Aufsatz 
Schillers Ansichten über die Erziehung des Einzelnen und des Volkes
Entstehung
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Erziehungslehre eine Utopie, von dem man Rousseau, betrachtet man nur die Voraussetzungen in seinem Emil, nie ganz frei- sprechen wird können.

Ich will es nun versuchen, Schillers Ideengang, soweit sich derselbe auf die Erziehung erstreckt, in möglichster Kürze und Einfachheit mit absichtlicher Weglassung jeder rein philosophi- schen Terminologie darzustellen, wie er mir im Sinne liegt: Jede Gefahr, die dem Menschen aus seinem eigenen Wesen droht, sowie auch jede, die andere Menschen von seiner Seite her bedrängt, stammt aus dem Übermaße sinnlichen Begehrens, das gibt Schiller zu aber es wäre falsch, daraus gleich den Schluss zu ziehen, dass das sinnliche Begehren deshalb, soweit als möglich, unterdrückt, und so der Körper ganz unter die Herr- schaft des Geistes gestellt werden müsse. Vielmehr hat die Sinnlichkeit auch ihre Rechte, denn auf ihr beruht jeder Fortschritt des Geistes. Die Sinne dürfen also von dem Geiste nicht geknechtet werden, weil sie sonst verkümmern würden und dann auch dem Geiste in ge- ringerem Grade zu dienen vermöchten*).

Der Geist muss also dem billigen Begehren der Sinne nicht feindlich entgegentreten, sondern nur ihre unmäßigen, vernunftwidrigen Forderungen zurückwei- sen und zwar, wenn nöthig, mit aller Willenskraft**) so wird er die Sinne allmälig gewöhnen, nur Billiges zu verlangen und ihnen dann eine gewisse Freiheit ein-

*) Wie sehr sich übrigens Schiller auch mit dieser Ansicht im Ein- klange mit Rousseau befindet, möge nachstehende Stelle aus dessen Emil beweisen:Der Körper muss nothwendiger Weise Kraft besitzen, wenn er anders der Seele gehorchen soll; ein guter Diener muss stark sein. Ich weiß, dass die Unmäßigkeit die Leidenschaften weckt; auf die Länge schwächt sie auch den Körper; aber umgekehrt bringen auch Kasteiungen und Fasten durch entgegengesetzte Ursachen oft dieselbe Wirkung hervor. Je schwächer der Körper ist, desto gebieterischer tritt er auf; je stärker er ist, desto ge- horsamer ist er. Alle sinnlichen Leidenschaften wohnen in verweichlichten Körpern; je weniger dieselben sie zu befriedigen vermögen, desto mehr leiden sie unter ihren Einflüssen. Ein kraftloser Körper schwächt auch die Seele. Vgl.Emil, übers. v. Denhardt, Leipzig, Reclam I, 44.

**) Vgl. hiezu: W. W. XV, S. 445 Abs. 2(Uber die nothwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen):Die Wirkungen des Geschmacks, über- haupt genommen, sind, die sinnlichen und geistigen Kräfte in Harmonie zu bringen und in einem Bündnis zu vereinigen. Wo also ein solches inniges Bündnis zwischen der Vernunft und den Sinnen zweckmäßig und recht-