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ſeiner ausfuͤhrlichen lat. Grammatik(Hannov. 1830), als auch in ſeiner lat. Schulgrammatik(Hannov. 1833), welche darin beſteht, daß das Verbum an den Anfang der Grammatik geſtellt iſt.
A. Grotefend will, waͤhrend die Uebrigen erſt nach eingeuͤbter Formenlehre zur Satzlehre ſchreiten, gleich den allererſten Unterricht im Lateiniſchen mit dem Satz beginnen. Zur Begruͤndung fuͤhrt er an:»Das Verb iſt die Baſis der ganzen Sprache, ſowohl in etymologiſcher, als ſyntaktiſcher Ruͤckſicht, denn es iſt die Mutter der uͤbrigen Rebetheile und der Mittelpunkt des Satzes: wenn die Grammatik daher nicht mit dem Verb den Anfang macht, ſo iſt das ganze Syſtem in ſeinem Mittelpunkt zerſtoͤrt. Wer nicht von den Verb ausgeht, dem wird es nicht gelingen, dem Anfaͤnger einen Begriff von einem Caſus zu geben, noch viel weniger ihm den Unterſchied der einzelnen Caſus begreiflich zu machen.“« Nun iſt nicht zu laͤugnen, daß durch das Verb die uͤbrigen Redetheile erſt Leben erhalten; allein, wenn man den lateiniſchen Unterricht mit dem vollſtaͤndigen Verb eroͤffnet, ſo muß der Knabe ſogleich von vorn herein eine weit groͤßere Menge der mannichfaltigſten Formen ſeinem Gedaͤchtniß einpraͤgen, und es iſt dieſes Verfahren ſo mißlich, wie das von Diſſen, welcher vorſchlaͤgt, um in das Griechiſche einzuweihen, den Anfang mit der Lectuͤre des Homer zu machen ¹). Grotefend ſucht zwar ſeine Anſicht arithmetiſch zu begruͤnden, durchedie Nach⸗ weiſung, daß fuͤr die Erlernung der Declination fuͤnfzig verſchiedene Caſus⸗En⸗ dungen behalten werden mußten, waͤhrend die Conjugation nur zwei Mal ſechs verſchiedene Perſonal⸗Endungen darbiete und uͤberhaupt ſei die Conjugation leich⸗ ter zu lernen, als die Declinationen, wenn man das Ding nur recht angreife. Doch in jener Berechnung iſt nichts, als eitel Lug und Trug; denn wenn man
1) Diſſen(in Anleitung fuͤr Erzieher, die Odyſſee mit Knaben zu leſen. Götting. 1809.) geht dabei von der altphilologiſchen Anſicht aus, daß der Jugend alle Bildung durch die Alterthumsſtudien beigebracht werden ſolle. Dem Knaben muͤſſe daher derjenige Schriftſteller zuerſt vorgelegt werden, der am meiſten mit ihm auf aͤhnlicher Stufe ſtehe. Homer ſei nun derjenige, worin das Kindesalter des griechiſchen Volks abgeſpiegelt ſei, mit ihm alſo muͤſſe der Anfang gemacht werden, und die Lectüre der Schriftſteller dann im weitern Ver⸗ folg ſtreng dem Entwickelungsgang der griechiſchen Bildung nachgehen. Dann erſt dürfe das Studium des Lateiniſchen folgen, da die Roͤmer ihre Bildung von den Griechen uͤberkommen haben. Auch von Seiten der Sprache werde dabei gewonnen, indem man auf ſolche Weiſe den Bildungsgang der Sprache hiſtoriſch verfolgen konne. Es ſei dem Knaben weit leichter, nachdem er den Joniſchen Dialect kennen gelernt, den Attiſchen, der nur aus Concretion des Joniſchen entſtanden, zu begreifen, als umgekehrt die mannſchfaltigen Aufloͤſungen des Jo⸗ niſchen Dialects. Schon Hemſterhuis und nach ihm Ruhnken hatten dergleichen auf⸗ geſtellt, wogegen mit Recht Reiſig 1. 1.§. 44 bemerkt:„Dies iſt nur fuͤr die gut, welche philoſophiſch⸗kritiſch dabei zu Werke gehen wollen; aber bei ſolchem Beſtreben muß man doch ſchon etwas Latein verſtehen. Ruhnken, als er nach Holland in Hemſterhuſius Schule kam, verſtand ſchon vollkommen Latein, und nahm ſich nur vor, es zu ignoriren, um Griechiſch zu lernen. Mit ſeinem Beiſpiele wird alſo nichts bewieſen.“


