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»gefunden wird, ein Lernen dieſer Dinge ſo obenhin, ein Erklaͤren der Haupt⸗ »regeln ohne wöͤrtliches Memoriren, ein Nachlaſſen in Wiederholung und Ein⸗ »uͤbung derſelben, ehe ſie ganz gelaͤufig ſind„und jene Fahrlaͤſſigkeit, die es fuͤr »Geiſtloſigkeit und Pedantismus haͤlt, hier jede ſtand gleichſam auf die Spitze „zu ſtellen und auch die Kleinigkeiten genau und als wichtige Dinge zu nehmen. »Will man das Pedantismus nennen, ſo ſei es; aber nichts iſt in den erſten »Jahren heilſamer, als ein ſolcher Pedantismus und ohne ihn, der die Strenge »der Auffaſſung, die Sicherheit der Bewahrung, die Gewandtheit im Gebrauch »gleich von vorn herein und gleichſam mit der Muttermilch der Grammatik ein⸗ .ost, iſt auch in der Zukunft wenig Feſtigkeit des Erlernens und Wiſſens zu „hoffen.« Thierſch.
Anderntheils laͤuft dieſe Unterrichtsmethode in der lateiniſchen Syntax zu viel auf eine logiſche Eroͤrterung hinaus, die fuͤr zehnjaͤhrige Knaben zu ſchwieri g iſt. Die logiſchen und rhetoriſchen Geſetze werden fuͤr die Faſſungskraft der Knaben ſehr leicht zu abſtract und ſind darum, ſobald ſie nicht auch aͤußerlich anſchaulich und von der Form aus begreifli gemacht werden koͤnnen, meiſten⸗ theils fuͤr die Altersſtufe nicht anwendbar. aß es aber nicht moͤglich iſt, das Logiſche aus der Form einer fremden Sprache uͤberall begreiflich zu machen, er⸗ gibt ſich aus dem oben Geſagten. Die groͤßte Schwierigkeit wuͤrde ſich nament⸗ lich in der Erklaͤrung der objectiven Nebenſaͤtze finden. Welche Uebung im Den⸗ ken muß man bei dem Knaben vorausſetzen, um ihm zu zeigen, z. B. daß Con⸗ ditionalſaͤtze oder daß Saͤtze mit licet Ablativſaͤtze, oder ſolche mit dum Accuſa⸗ tivſaͤtze ſeien. Iſt denn, frage ich Jeden, das Verſtaͤndniß gefoͤrdert, wenn Lud⸗ wig Curſ. I.§. 182. aufſtellt:»An die Angabe des Grundes, wo eine Er⸗ ſcheinung ſtattfindet, ſchließt ſich der Gebrauch einiger verba an, die ihr Object im Ablativ zu ſich zu nehmen ſcheinen. Es ſind folgende: vescor, fruor etc.⸗ Wahrlich damit iſt ſo wenig erklaͤrt, als§. 141., wo es heißt:»Wenn uͤberhaupt aus dem beſonderen Verhaͤltniſſe, in welchen Dinge zu Dingen erſcheinen, Zu⸗ ſtaͤnde hervorgehen, die durch dieſes Verhaͤltniß nach ihrem Grunde bedingt ſind, ſo ſind dahin auch jene Zuſtaͤnde eines unangenehmen Gefuͤhls zu rechnen, die ſich durch die verba impersonalia pudet etc. ausgeſprochen werden. Das Ding, welches den Grund des Zuſtandes enthaͤlt, ſteht im genitivus oder infinitivus. die Perſon, an welcher der Zuſtand erkannt wird, im accusativus 1). 4
Da nun bei dem anfangenden Lateiner nicht eine Ueberſicht uͤber das Syſtem beabſichtigt wird, ſondern das Erlernen der Sprache, ſo hat derſelbe ſich gerade
1) Ludwig hat ſich ſogar einen Fehler entwiſchen laſſen, der kaum einem Gymnaſiaſten ver⸗ ziehen wuͤrde, indem er Curſ. I.§. 156. decet und dedecet als verbe personalia deece Imnd dedeceo auffuͤhrt.— Sonderbar nimmt ſich auch ſeine Regel aus, Curſ. II.§. 152.: „Zur Angabe des Ziels, an dem ſich ein Zuſtand, beſonders raͤumlicher Bewegung in ſeiner Dauer begrenzt, dienen beſonders die Namen von Städten, kleinen Inſeln, Halbinſeln und domae und rus.“ Als ob die großen nicht ebenſo gut dazu dienen könnten.


