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räumen können, ohne das Bewusstsein zu verlieren, dass er ihrer im Nothfalle noch immer Herr sein werde.
Diese Harmonie zwischen Geist und Sinnen herzu- stellen, ist die Lebensaufgabe des Menschen; würde er sie vollständig erfüllen können, so würde er sein idea- les Ziel— Gottähnlichkeit— erreichen.
Die Mittel zu einer möglichst weitgehenden Er- reichung dieses Zieles ist die Schönheit, aber nur inso- weit sie die Stimmung für jenen Einklang erzeugt. Sie ist selbst der Ausdruck jener Harmonie zwischen Geist und Sinnlichkeit, und macht daher durch ihre Einwir- kung die Sinne williger, sich den Forderungen des Geistes zu beugen, diesen geneigter, billigen Ansprü- chen der Sinne nicht starrsinnig zu widerstreben. Durch die steten Bemühungen, diese Harmonie in sich herzustellen, wird der Mensch erst zu einem Charakter, der fähig ist, das politische Ideal des Dichters zu ver- wirklichen.
Welches er aber im Herzen trägt, das spricht er dichterisch unter anderen am Schlusse des„eleusischen Festes“ aus:
„Doch der Mensch in ihrer Mitte Soll sich an den Menschen reih'n Und allein durch seine Sitte Kann er frei und mächtig sein“.
Es ist die politische Freiheit, die aber erst auf Grundlage allgemeiner Charakterbildung sich entwickeln darf, und dann die Gewähr ihres Bestehens in der gegenseitigen Achtung fremder
mäßig ist, da ist dem Geschmack ein Einfluss zu gestatten. Gibt es aber Fälle, wo wir, sei es nun, um einen Zweck zu erreichen, oder sei es, um einer Pflicht Genüge zu thun, von jedem sinnlichen Einfluss frei und als reine Vernunftwesen handeln müssen, wo also das Band zwischen dem Geist und der Materie augenblicklich aufgehoben werden muss, da hat der Ge- schmack seine Grenzen, die er nicht überschreiten darf, ohne entweder einen Zweck zu vereiteln, oder uns von unserer Pflicht zu entfernen. Dergleichen Fälle gibt es aber wirklich, und sie werden uns schon durch unsere Bestim- mung vorgeschrieben“.— Einen solchen Fall wollte Schiller in seinen „Malthesern“ poetisch darstellen, welcher Entwurf überhaupt dadurch merk- würdig ist, dass er innig mit Schillers speculativen Ideen zusammenhängt. Vgl. die„leitenden Ideen“ der Maltheser W. W. XVI, S. 95:„Der Inhalt dieser Tragödie ist, das Gesetz und die Pflicht im Conflict mit an sich edeln Ge- fühlen, so dass der Widerstand verzeihlich, ja liebenswürdig, die Aufgabe hart und unerträglich erscheint. Diese Härte kann nur ins Erhabene auf- gelöst werden, welches freiwillig und mit Neigung ausgeüht, das höchste Liebenswürdige ausmacht“.


