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das von Wilken) als Prophetenspiel charakterisirt wird. In ihm tritt der Gegensatz zwischen christlich-prophetischen und jüdisch-antichristlichen Elementen besonders bervor und führt zu einem lebhaften Streite zwischen dem heiligen Augustinus und dem Vorsteher der Juden- schule, aus dem jener als Sieger hervorgeht. Der symbolische Charakter des Stückes nimmt mit seiner Entwickelung steigend zu und es endigt, indem es ganz und gar in das Spiel vom Antichrist übergeht.
Der wahrscheinlich um die Osterzeit aufgeführte„ludus de adventu et interitu Anti- christi“ ist einer Handschrift des Klosters Tegernsee entnommen und gilt für das älteste unter den umfangreichen, lateinischen Kirchendramen. Wilken betrachtet dasselbe als eine selbständige Bearbeitung der in dem vorigen Stücke enthaltenen Motive, was er durch die nahe Lage und konstatierte litterarische Verbindung beider Klöster hinlänglich begründet hält. Der Inhalt desselben, dessen Erklärung noch offen steht, ist in gedrängter Kürze folgender: Auf dem in sieben Räume geteilten Schauplatz sind sieben Throne errichtet, die bei dem Eintritt der„Gentilitas“ und des Königs von Babylon unbesetzt sind. Gentilitas verteidigt die Existenz und Unsterblichkeit verschiedener Götter in längerer Rede, an deren Schluss der König von Babylon den für ihn bestimmten Sitz einnimmt und die Synagoge mit den Juden hereintritt, welche die Götter der Heiden und den Heiland der Christen verhöhnen. Da erscheint in glanzvollem Zuge die christliche Kirche, im Panzer, mit der Krone auf dem Haupt, begleitet von der„Misericordias“, dem„Apostolicus“, dem„Clerus“, der„Justitia“ und dem römischen Kaiser und nimmt ihren Platz ein, worauf auch die übrigen Könige mit Gefolge erscheinen und Platz nehmen. Jetzt sendet der Kaiser Boten an den Frankenkönig, den König der Griechen und an den König von Jerusalem, um sie zur Unter- werfung aufzufordern. Während der König der Griechen und der von Jerusalem persönlich dem Kaiser huldigen, verhöhnt ihn der Frankenkönig; er wird in einer Schlacht besiegt, empfängt aber von der Grossmut des Siegers Land und Thron wieder.
Die christlichen Könige gehorchen dem Kaiser. Da erhebt sich der König von Babylon und erklärt dem König von Jerusalem den Krieg. Ihm eilt der Kaiser unter den Segens- wünschen des„Engels des Herrn“ zu Hilfe und besiegt den König von Babylon im Zwei- kampfe, worauf sich dieser vor Gott beugt und seinen Sitz wieder einnimmt.
Jetzt aber versammeln sieh die Heuchler in Jerusalem, um unter dem Scheine der Demut die Gunst der Laien zu erlangen. Sie errichten im Tempel, aus dem sich die Kirche zurückzieht, den Thron des Antichristen, der von der Heuchelei und Ketzerei umgeben ist. Dieser sendet seine Boten an alle, dass sie ihm als ihrem Herrn huldigen. Die Könige kommen, knieen vor ihm und er schreibt ihnen die Anfangsbuchstaben seines Namens auf die Stirne. Nur mit dem deutschen Kaiser gelingt es ihm nicht, weil derselbe die Tüuschung durchschaut: es kommt zum Kampfe, in welchem das antichristliche Herr geschlagen wird.
Jetzt versucht es der Antichrist mit anderen Mitteln: er heilt einen Lahmen, einen Aussätzigen und erweckt einen Toten, wodurch auch der deutsche Kaiser bewogen wird ihn anzuerkennen. Durch ihn besiegt er den König von Babylon; auch die Synagoge gewinnt er. Da erscheinen Enoch und Elias und bekehren die Synagoge zum Glauben an den Heiland, so dass die Juden den Märtyrertod erleiden.
¹) Wilken, Geschichte der geistl. Spiele in Deutschland, c. III.§ 3.


