Aufsatz 
Die Verwendung unserer Münzensammlung im Geschichtsunterricht
Entstehung
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einen beträchtlichen Raum ein, die Aufzählung der neueren Münzen hingegen trägt einen mehr katalogartigen Charakter, da Legende und Bild hier leichter zu verstehen sind.

Was nun das Vorzeigen von Münzen im Unterricht angeht, so möchte ich mir auf Grund langer Erfahrung erlauben, folgende Ratschläge zu geben: Beim Betrachten einer Münze hat der Schüler nur dann Freude und wirklichen Nutzen, wenn er sie in die Hand bekommt; eine Münze, die nur vom Katheder aus oder beim Durchgehen durch die Bank- reihen den Schülern vorgehalten wird, macht keinen Eindruck. Lichtbilder mit Hilfe des Diaskops geben wegen ihrer Größe keinen richtigen Begriff. Am besten ist es, die Münzen auf ein kleines mit Sammet überzogenes Tablett, das einen erhöhten Rand hat, zu legen und dann herumzugeben, wobei den Schülern eingeschärft werden muß, daß sie die Münzen, besonders die aus Kupfer, nur am Rande anfassen; sonst leiden sie durch die Feuchtigkeit der Hände Schaden. Bevor das Herumgeben beginnt, sagt der Lehrer dasjenige, was die Schüler beim Betrachten der Münze allein nicht sehen können, und weist sie auf das hin, was er besonders beachtet wissen möchte. Manchmal wird er sie auch zu eignen Beobachtungen dabei anregen. Fragen der Schüler werden am besten beantwortet, wenn das Herumgeben beendet ist. Um möglichst wenige Schüler dem Unterricht zu entziehen, ist es ratsam, alle Münzen gleichzeitig kursieren zu lassen, sodaß immer nur einer oder zwei, die beiden Bank- kameraden, mit dem Betrachten beschäftigt sind. Damit nun auch der einzelne nicht zu lange abgelenkt ist und damit die einleitenden Erklärungen des Lehrers nicht zu lange dauern, dürfte es sich empfehlen, nicht mehr als drei oder vier Münzen in die Stunde mitzubringen. Bei einer Vertretungsstunde, die man ganz den Münzen widmen will, wird natürlich etwas anders zu verfahren sein.

Eine Frage, die verschieden beantwortet wird, ist es, ob man Originale oder Nach- bildungen benutzen soll. Mein Standpunkt ist, daß Originale unbedingt vorzuziehen sind. Man steht ihnen mit einer ganz anderen Ehrfurcht, einem viel lebhafteren Interesse gegenüber, weil sie aus der Zeit stammen, die der Unterricht gerade in uns lebendig gemacht hat. Wenn wir eine Caesarmünze aus gallischem Golde in die Hand nehmen, so mögen wir uns viel- leicht in unserer Phantasie den Centurio vorstellen, der sie bei dem Triumphe des großen Diktators als Geschenk erhalten hat. Und welche Bilder vermag uns gar ein Dukat aus echtem Rheingold vor die Seele zu zaubern! Solche Empfindungen zu erwecken ist kein Bild und kein Abguß imstande.

Und doch sind wir gezwungen, bisweilen zu diesen Krücken zu greifen. Denn um die Originale zu kaufen, fehlt leider oft das nötige Geld. Schöne griechische Münzen in guter Erhaltung sind, wenn sie nicht zu den häufigsten gehören, überaus teuer, und die Preise zeigen noch immer steigende Tendenz. Auch römische Großbronzen der Kaiserzeit haben eine gewaltige Preissteigerung erfahren. Angesichts dieser Verhältnisse muß eben bisweilen eine Reproduktion an die Stelle des Originals treten. Am brauchbarsten sind die galvanoplastischen Nachbildungen, wie sie z. B. von Deschler& Sohn ¹) in München-Giesing und in vollendet schöner Ausführung von A. P. Ready(Brit. Museum, London) hergestellt werden. Wenn wir eine Münze weniger wegen ihres historischen Wertes- und Zusammenhangs zeigen, als um die Schönheit griechischer Kleinkunst zu veranschaulichen, so leistet eine solche rein mechanische

¹) Das oben zitierte Buch von Bernhart gibt eine Beschreibung der Deschlerschen Galvanos.