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einfallen ſein Schiff abzutakeln und den Maſt herabzulaſſen. Daß auch ſchon im homeriſchen Zeit⸗ alter die Schiffer ſich nicht unnötiger Weiſe der mühevollen Arbeit des Ab⸗ und Auftakelns unter⸗ zogen haben, würden wir vorausſetzen dürfen, ſelbſt wenn uns Zeugniſſe darüber fehlten; allein wir haben deren mehrere. Weder Od. XI, 20 bei der Landung des Odyſſeus am Geſtade des Okeanos noch Od. XII, 5 bei ſeiner Rückkehr zur Inſel der Kirke iſt von einem Herablaſſen des Maſtes die Rede; weder Od. IX, 149 bei der Landung auf einer dem Kyklopenlande benachbarten Inſel, noch Od. IX, 546, wo auf der Ziegeninſelübernachtet wird. Auch Od. III, 10 bei der Ankuft des Telemach in Pylos iſt nur vom Einziehen der Segel, nicht aber vom Herablaſſen des Maſtes die Rede, woraus erſichtlich iſt, daß ein längerer Aufenthalt urſprünglich nicht beabſichtigt war. Erſt nachdem durch die von Pylos aus unternommene Reiſe des Telemach nach Lacedämon ein längerer Aufenthalt des Schiffes in Ausſicht geſtellt iſt, wird der Maſt niedergelaſſen, welcher dann Od. XV, 289(ſ. o.) bei der Abfahrt von Py los wieder aufgerichtet wird.
Ganz ausnahmsweiſe findet eine Abtakelung des Schiffes bei einem kurzen, nur zwei⸗ tägigen Aufenthalt Od. IX, 77(bei dem Vorgebirge Malea) ſtatt. Hier aber iſt die Abtakelung durch den heftigen Sturm bedingt, welcher bereits v. 70 die Segel zerriſſen hatte. Daß in ſolchem Falle auch das Herablaſſen des Maſtes durch die Vorſicht geboten iſt, zeigt Od. XII 409 f., wo der Sturm zuerſt die Haltetaue des Maſtes zerriſſen und dann dieſen ſelbſt umgeworfen hat.—
Kehren wir nun zu unſerer Jliasſtelle 1, 433 f. zurück, ſo wird ſofort deutlich ſein, wes⸗ wegen wir in der Anführung der vom Landen und Abfahren handelnden Stellen ſo ausführlich waren. Es kam nämlich darauf an zu zeigen, daß das völlige Abtakeln eines Schiffes(Herab⸗ laſſen der Segel und des Maſtes) nur vorgenommen wird:
1) wenn ein längerer Aufenthalt am Lande beabſichtigt iſt, oder
2) wenn ganz außerordentliche Umſtände, wie z. B. der Ausbruch eines gewaltigen Stur⸗
mes dieſe mühſelige Arbeit nötig machen.
An unſerer Stelle nun, wo die völlige Abtakelung mit aller nur wünſchenswerten Voll⸗ ſtändigkeit zur Anſchauung gebracht iſt, fährt das Schiff in der Frühe des folgenden Tages 475 wieder ab, weshalb natürlich 480 der Maſtbaum wieder aufgerichtet und die Segel beigeſetzt wer⸗ den müſſen. Erwägen wir, daß das Schiff erſt nach Beendigung der ſicherlich nicht kurzen Ver⸗ ſammlung(305), und nachdem 20 Ruderer und ein Anführer gewählt, die vollſtändige Ausrüſtung mit Segel und Maſt, ſowie die Verladung der Hekatombe beendigt war, in See gegangen iſt und den Weg bis Chryſe zurückgelegt hat, ſo dürfen wir uns die Ankunft deſſelben in Chryſe ſicher⸗ lich nicht lange vor Abend denken, der Aufenthalt daſelbſt dürfte ſich demnach nur auf die wenigen Abend⸗ und Nachtſtunden beſchränken. Angeſichts dieſes ſo überaus kurzen Aufenthaltes von einigen Stunden muß die völlige Abtakelung des Schiffes jedem unbefangen Urteilenden als eine Ungereimtheit erſcheinen, von der nur zu bewundern iſt, daß ſie ſo lange hat unbemerkt bleiben können. Des Dichters poetiſche Freiheit darf ſich freilich viel erlauben, allein das offenbar Widerſinnige auch nur für möglich halten zu ſollen, iſt doch eine zu ſtarke Zumutung. Da der Dichter auch nicht die leiſeſte Andeutung giebt, welche das völlig unbegreifliche Abtakeln des Schiffes an dieſer Stelle rechtfertigen könnte, ſo dürfte es auch keinem Erklärungsverſuche gelingen, die hier thatſächlich vorhandene Ungereimtheit zu beſeitigen; es kann demnach nur auf den Verſuch ankommen ihr Vorhandenſein zu erklären. Hierbei muß es aber von vornherein als unwahrſcheinlich bezeichnet werden, daß ein Dichter in völlig klarem Bewußtſein von dem Zuſammenhange der dargeſtellten


