— 22—
sich dem gewaltigen und würdigen Eindruck desselben nicht entziehen. E. Devrient, ein durch seine umfassende Kenntnis der Schauspielkunst berufener Richter, spricht sich über die Stoffe der geistlichen Spiele in folgenden Worten aus: ¹)„Aus diesen Zusammenstellungen der scenischen Wirkungen der alten Osterspiele geht wohl deutlich hervor, wie entschieden sie trotz aller burlesken Einmischungen den kirchlichen Charakter bewahrten, wie sie nur theatralische weitere Ausführungen des grossen Inhaltes waren; zugleich aber auch, dass es keine gewaltigeren, tiefsinnigeren Stoffe als diese symbolisch-geschichtlichen Darstellungen des göttlichen Willens an die Menschheit in seinem ganzen Umfange giebt.— Alle an- deren Stoffe werden immer nur Abschattungen dieses einen, kleine Münzen aus dem uner- messlichen Schatze sein.— Aber die Erhabenheit desselben wird vielleicht auch immer der theatralischen Behandlung spotten und die unbefangene, kindische des Mittelalters die einzig zulässige bleiben; der Stoff wirkt dabei fast nur durch sich selbst.“— Und über die scenische Wirkung heisst es:„Der ganze Opernpomp unserer Tage hat nichts Aehnliches aufzuweisen.“
¹) Devrient, Geschichte der deutschen Schauspielkunst 1, 73, 71.


