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Zumpt. Vor allem in der Syntarx dieſes Auszugs ſind die Regeln dem Ver⸗ ſtaͤndniß der Knaben ſo wenig klar, daß der Lehrer ſich genoͤthigt ſieht, faſt zu allen einen Commentar zu geben, damit die Schuͤler nur erſt einſehen, was da⸗ rin geſagt iſt, und ſie umzuformen, damit ſie dieſelben auswendig lernen köͤnnen. Der Mangel an Praͤciſion, Klarheit und Beſtimmtheit der Regel wird durch viele, zum Theil fremdartige Einſchiebſel theils hervorgebracht, theils vermehrt. Der Schuͤler muß in einer kurz und buͤndig gefaßten, aber klar und ſcharf be⸗ zeichneten Regel einen feſten Punkt haben, von dem er ausgehen und woran er ſich in jedem Fall halten, die er auch ohne beſondere Erklaͤrung des Lehrers verſte⸗ hen und woͤrtlich auswendig lernen kann. Geradezu auswendig lernen kann der Schuͤler aber in dem Zumpt'ſchen Auszug nur die in Verſe gebrachten(wenn man ſie Verſe nennen kann) die gereimten Regeln. Solche empfehlen ſich zwar durch leichtes Memoriren; dagegen haben ſie den Nachtheil, daß dem Schuͤler gewoͤhn⸗ lich mit dem Anfang, oft mit dem erſten Wort, die ganze Regel aus dem Ge⸗ daͤchtniß entſchwunden iſt. Zu dem fuͤr den didaktiſchen Zweck ungenuͤgenden Regeln kommen die eben ſo ungenuͤgenden Beiſpiele. Nicht nur ſind ihrer zu wenige, ſondern ſie entſprechen auch andern Forderungen nicht, die man an ſie ſtellen muß. Niemand hat ſich ſo ſehr bemuͤht, allen paͤdagogiſchen Ruͤckſichten und Anforderungen, die man nur an die Beiſpiele ſtellen kann, vollſtaͤndig zu genuͤgen, als Koͤne und Geiſt. Letzterer blos durch die That, Koͤne aber ſpricht auch ſein Streben in der Vorrede aus, wo er mit Recht verlangt:»Ein zweckmaͤßiges Beiſpiel ſoll nur ſolche Wortverbindungen enthalten, welche die be⸗ treffende Regel bewaͤhrt, nicht aber ſolche, welche erſt durch die ſpaͤtere Regel erlaͤutert werden 1). Dabei ſoll doch der Gedanke ein ganzer ſein und nicht erſt durch den Zuſammenhang verſtaͤndlich werden, aus dem er genommen iſt; der Gedanke ſoll ferner kein leerer Gedanke ſein, ſondern Gehalt haben fuͤr Ver⸗ ſtand und Herz; dabei muß er leicht faßlich ſein.« Dieſen Forderungen, die zu⸗ ſammengenommen ihre Schwierigkeit haben, kann man freilich nicht genuͤgen, wenn man nur aus den indices verborum zu den Claſſikern Beiſpiele zuſam⸗ men ſucht. Iſt es denn durchaus nothwendig, daß die Beiſpiele aus den alten Claſſikern entnommen werden? Sollten ſolche, die in aͤchtem Latein vom Ver⸗
1) So groß auch ſolche Verſehen ſind, daß man erwarten ſollte, ſie in Schulbuͤchern gar nicht oder doch nur ſelten anzutreffen, ſo haͤufig kommen ſie vor. Uebrigens trifft man ſolche Verſtoͤße, wo das Spaͤtere vorausgegriffen wird, weniger in den Grammaliken, als in den Fographiſchen Schulbuͤchern, deren Grundfehler darin beſteht, daß ſie nach wenigen Bemer⸗ ungen aus der Aſtronomie ſogleich mit der politiſchen Geographie von Europa oder eines einzelnen Landes von Europa beginnen, ſtatt von allgemeinen Umriſſen auszugehen, die im⸗ mer mehr verengert werden, daß, wann zur Beſchreibung einzelner Laͤnder geſchritten wird, Alles, was zur Lagenbeſtimmung gehört, ſchon bekannt iſt. Erſt in neuerer Zeit hat Roon (nach C. Ritter) die beſſere Methode eroͤffnet; mit ſtrengerer Conſequenz aber durchge⸗ fuͤhrt Bellinger in ſeinem Leitfaden, Gießen 1838.


