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die auf uns gekommenen Handschriften deutscher Spiele keine Anhaltspunkte; nur die Dirigier- rolle des Frankfurter Passionsspieles erwähnt eine ähnliche Treppe. Dagegen enthält eine Donaueschinger Handschrift aus dem fünfzehnten Jahrhundert, bei Mone ¹) die aus dem sechs- zehnten Jahrhundert stammende Zeichnung einer Bühne. Da nicht anzunehmen ist, dass die Einrichtung der Bühne innerhalb eines Jahrhunderts eine so fundamentale Umwandlung erfahren hat, so kann dieselbe auch für das fünfzehnte Jahrhundert massgebend sein.
Dieselbe bildet ein Rechteck, welches aus 3 Abteilungen besteht, die durch Thore mit einander verbunden sind. Von der rechten Seite gelangte man durch ein Thor in die erste Abteilung, in welcher im Vordergrund die Hölle, im Hintergrund der Garten Gethse- mane mit dem Oelberg sich befand. Das zweite Thor bildete den Eingang in die mittlere, grössere Abteilung, deren Vordergrund das Haus des Herodes und dasjenige, in welchem das Abendmahl gefeiert wurde, zeigt, im Hintergrunde befinden sich in der nämlichen Reihenfolge das Haus des Pilatus, des Kaiphas und Annas. In dem Zwischenraume sind in entsprechender Entfernung zwei Säulen errichtet, wovon die eine für die Geisselung Christi bestimmt war, die andere durch den auf derselben befindlichen Hahn ihre Bestimmung leicht erkennen lässt. Das dritte Thor führt in die letzte Abteilung, in deren Mitte drei Kreuze
und um dieselben herum vier Gräber sich befinden, aus denen nach dem Verscheiden Christi die Toten aufstanden; im Hintergrunde sah man das Grab Christi und an der äussersten Linken den Himmel.
Diese Einrichtung der Bühne, wonach die Scenen nebeneinander aufgestellt wurden, entwickelte sich aus dem Umstande, dass ebenso wie die altklassische, die mittelalterliche Bühne keinen Scenenwechsel hatte. Den Schauspielern waren bestimmte Plätze auf der Bühne zugewiesen; sie sassen oder standen an den Seiten der Abteilung und gingen, wenn sie die Reihe traf, in die Mitte der Abteilung, wo sich die Spieler zu einer für die Zu- schauer leicht erkennbaren Gruppe vereinigten. In dieser Weise ist das in den Handschriften enthaltene„Her fur gahn“ oder„Surgat e loco suo“ zu erklären. Spieler, die ihre Rolle gespielt, Gegenstände, welche auf der Bühne benützt worden waren, blieben auf derselben; letztere wurden höchstens beiseite gestellt. Wie der für eine Gruppe bestimmte Platz abge- grenzt wurde, darüber fehlen die Aufschlüsse. Die auf der Bühne befindlichen Häuser bestanden wahrscheinlich nur aus vier Pfählen, auf denen ein Dach ruhte, damit es den Zuschauern möglich war, die Vorgänge auf der Bühne von allen Seiten wahrnehmen zu können. 1
Die Theatermaschinerie war die denkbar einfachste, weil die geistlichen Spiele die optische Täuschung bei der Ausführung ausschlossen. Um darzustellen, dass der Teufel in den Judas gefahren, enthält ein Spiel die Vorschrift, derselbe solle einen schwarzen Vogel an den Füssen vor den Mund halten und flattern lassen. Die Seelen der Schächer hingen in Gestalt eines gemalten Bildes aus dem Munde derselben, und allen Zuschauern sichtbar brachte der Engel die Seele des Reuigen in den Himmel, während der Teufel die des Bösen in die Hölle entführte. Die Selbstentleibung des Judas fasste man als eine von dem Teufel vollzogene Hinrichtung auf, bei welcher der letztere mit Judas an einem Seile zur Hölle hinabrutscht.
¹) Schausp. des Mittelalters II. B 150.


