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ihm selber fehlte aber jede Schulerfahrung, und so mag er sich wohl auf dieses Gebiet nicht gewagt haben. Dazu kommt, dass er sich, wie bereits erwähnt, von dem Gebiete der Empirie immer mehr abwandte, wohl weil er auf ihrem Boden sich vergebens nach einem Raume zur Verwirklichung seiner Ideen umsah.
Nichtsdestoweniger hat Schiller sich durch geraume Zeit seines Lebens ebenso ernsthaft mit der Frage über die Erziehung des Menschen beschäftigt, als er eifrig nach dem Begriffe des Schönen und Erhabenen suchte, und diese Bestrebungen gehen stets Hand in Hand, unterstützen sich gegenseitig und haben eine und dieselbe Quelle, eben jene drei Ideen nämlich, die ich als Grundlage aller seiner philosophischen Untersuchungen bezeichnet habe.
Man könnte Schiller einen„Weltverbesserer“ nennen, be- trachtet man seine ersten Dramen, den„Don Carlos“ mit einge- rechnet, und manche seiner späteren Aufsätze, vor allem die Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen. Dieser Name aber hat keinen guten Klang, ihm haftet vielmehr im gewöhn- lichen Leben der Fluch der Lächerlichkeit an, auch klingt er nicht wohl unter den Gutgesinnten, denn die Quelle aller derarti- gen Bestrebungen ist die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden. Wie sollte aber ein Geist wie der Schillers nicht zu den Unzu- friedenen gehören in jener revolutionären Zeit?
Hatte doch eben Rousseau die Anregung gegeben, alle be- stehende Cultur für wertlos zu halten, ja sie geradezu als die Quelle alles iIbels anzusehen und in einem erträumten Natur- zustande das Heil zu suchen; hatte doch Haller in seinen„Alpen“ den Culturmenschen aus seiner complicierten Scheinwelt hinaus- geführt in das einfache Leben der Berge und ihm einen Spiegel vorgehalten, wie ihn der Römer der Zeit des Trajan in dem ein- fachen Leben der Germanen sehen konnte*).
Aus welch lauterer Quelle aber Schillers Verbesserungs- vorschläge geflossen sein müssen, das beweisen die herrlichen Worte, mit denen er, wie kein zweiter Dichter den Wert der gesellschaftlichen Ordnung in dem„Lied von der Glocke“**) und
*) Den Einfluss Hallers auf Schiller betont Frey in seinem Buche „Albrecht von Haller und seine Bedeutung für die deutsche Literatur“ und in seiner Ausgabe der Gedichte Hallers(Spemann'sche Nationalliteratur). Vgl. ferner Dr. Franz Prosch:„Untersuchungen über elegische Dichter des 18. Jahrhunderts“, Wien, 1886(Separatabdruck aus der„Zeitschrift für österr. Gymnasien“ 1886 I.)
**)„Heil'ge Ordnung, segenreiche
Himmelstochter, die das Gleiche“ etc.


