Aufsatz 
Ueber die dramatische Dichtung Deutschlands im Mittelalter / von P. Häling
Entstehung
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Siebente Handlung.

Augustinus knüpft in dem Prologe an das Ende des Judas an, dem Gottes Gnade, wenn er sich nicht erhängt hätte, doch zu teil geworden wäre.

Der Jude Rufus erscheint mit Jesus vor Pilatus, der denselben nach vorgenommenem Verhör den Knechten zur Geisselung übergiebt.

Christus wird entkleidet, an die Säule gebunden und gegeisselt. Nachdem ihm ein Purpurmantel umgehängt worden ist, zeigt ihn Pilatus dem Volke, indem er bekennt, dass er keine Schuld an ihm finde und lässt ihn dem Herodes zuführen.

Herodes fragt die Kommenden nach ihrem Begehren, worauf Rufus Jesum anklagt und dessen Bestrafung fordert. Herodes schickt dem Pilatus einen Gruss, der von diesem auf der Stelle artig erwidert wird. Nun verlangt Herodes von Christus ein Zeichen. Da dieser schweigt, so lässt er ihm ein weisses Kleid anziehen und schickt ihn dem Pilatus zurück.

Achte Handlung.

Nach einer kurzen Einleitung des Augustinus beginnt Petrus die Verhandlungen mit den Juden aufs neue; er bekennt, keine Schuld an Jesus zu finden und erinnert sie an das ihnen zustehende Recht, sich auf Ostern einen Gefangenen los zu bitten, indem er ihnen zwischen Jesus und Barrabas die Wahl lässt.

Der Teufel erscheint der Frau des Pilatus und flüstert ihr ins Ohr, worauf sie er- wacht und ihr Dienstmädchen beauftragt, den Knecht Urian zu ihrem Manne zu schicken, dass er Jesus frei gebe. Allein Rufus verlangt unter Hinweis auf des Kaisers Ungnade die Verurteilung. Ehe sich Pilatus dazu entschliesst, wäscht er seine Hände zum Zeichen der Unschuld und spricht dann das Urteil. Hierauf ergreifen die Soldaten Jesum und Rufus stattet seinen Dank für das Urteil ab.

Neunte Handlung.

Dieselbe wird von Augustinus eingeleitet. Die Scene ist auf Golgatha, wo Christus zwischen den beiden Schächern ans Kreuz geheftet ist, während am Fusse desselben die Soldaten um Christi Rock würfeln. Kaiphas, Annas und der eine Schächer spotten über Christus, während der andere Schächer Reue zeigt, weshalb ihm Jesus die Aussicht auf das Paradies eröffnet.

Während Pilatus unter Einwürfen des Annas die Ueberschrift zu dem Kreuze Christi macht, empfiehlt Jesus seinen Lieblingsjünger Johannes seiner Mutter Maria und ruft plötzlich: Eli, Eli, lama asabthani, was den Rufus zu einer spottenden Bemerkung veranlasst. Nach- dem Jesus zur Stillung seines Durstes an dem dargereichten Schwamme gekostet hat, stirbt er. Um seinen Tod festzustellen, durchbohrt der hinzugekommene Hauptmann Longinus mit einem Speere Christi Seite. Das am Lanzenschaft hinabträufelnde Blut berührt seine Augen undzbewirkt dadurch seine Bekehrung.

Joseph von Arimathia erhält von Pilatus die Erlaubnis, den Leichnam Christi zu beerdigen. Johannes vollzieht die Bestattung und alle dem Jüngerkreise Angehörigen ent- fernen sich. Die Vermutung des Kaiphas, man werde den Leichnam heimlich entfernen, um die Sage von der Auferstehung Christi glaublich zu machen, veranlasst Pilatus, eine Wache am Grabe aufzustellen. Hierauf entfernen sich Kaiphas und Pilatus.