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w. findet, beizubehalten. Freilich gleich den erſten Anfängern die genannten Werke, obgleich ſie fuͤr alle Klaſſen beſtimmt ſind, in die Hand zu geben, moͤchte wohl nicht gerathen ſein. Denn wenn es auch Manches fuͤr ſich hat, die Kna⸗ ben mit und an demſelben Buch gleichſam heranwachſen zu laſſen, ſo halte ich es doch noch fuͤr wichtiger, daß der Schuͤler immer alles das beiſammen habe, was er auf ſeinem jedesmaligen Standpunkt noͤthig hat; dagegen moͤglichſt alles entfernt bleibe, was fuͤr ihn auf dieſer Stufe noch nicht fuͤr nothwendig gehal⸗ ten wird. Jedenfalls kann ſich dann der Schuͤler mit ſeiner Grammatik bekann⸗ ter machen und wird ſich leichter orientiren koͤnnen. Das Orientiren geſchieht aber nur durch bekannte Punkte der Umgebung. Nun gibt es ſolcher Gram⸗ matiken fuͤr die erſten Anfaͤnger zwar ſehr viele, allein gerade die am meiſten verbreiteten leiden an ſehr vielen Gebrechen, wie namentlich der Auszug von
ſten, welche aus der Grammatik die Syntaxis ornata ausſtießen, die ſchon durch den Namen ſtets an jene Anſicht und Gewohnheit der aͤlteren Philologen des XVI. u. XVII. Jahrh. erinnert, wonach alles von der Mutterſprache ſehr abweichende fuͤr eine clegantia erklaͤrt wurde. Auch deßwegen genuͤgt die Zumpt'ſche Grammatik der Wiſſenſchaft nicht, weil ſie nicht den genetiſchen Weg einſchlägt, die Spracherſcheinungen durch alle Zeitraume verfolgend, ſondern ſich faſt nur auf die goldene Latinitaͤt beſchraͤnkt, ſtatt zu beachten, was Fr. A. Wollf ſagt zu Cic. or. p. Marc. pag. XXXI. u. Cic. IV. oratt. praef. pag. XXXII.
Waͤre nun die Latinitaͤt des goldnen Zeitalters vollſtaͤndig abgehandelt, ſo waͤre dennoch das Buch fuͤr die Wiſſenſchaft eine wichtige und willkommene Erſcheinung. Doch auch darin wird man nicht befriedigt. So, um nur wenige Beiſpiele anzufuͤhren, heißt es§. 141.: Der Gebrauch des plur. utrique, von zwei einzelnen gebraucht, ſei durchaus gegen Cicero's Sprachgebrauch. Es findet ſich aber, kritiſch geſichert, bei Cicero or. p. Lig. 12, 36. p. Mur. 12, 26. Verr. II. 4, 14, 32. Ebenſo§. 124. der plural. duumviri und trium- viri, der eigentlich gegen die Grammatik ſei, beduͤrfe noch der Beglaubigung. Doch findet man ihn aus Handſchriften aufgenommen von Otf. Müller bei Varro Ling. Lat. V, 31. und IX, 35. und von Orelli in Cic. Orat. 46.— Von den contrahirten Formen des perf. act. könne fuͤr die dritte pers. plur. die Endung auf ere nicht gut ſtattſinden, heißt es§. 163., weil ſie alsdann mit dem Infinitiv gleichlautend ſein wuͤrde. Eine reiche Sammlung von Beiſpielen dagegen gibt aber Fabri ad Liv. XXI, 23.— Ferner ſind ganze Werke des goldnen Zeitalters der Latinitaͤt bei weitem zu wenig fuͤr die Grammatik ausgebeutet, z. B. die in neuerer Zeit aufgefundenen frgm. der Ciceroniſchen Reden p. Tullio, p. Scauro, in Clodium, p. Flacco und der Buͤcher de Repl. finden bei Zumpt ſo gut wie gar keine Beruͤckſichtigung. Ob deswegen, weil es von Nizolius noch nicht ge⸗ ſchehen konnte? Endlich hat Zumpt den Reſultaten der neueren Kritik nicht die gebührende Aufmerkſamkeit geſchenkt, wobei am meiſten auffällt, daß ſelbſt in der 7. Ausg.(v. J. 1837.) die anerkannt vorzuͤglichſte kritiſche Ausgabe der Ciceroniſchen Werke von Orelli nixgends beachtet wird, ausgenommen§. 728., da jedoch ſo, daß nicht der Name genannt, ſondern derſelbe unter der Geſammtheit der neuern Editoren begriffen wird, waͤhrend er Erneſti, Goͤ⸗ renz u. A. namentlich auffuͤhrt. Faſt ſollte man vermuthen, Zumpt wolle Orelli es ent⸗ gelten laſſen, daß wo dieſer große Kenner des lateiniſchen Sprache eine Grammatik citirt, er nur die Ramshorn'ſche dieſer Ehre würdigt, was z. B. gerade in dem von Zumpt§. 721. beſprochenen Punkt der Fall iſt. ef. Orelli ad Cic. de orat. II. 4.


