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scene, deren Mittelpunkt die drei Marien sind, welche vor dem Besuche des Grabes ihre Salben und Spezereien einkaufen. Die Komik vertreten darin der Knecht Rubin, dessen derbe Spässe lebhaft an die später sich entwickelnde, volkstümliche Figur des„Hanswurstes“ erinnern, und der Krämer, der Herr des vorigen, der possenhafte Auftritte mit jenem hat, die oft in eine Prügelei ausarten. Auch die Scene, welche die Bekehrung der Maria Magdalena darstellt, nahm schon frühe eine komische Richtung. Erheiternd wirkt darin die Darstellung ihrer Hoffart, Eitelkeit, Welt- und Sinnenlust: sie lässt sich von dem Teufel einen Spiegel reichen und bewundert ihre Schönheit, singt lustige Volksliedchen und spricht, nachdem der Soldat des Herodes, mit dem sie getanzt hat, ermüdet um Urlaub gebeten hat: So, so, her, so
wass wollte ich ebr gesellchin danczen uffeyn stroh
der ist gereide müde worden jo,
wer er mer, ich tede en allen also!
(Alsfelder Passionsspiel.)
Daneben führt der Umstand, dass der auferstandene Christus für den Gärtner gehalten wird, zu allerlei heiteren Missverständnissen. Am besten zeigt sich die naive Harmlosigkeit der Komik in dem Wettlaufe des Johannes und Petrus zum Grabe, zu dem sie sich nach Knabenart herausfordern, wobei der letztere den kürzeren zieht und dafür reichlichen Spott einerntet..
Die den geistlichen Spielen eingefügten Teufelsscenen können freilich nicht auf das Streben zurückgeführt werden, das wirkliche Leben nachzuahmen; sie sind vielmehr aus den Höllenfahrtsscenen, welche sich schon in den ältesten geistlichen Spielen finden, hervor- gegangen. Ihre Entwickelung scheint durch die in Frankreich einheimischen Teufelsspiele (diableries) lebhaft gefördert wordeu zu sein. Die Erscheinung und Thätigkeit des Teufels, der oft in Tierfelle gekleidet und mit Hörnern und einem langen Schwanz versehen war, dient ganz besonders dazu, das humoristische Element würdig zu vertreten. Luzifer ist voll Angst, durch den auferstandenen Heiland möchte seine Hölle entvölkert werden; doch seine Genossen beruhigen ihn und bringen ihm zum Ersatz einen Bierwirt, der falsches Mass gebraucht, einen Bäcker, der zu kleine Brote gebacken hat, und so fort eine Anzahl ähnlicher Sünder, deren Zusammenstellung eines komischen Effektes gewiss sein konnte.
In den Weihnachtsspielen sind ausser Joseph, dem Pflegevater Jesu, der mit besonderer Vorliebe die Zielscheibe des Mutwillens ist, die Hirten die Repräsentanten der Komik, sei es, dass ihre lücherliche Renommage mit Siegen, die sie über wilde Tiere errungen haben wollen, oder die erschreckliche Angst vor denselben, die sie aussprechen, erheiternd wirkt. Diesen Scenen liegt unverkennbar auch eine satirische Absicht zugrunde, indem man damit die kriegerischen Prahlhänse unter den Rittern jener Zeit blosszustellen suchte.
Die erste Nachricht über die Aufführung geistlicher Spiele in Deutschland stammt aus dem vierzehnten Jahrhundert. Kanonikus Johann Rothe von Eisenach erzählt in seiner thüringischen Chronik, dass zu Ostern des Jahres 1322 ein Spiel von den zehn Jungfrauen im Tiergarten zu Eisenach aufgeführt worden sei:„Und da war der Landgraf Friedrich gegenwürtig und sah und hörte, dass die fünf thörichten Jungfrauen aus dem ewigen Leben gestossen wurden und dass Maria und alle Heiligen für sie baten und dass es nicht half, dass Gott sein Urteil wandte. Da fiel er in grosse Zweifel und ward mit grossem Zorn


