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das Ding auch recht angreift, ſo bleiben trotz dem in den Conjugationen mehr als 70 Formen, dagegen in den Declinationen nur ungefaͤhr die Haͤlfte davon zu lernen.(NB. bei Anfaͤngern.) Bei den Worten:»Wenn man das Din nur recht anfaͤngt,« denkt er wahrſcheinlich an eine Vereinfachung der Art, wie ſie von Voͤlker vorgeſchlagen worden in dem Schriftchen: Tabellen zur Erler⸗ nung der regelmaͤßigen latein. Conjugation durch Zuruͤckfuͤhrung der vier Conju⸗ gation auf eine. Gießen 1838. Doch kann ich aus eigner Erfahrung uͤber die⸗ ſen Plan von Voͤlker behaupten— denn auch nach dieſer Methode habe ich den Verſuch angeſtellt— daß man leichter zum Ziel gelangt, wenn man die Scheidung in vier Conjugationen anfangs beibehaͤlt und die einzelnen tempora von allen vieren nebeneinander lernen laͤßt, wobei der Lehrer durch manche ein⸗ geflochtene Bemerkung einſtweilen auf die Moͤglichkeit einer Vereinfachung und Redubirung auf eine einzige Conjugation aufmerkſam machen kann. Sind die⸗ ſelben auf dieſe Weiſe eingeuͤbt, ſo iſt es ſehr zweckdienlich, die Schuͤler darauf hinzufuͤhren, daß ſie ſelbſt ſich daran verſuchen, eine ſolche Reducirung zu Stande zu bringen; wie ich es denn uͤberhaupt fuͤr das Gerathenſte halte, in allen Faͤ⸗ chern, wo es nur irgend angeht, nicht von dem dogmatiſch aufgeſtellten Allge⸗ meinen auszugehen, ſondern die Knaben, nachdem ſie mit der einzelnen Erſchei⸗ nung hinreichend bekannt gemacht ſind, das Allgemeine ſelbſt abſtrahiren zu laſ⸗ ſen. Dies gewaͤhrt nicht nur eine Wiederholung, ſondern die Schuͤler ſind auch genoͤthigt, auf das Charakteriſche alles Einzelnen genau zu achten, und gewinnen zudem eine klare Urberſicht.
Gegen das Voranſtellen des Verb in der Formenlehre erklaͤrt ſich auch Weißenborn ¹) aus dem Grund:»Weil, wenu einmal die Formenlehre ohne Ruͤckſicht auf die ſyntaktaliſchen Verhaͤltniſſe behandelt wird„ die Flexion der Nomina ebenſo ſelbſtſtaͤndig erſcheint, als die der Verba und nicht jene aus dieſer ſich entwickelt und Licht erhaͤlt. Nur dann wurde das Vorangehen des Verbums nothwendig ſein, wenn Formenlehre und Syntar vereinigt wuͤrden.⸗
Eine ſolche Vereinigung der Formenlehre und Syntar haben nun Aug. Grotefend in ſeinem lateiniſchen Elementarbuch(Hannov. II. Aufl. 1838) und Ludewig in obengenanntem Werk verſucht, worin das Verb vorangeſtellt iſt. Dagegen habe ich aber einzuwenden, daß Saͤtze, welche durch bloſe Verben ge⸗ bildet werden koͤnnen, zu kurz und monoton und daher gar bald ermuͤdend wer⸗ den. Setzt man aber nominale Satztheile hinzu, welche dann in der Anmerkung ihre Erklaͤrung finden, ſo iſt man damit nicht weiter gekommen, als wenn man wie Jacobs in ſeinem griech. Leſebuch, mit der Declination beginnt und die zur Satzbildung erforderlichen Verba in der Anmerkung erklaͤrt. nd dieſe Verbal⸗ formen ſollte der Schuͤler in der deutſchen Ueberſetzung, welche die Note darbie⸗ tet, nicht verſtehen koͤnnen? Dies wird naͤmlich von A. Grotefend eingewor⸗
1) Vorrede der Grammatik pag. IV.


