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Gebrauch der Caſus in der deutſch. latein. u. griech. Spr. Eſſen 1838, ſowie auf den Ausſpruch von Herling, der in der deutſchen Syntar Bd. I.§. 36. nach ſeiner Eroͤrterung der Eintheilung der Nebenſäͤtze ſich ſo erklaͤrt:„»Daher claſſificiren wir auch ſpaͤter ſolche Saͤtze ganz auf dieſelbe Weiſe, wie wir§. 24. die Woͤrter claſſificirt haben, und halten jede andere Claſſification, als den or⸗ ganiſchen Geſetzen der Sprache fremd, fuͤr logiſche Kunſteleien.«
Am ſchlimmſten iſt es Weißenborn gegangen in der Nachweiſung der beſtimmenden Objectivſaͤtze als Accuſativſaͤtze, alſo in einem der Punkte, worin er am meiſten von den uͤbrigen Grammatikern abweicht. Bei den Accuſativſaͤtzen der Zeit iſt gar nicht einzuſehen, warum die Saͤtze mit ut, z. B. Ut Hostus ee- cidit, confestim Romana inctinatur acies, gerade Accuſativſaͤtze ſein ſollen, da ſie ebenſogut temporale Ablativſaͤtze ſein koͤnnten, wie die Saͤtze mit ubi, z. B. Ubi lux adventabat, milites clamorem tollere. Um die Vergleichungsſätze als Accuſativſaͤtze nachzuweiſen, fuͤhrt er dieſelben auf den ſogenannten griechiſchen Accuſativ zuruͤck. Allein dieß erſcheint ſogleich an und fur ſich zu weit herge⸗ holt; dann laͤßt ſich auch hiſtoriſch beweiſen, daß dieſe Herleitung irrthuͤmlich iſt. Naͤmlich zu einem intranſitiven Verb den Begriff deſſelben in nominaler Geſtalt als Object noch hinzuzuſetzen, iſt ein Gebrauch, der zu den Roͤmern erſt ſeit ihrem Verkehr mit den Griechen kam und nur aus Ueberſetzung oder Nach⸗ ahmung des Griechiſchen entſtand. Der Umgangsſprache blieb dieſer Gebrauch ſtets fremd, und ſelbſt bei den Griechen findet er ſich nur im hoͤheren Stil, wie bei den Tragikern ¹) und Pindar, um einem Gedanken eine außergewoͤhn⸗ liche, pikante Form zu geben.
Ludwig kann man auch in ſeinem Verfahren bei der Eintheilung der Ne⸗ benſaͤtze nicht beiſtimmen. Obgleich er§. 36. einen Beweis liefert, daß nur zwei Arten von Nebenſaͤtzen, naͤmlich adjectiviſche und ſubſtantiviſche, moͤglich ſeien, ſo fuͤgt er nachher§. 41. dennoch als dritte Art die Relativſaͤtze dazu mit der Bemerkung:»Sowohl die adjectiviſchen Nebenſaͤtze, als auch diejenigen von den ſubſtantiviſchen, welche durch Relativa eingeleitet werden, werden unter dem Namen Relativſaͤtze zuſammengefaßt.“ Da nun die Adjectivſaͤtze durch ihre Form Relativſaͤtze ſind, und Ludwig als Beiſpiele von Subſtantivſaͤtzen nur adjecti⸗ viſche Subſtantivſaͤtze gibt; ſo muß jedenfalls der Knabe zu der Meinung an⸗ fangs verleitet und genoͤthigt werden, alle Nebenſaͤtze ſeien Relativſaͤtze.— Im Uebrigen ſtimmt er mit Weißenborn uͤberein in der Declination der Neben⸗ fäte, wobei die Adverbialſaͤtze in den Accuſativ⸗ und Ablatrvſaͤtze untergebracht werden.
In den obengenannten Werken iſt, wie ſchon geſagt, die Geſtalt der For⸗ menlehre die alte geblieben. Eine merkwuͤrdige Abweichung davon findet ſich aber bei Aug. Grotefend und Ludwig, und zwar bei Erſterem ſowohl in
1) S. Wunder ad Soph. Oed. R. 259.


