Aufsatz 
Ueber die dramatische Dichtung Deutschlands im Mittelalter / von P. Häling
Entstehung
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Das Theaterkostüm entsprach im ganzen der in der damaligen Zeit gebräuchlichen Kleidung, sodass, wie auf den Gemälden Holbeins, Dürers und Kranachs, auch in den geistlichen Spielen die Personen in mittelalterlicher Tracht auftreten. Für einzelne Personen waren bestimmte Vorschriften gegeben. Die Engel sollten weiss gekleidet und mit Flügeln versehen, der auferstandene Christus aber mittriumphierenden Gewändern angethan sein. Dass die Kostüme nicht bedeutungslos waren, geht aus dem Alsfelder Passionspiele hervor, worin Satanas nach der Bedeutung der roten Farbe des Gewandes, womit Christus bekleidet ist, fragt und der Engel erklärt, dass damit an den Opfertod Christi erinnert werden solle. Eine ideale Kleidung kam nur bei den höchsten Personen, bei Christus, Gott Vater und den Aposteln, zur Verwendung, die sich ausserdem auch durch Krone und Heiligenschein auszeichneten. Da überdies auch viele Darsteller in Messgewändern erschienen, so bot die Bühne mit den sich bildenden Gruppen ein buntes Bild, das durch sinnliche Effekte das dramatische Leben ersetzte.

Mit dem Umfang und der Entwickelung der geistlichen Spiele stieg auch die Zahl der auftretenden Personen. Während bei älteren Spielen dreissig bis vierzig Personen ge- nügten, wurde im Jahre 1489 zu Frankfurt am Main von dem Bartholomäusstifte daselbst ein geistliches Spiel mit 265 Personen aufgeführt. Wie in Frankreich suchte man auch in Deutschland eine Ehre darin, als Darsteller mitzuwirken; nur Frauen wurden nicht zugelassen, ihre Rollen besorgten die jüngeren unter den mitwirkenden Männern. Im sechszehnten Jahrhundert, als die geistlichen Spiele ihrem Verfall entgegengingen, übernahmen einzelne Zünfte die Aufführung.

Bei diesem Umfang der Spiele konnten die für die Regie des Stückes in dem Stücke selbst gemachten Bemerkungen nicht mehr genügen. Um Verwirrungen vorzubeugen bestand später, neben dem Texte, ein besonderes Ordnungsbuch, nach welchem die Aufführung statt- zufinden hatte.

Die grosse Ausdehnung der Spiele machte es aber auch unmöglich, die Aufführung ohne Unterbrechung durchzuführen. Zwar spielte man von Morgen bis gegen Abend, mit einer Pause um die Mittagszeit, allein viele Spiele verlangten einen grösseren Aufwand an Zeit, weshalb man sie in mehrereTagewerke teilte.

Auf die Frage, ob ein Eintrittsgeld erhoben worden sei, lässt sich wohl, bei dem geringen Aufwand, der für die älteren Stücke erforderlich war, mit Recht eine verneinende Antwort geben. Als aber durch den Umfang der Spiele die Kosten erheblich vermehrt wurden, nahm man zur Bestreitung derselben eine Spende, bei der Naturalien nicht ausge- schlossen waren. Während in Frankreich die Eintrittspreise zu einer Höhe stiegen, die das Einschreiten des Parlamentes durch Normierung eines Maximalbetrages notwendig machte, wurde in Deutschland auch in dieser Richtung massgehalten, wofür die Stelle aus dem Prologe

zu einem Osterspiel zeugt: ¹) Wir wellen haben ein Osterspil,. Das ist vrölich und kost nicht vil.

Die Aufführung eines Spieles werden wir uns, nach den vorstehend gegebenen An- deutungen, ungefähr in folgender Weise zu denken haben.

¹) Hoffmann, Fundgrube II, 298.