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Rechte hat. Dies ist der ideale Naturzustand der Zukunft, wie er dem Dichter vor Augen schwebt*).
Ja aber— so wird man billig fragen— was hat das alles mit der Erziehung zu thun? Wir kennen nun zwar das ideale Ziel, wir haben auch von einem Mittel gehört, dasselbe annähernd zu erreichen, aber wie und wo soll nun dieses Mittel eingreifen? Wie stellt sich der Dichter die Verwirklichung seiner Idee vor?
Fast hoffnungslos lässt Schiller am Schlusse des 27. der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen die Feder sinken:„Existiert aber auch ein solcher Staat des schönen Scheines und wo ist er zu finden?“ frägt er sich**), und weiß nur die folgende Antwort darauf:„Dem Bedürfnis nach exi- stiert er in jeder feingestimmten Seele; der That nach möchte man ihn wohl nur, wie die reine Kirche und die reine Republik, in einigen wenigen auserlesenen Zirkeln finden, wo nicht die geistlose Nachahmung sondern eigne schöne Natur das Be- tragen lenkt, wo der Mensch durch die verwickeltsten Verhältnisse mit kühner Einfalt und ruhiger Unschuld geht und weder nöthig hat, fremde Freiheit zu kränken, um die seinige zu behaupten, noch seine Würde wegzuwerfen, um Anmuth zu zeigen“.
Nichtsdestoweniger lassen sich aus dem ganzen Gange der Schiller'schen Untersuchungen zwei Wege aufzeigen, die seinem Bildungsideale, das zugleich sein politisches ist, engegenführen sollen: Der Mensch, der des Tages drückende Sorge nicht kennt, dem seine Mittel Freiheit der Entwickelung gestatten, kann und soll sich durch Schönheit selbst erziehen, und der Dichter gibt sogar zu, wie wir gesehen haben, dass es„einige wenige auser- lesene Zirkel“ geben möge, wo seine Idee bis zu einem gewissen Grade schon verwirklicht ist. Wer denkt hier nicht an die päda- gogische Provinz in Goethes„Wilhelm Meisters Wanderjahre“!
Wie aber soll der wirkliche große Staat in einen idealen umgeschaffen werden, wie die große Masse des Volkes, die, gedrückt durch die Sorge ums Dasein, einen weniger entwickelten Bildungs- trieb hat und die Gelegenheit sich zu bilden in genügendem Mabße nicht findet, für den Staat der Freiheit vorbereitet werden?
*) Vgl. folgende Stelle aus dem vierten ästhetischen Briefe, W. W. XV, S§. 353, Abs. 2:„Der Wilde verachtet die Kunst und erkennt die Natur als seinen unumschränkten Gebieter; der Barbar(Verbildete) verspottet und entehrt die Natur, aber verächtlicher als der Wilde, fährt er häufig genug fort, der Sclave seines Sclaven zu sein. Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freund und ehrt ihre Freiheit, indem er blos ihre Willkür zügelt“. **½) W. W. XV, S. 444.


