7 Verhältniſſe die fragliche Abtakelung frei aus ſich heraus habe erfinden können, ohne ſie auf irgend eine Weiſe zu motivieren, vielmehr muß ſich jedem ſchon jetzt die Vermutung aufdrängen, daß ge⸗ wiſſe Umſtände auf die freie, der darzuſtellenden Situation angemeſſene Behandlung des Stoffes ſtörend eingewirkt haben.
Der Dichter fährt 436 fort ausführlich zu beſchreiben, wie die Ankerſteine ausgeworfen, die Haltetaue befeſtigt, die Mannſchaft ausgeſtiegen und die Hekatombe ausgeſchifft ſei, und wie zuletzt auch Chryſeis das Schiff verlaſſen habe, wobei, wie ſchon von anderer Seite bemerkt worden, nicht recht erſichtlich iſt, warum Chryſeis eigentlich zuletzt ausſteigt. Weiter heißt es: „Dieſe(die Chryſeis) ſodann führte Odyſſeus zum Altar und übergab ſie dem Vater( xeool ·0ei.)“ Darauf folgen vier Verſe, in denen ſich Odyſſeus mit kurzen Worten ſeines Auftrages an den Prieſter entledigt. Nach Beendigung der kurzen Rede heißt es noch ein mal: à xepo T!Seu, die Ueberlieferung der Jungfrau findet alſo jetzt eigentlich erſt ſtatt. Der Vater nimmt erfreut ſein Kind in Empfang. Die aber(alſo doch wohl die Gefährten des Odyſſeus, denn von der Anweſenheit anderer Perſonen iſt nicht die Rede) ſtellen die Hekatombe um den Altar und treffen die Vorbereitungen zum Opfer, worauf Chryſes ein Gebet an Apollo ſpricht, in welchem er um Abwendung der über die Danaer verhängten Peſt bittet. Vergleicht man dieſe Erzählung mit der Darſtellung von der Ankunft des Telemach in Pylos Od. III, wo uns ausführlich erzählt wird, daß Telemach bei ſeiner Landung in Pylos, Neſtors wohlgebauter Stadt, die Pylier am Geſtade des Meeres bei einem Poſeidenopfer verſammelt fand,(wodurch ihre Anwe⸗ ſenheit am Strande geſchickt motiviert iſt), und in ihrer Mitte den greiſen Neſtor mit ſeinen Soͤhnen, umgeben von 6rαιρο, welche mit der Zubereitung des Opferſchmauſes beſchäftigt waren; daß ferner nach der Landung des Telemach die Pylier ihm entgegen gekommen ſeien, ihn begrüßt und zum Sitzen genötigt und einen Becher Wein ihm dargereicht haben; daß darauf endlich die gegenſeitige Vorſtellung und Mitteilung des Zweckes der von Telemach unternommenen Reiſe er⸗ folgt ſei,— vergleichen wir mit dieſer Darſtellung die Erzählung von des Odyſſeus Ankunft in Chryſe, ſo wird man letzterer eine große Klarheit, Deutlichkeit und vor allen Dingen Anſchaulichkeit ſicherlich nicht nachrühmen können. An's Land geſtiegen, führt Odyſſeus die Chryſeis an den Altar und übergiebt ſie dem Vater, deſſen zufällige Anweſenheit am Strande durch nichts mo⸗ tiviert iſt. Wäre er ein Prieſter Poſeidons, ſo könnte man es allenfalls erklärlich finden, daß der Altar ſo nahe am Meeresufer und Chryſes bei demſelben beſchäftigt iſt. Ob das Wiederſehen zwiſchen dem greiſen Vater und der aus der Gefangenſchaft nach ſo langer und ſchmerzlicher Tren⸗ nung zurückkehrenden Tochter einen der Situation entſprechenden Ausdruck gefunden habe, laſſen wir dahingeſtellt; im Vergleich zu der Wiedererkennungsſcene zwiſchen Odyſſeus und Penelope Od. XXIII, 205 ff. dürfte die hier dargeſtellte Scene zwiſchen Vater und Tochter mager und dürftig erſcheinen.
Nach beendigtem Gebet folgt das Opfer, welches in einer gegenüber der ſonſtigen Ober⸗ flächlichkeit auffallenden Ausführlichkeit beſchrieben wird. In dieſer Beſchreibung iſt aber trotz der großen Ausführlichkeit doch manches unklar.„Aber als ſie gebetet und die heilige Gerſte geſtreut, ſchlachteten ſie und häuteten ab, ſchnitten die Schenkel aus und hüllten ſie in Fett ein u. ſ. w.“ Das Subjekt zu allen dieſen Verben ſind nach dem Zuſammenhange die Ruderer des Odyſſeus, von denen es 447 hieß: rol d'Gxαα Se*rr enarμν οσαννασανν, von andern Anweſenden oder beim Opfer beteiligten Perſonen iſt auch hier nichts geſagt. Vers 462 hören wir, daß der Greis(alſo
A


