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faſſer der Grammatik ſelbſt herruͤhren, nicht dieſelben Dienſte thun, oder noch beſſere, wenn ſie zugleich alles das, was man mit Koͤne noch dabei zu verlangen berechtigt iſt, noch dazu erfuͤllen.
Die Formenlehre in dem Zumpt'ſchen Auszug erfuͤllt zwar ſchon eher als die Syntax ihren Zweck; allein an einem Uebelſtand, welchen noch mehrere der⸗ artigen Buͤcher an ſich tragen, leidet die Zumpt'ſche Etymologie in beſonders ho⸗ hem Grad. Ich meine den Ballaſt von Ausnahmen und Ausnahmen der Aus⸗ nahmen, womit namentlich die Regeln uͤber das Genus beſchwert, und wodurch den Knaben das Lernen unnoͤthiger Weiſe ſo ſehr erſchwert wird. Wenn ſelbſt Koͤne, trotz ſeinem ſonſtigen Streben nach Vereinfachung,§. 24. den Anfaͤn⸗ gern zumuthet, auch von colus und vannus und virus das Genus zu lernen, Woͤrter, die ihm waͤhrend aller ſeiner Schuljahre nur hoͤchſtſelten, die beiden er⸗ ſten vielleicht gar nicht vorkommen werden, ſo iſt dieſes nur eine von den weni⸗ gen Ausnahmen bei ihm. Allein bei Zumpt ſind dergleichen Faͤlle außerordent⸗ lich viele. Wozu ſoll man den anfangenden Lateiner gleich damit quaͤlen, tuber und zingiber ſich als Neutra zu merken, Woͤrter, welche nur bei Columella. Plinius, in H. N., Martial und noch ſpäteren Schriftſtellern vorkommen, die er vielleicht niemals leſen wird. Auch suber(Pantoffelholzbanm) kommt meines Wiſſens in allen Schulauctoren nur einmal bei Virgil vor. Heißt es nicht in futurum oblivionem lernen laſſen, wenn eurcutio(Kornwurm), lichen(Schwind⸗ flechten), varix(Krampfader), und iſt es nicht ſehr unpaſſend, wenn auch pe⸗ nis aufgefuͤhrt wird? Solche Beiſpiele ließen ſich aus allen Theilen der For⸗ menlehre des Auszugs von Zumpt noch in Menge beibringen, doch die angegebe⸗ nen moͤgen genuͤgen.— Ueberhaupt iſt hierbei von den Grammatikern uͤberſe⸗ hen, daß die Syntar, wenn ſie ſich ebenſo in die ſpeciellſte Aufzaͤhlung einlaſſen wollte, einen zehnmal groͤßeren Umfang, als ſie jetzt hat, bekommen wuͤrde.
Alle Maͤngel, die an Zumpt's Auszug. geruͤgt wurden, ſind vermieden, da⸗ gegen Alles, was ſich von einem Buch der Art erwarten und wuͤnſchen laͤßt, iſt Peleiſte in der lateiniſchen Schulgrammatik von Ed. Geiſt. Gietzen 1834. Die Anordnung darin iſt die althergebrachte, die Regeln ſind durchgaͤngig klar und buͤndig, die Beiſpiele zweckmaͤßig und treffend, in deren Anzahl iſt das rechte Maaß gehalten, die Quantitaͤt uͤberall angegeben, das uͤberfluͤſſige Lericaliſche, was Zumpt hat, ausgeſchieden, Hauptſachen und Nebenbeſtimmungen durch groͤ⸗ ßere und kleinere Lettern augenfaͤllig unterſchieden. Auch der Preis(1 fl. 12 kr.) iſt billig geſtellt. Kurz, das treffliche Buch erfüllt ſeinen Zweck vollſtaͤndig und empfiehlt ſich in jeder Hinſicht. Ich ſchließe mit dem Wunſch, durch obige Be⸗ merkungen auf die Mangelhaftigkeit des Auszugs von Zumpt und auf die Vortrefflichkeit der Grammatik von Geiſt bei dieſer Gelegenheit aufmerkſam ge⸗ macht zu haben, und mit der Hoffnung, letzteres Werkchen durch hoͤhere Behoͤrde moͤglichſt bald an unſern Paͤdagogien allgemein eingefuͤhrt zu ſehen.
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