Aufsatz 
Die Entstehung des ersten Buches der Ilias / von Häsecke
Entstehung
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Verſen ſcheint es wieder, als ob Opfer, Opferſchmaus und Feſtgeſänge am Meeresſtrande ſtattge⸗ funden haben, wo denn auch die Achäer nach Beendigung der Feier bei dem Schiffe übernachten. Alſo keine Einladung von Seiten des Chryſes, die Nacht in ſeinem Hauſe zuzubringen, nicht ein⸗ mal an den Odyſſeus. Wie ganz anders die Darſtellung Od. III. Da ſind Athene und Tele⸗ mach im Palaſte Neſtors freundlich aufgenommen und bewirtet worden. Am Abend wollen ſie zum Schiffe zu den Gefährten zurückkehren, doch Neſtor hält ſie zurück, indem er ſagt:Das verhüte Gott, daß Ihr von mir auf's Schiff zurückkehrt; nicht ſoll des Odyſſeus Sohn, ſo lange ich lebe, auf dem Schiffsverdeck übernachten. Der freundlichen Einladung folgt Telemach, während Athene darauf beſteht, zu den Gefährten auf's Schiff zurückzukehren und ihnen Beſcheid von Allem zu ſagen. Von dem Allen an unſerer Stelle auch nicht andeutungsweiſe eine Spur. Lieſt man die Verſe 475 477, ſo müßte man meinen, die Achäer hätten an einer nicht bewohnten oder unbekannten Inſel gelandet, an deren Strande ſie übernachten. Man glanbt ſich auf die menſchen⸗ leere Ziegeninſel verſetzt, wo Odyſſeus landete(Od. IX. 168 170 und 558 560), um von dort mit ſeinem Schiff eine Expedition zum Lande der Kyklopen zu unternehmen, oder man denkt an das Uebernachten auf der ääiſchen Inſel, ehe Odyſſeus die Bekanntſchaft der Kirke gemacht hat, wo ſich Od. X, 185 187 dieſelben Verſe wie an unſerer Stelle II. I, 475 477 wie⸗ der finden.

Weiter muß als ſehr auffällig bezeichnet werden, daß auch nicht ein Wort des Abſchie⸗ des weder von Chryſes noch von Odyſſeus verlautet; man glaubt gar nicht, daß die Achäer in froher Feſtgemeinſchaft mit Chryſes und den Seinigen zu Ehren des Gottes gegeſſen, getrunken und geſungen haben. Wie ganz anders der Abſchied des Odyſſeus von den Phäaken Od. XIII 38 ff. und 59 ff. Wenn auch nicht zu erwarten iſt, daß Chryſes etwa an Agamemnon oder Neſtor oder ſonſt einen der Fürſten einen Gruß beſtellt, wie dies Od. XV, 151 Menelaos thut, der dem Telemach und Peiſiſtratos einen herzlichen Gruß an Neſtor aufträgt; aber einige Worte zwiſchen Odyſſeus und Chryſes zum Abſchiede gewechſelt, wären hier ſicherlich am Platze geweſen. Erwägen wir alle dieſe Umſtände, ſo dürften die Verſe 472479 nicht geeignet ſein, dieſe Erzählung als einErzeugnis der noch nicht ermattenden epiſchen Poeſie zu kennzeichnen.

Daß die Schiffsmannſchaft vor der Abfahrt ſich erſt der mühevollen Arbeit des Maſt⸗ aufrichtens unterziehen muß, war bereits erwähnt worden. Hier wird der Dichter wieder ausführ⸗ lich; er ſchildert, wie der Wind die Segel ſchwellt, der Kiel durch die Wellen rauſcht und das Schiff die Meeresflut mit Schnelligkeit durchſchneidet 481 483. Es erfolgt ſodann die Ankunft beim achäiſchen Heere, das Schiff wird auf den Strand gezogen(natürlich nach vorangegangener Abtakelung), darauf zerſtreut ſich die Mannſchaft durch das Lager, und die Erzählung iſt zu Ende.

Ueberblicken wir nun noch ein mal die 57 Verſe dieſer Erzählung, ſo wird jeder Unbe⸗ fangene zugeben, daß dieſelben in der That zu manchen zum Teil nicht unerheblichen Ausſtellungen Veranlaſſung geben, und daß dieſe Ausſtellungen,nicht in ſubjektiven Vorſtellungen und Beliebungen, ſondern objektiv in der Sache ſelbſt begründet ſind. Denn um nur zwei Punkte herauszuheben, ſo ſind die völlige Abtakelung des Schiffes angeſichts eines nur wenige Stunden dauernden Auf⸗ enthaltes, ſo wie das Spendeopfer nach beendigtem Opfer und Opferſchmaus thatſächliche Unge⸗

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