Aufsatz 
Über die neueren lateinischen Schulgrammatiken
Entstehung
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ten und nach dieſen die lateiniſchen betrachtete, als die letzteren in ihrem eigent⸗ lichen Weſen gefaßt und dargeſtellt haben.

Betrachten wir die Ano rdnung der Syntar, wie ſie ſich in den oben ge⸗ nannten lateiniſchen Schulgrammatiken vorliegt, jetzt im Einzelnen. Ich werde mich uͤbrigens des Raumes wegen auf die Werke von Weißenborn, Feld⸗ bauſch, Eichhoff und Beltz, Grieben und Ludwig beſchraͤnken. Alle dieſe, Ludwig ausgenommen, laſſen die Scheidung der Grammatik in die Formen⸗ lehre und Syntax, ſo wie fruͤher beſtehen 1), und gaben nur der Syntar eine andere Geſtalt. Doch hat ſich Weißenborn in der Etymologie noch das be⸗ ſondere Verdienſt erworben, die Wortbildungslehre mit Benutzung der Reſultate, welche auf dem Gebiet der hiſtoriſchen Sprachforſchung gewonnen worden, nach wiſſenſchaftlichen Principien behandelt zu haben. ¹

Alle beginnen mit der Lehre von der Verbindung des Subjects und Praͤdi⸗ cats, Grieben ausgenommen, welcher die Syntar gleich mit der Claſſificirung der unabhaͤngigen Saͤtze eroͤffnet. Jene handeln in dieſem erſten Abſchnitt auch von den temporibus und modis, wobei gleich der Uebelſtand eintritt, daß da⸗ durch ſchon in die untergeordneten Saͤtze uͤbergegriffen wird, wie an den Bei⸗ ſpielen zu ſehen iſt bei Weiß enborn§. 177. Quis tum auderet dicere, damnatum esse Oppicianum? Clausum habuisses hominem, dum Pan- hormo Pretures veniret.§. 180. Si quis unquam a generi isto non ab-

horrens fuit, me esse arbitror.

Ferner kann nicht als richtig anerkannt werden, wenn Weißenborn. 187. den Infinitiv als Praͤdicat anſieht, wie in den Beiſpielen malum est libe ros amittcre und intueri solem adversum nequimus; vielmehr iſt im erſteren liberos amittere als Subject von malum est, im zweiten intueri solem adver sum als Object von nequimus anzuſehen.

Bei der Eintheilung der unabhaͤngigen Saͤtze legen nun Grieben und Eichhoff⸗Beltz die logiſchen Unterſcheidungen zum Grunde und ſtellen drei Claſſen auf, welche bei Jenem Saͤtze 1) der directen Ausſage, 2) der directen Jrage⸗ 3) des directen Verlangens genannt werden; bei Dieſen 1) einfache

usſage oder Behauptungsſaͤtze, 2) Frageſaͤtze, 3) Befehl⸗ oder Wunſchſaͤtze, jeder entweder affirnativ oder negativ. Dieſe zugleich grammatiſche Scheidung hat Grieben nicht, und er beruͤhrt die Negation nur zum Theil bei den coor⸗ dinirten Saͤtzen§. 275. Weißenborn hatte jene logiſchen Momente ſchon bei den Modis beſprochen, laͤßt daher jetzt nur die ſprachliche Form als Theilungs⸗ grund auftreten, wodurch ſich die affirmativen, negativen und Fragſaͤtze heraus⸗ ſtellen. Von Feldbauſch's Eintheilung, welcher damit noch die Walage durch Indicativ, Conjunctiv, Imperativ und die intenſive Beſchaffenheit der Ausſage

1) Von A. Grotefend's abweichendem Verfahren weiter unten.