſe Summe auf 3000 Francs erhöht. Der König war mit der Bibliothekverwal⸗


