Aufsatz 
Ueber die dramatische Dichtung Deutschlands im Mittelalter / von P. Häling
Entstehung
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Chor: Credendum est; scimus Christum surrexisse a mortuis vere. Tu nobis, Victor Rex, miserere!

Hierauf kommen noch Petrus und Johannes und stimmen, durch die Abwesenheit des Leichnames von der Auferstehung des Herrn überzeugt, den Gesang an: Ergo die ista exsultemus, worauf der Chor mit dem Tedeum die Feier beschliesst.

In ähnlicher Weise wurde auch das Weihnachtsfest alsofficium, d. h. als eine symbolisch-liturgische Handlung schon sehr frühe gefeiert. Die in zwei Freisinger Hand- schriften enthaltenen Weihnachtsspiele: Dasofficium Magorum und dieordo Rachelis gehören zu den ältesten Denkmälern der geistlichen Spiele und werden dem neunten bis zwölften Jahrhundert zugeschrieben. G

Das zur Aufführung am sechsten Januar bestimmte officium Magorum beginnt mit einer Unterhaltung der drei Weisen über den neugeborenen König der Juden.

Der erste: Stella fulgore nimio rutilat.

Der zweite: Quae regem regum natum monstrat.

Der dritte: Quem venturum olim prophetiae signaverant.

Unter dem Gesange: Eamus ergo et inquiramus eum, offerentes ei munera, aurum thus et mirram, begeben sie sich zu dem Chore und begrüssen ihn mit den Worten: Dicite nobis, o Hierosolymitani cives, ubi est exspectatio gentium, noviter natus rex Judaeorum, quem signis coelestibus agnitum, venimus adorare?

Ein Bote eilt zu dem anwesenden Herodes, begrüsst ihn und teilt ihm die Ankunft der drei Weisen mit. Herodes will den Zweck ihrer Reise wissen, weshalb sich der Bote zu den Weisen wendet, sie in diesem Sinne fragt und von dem erhaltenen Bescheid dem König Mitteilung macht. Jetzt wünscht der König dieselben zu sprechen; er erfährt von ihnen, dass ein Stern sie geführt habe, weshalb er die Schriftgelehrten vor sich bescheiden lässt, die ihm mitteilen, es stehe in den Schriften der Propheten geschrieben, dass Christus in Bethlehem geboren werde. Nunmehr begeben sich dieselben dahin, beten das Kind an und geben ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.

Die ordo Rachelis war für den 28. Dezember, den Tag der unschuldigen Kindlein, bestimmt, der schon frühe in hoher Verehrung stand. Das Stück besteht aus zwei Teilen, der Reise nach Aegypten und dem Kindermord mit der Klage Rachels und schliesst mit dem Chorgesange:Te Deum laudamus.

In diesem engen Rahmen bewegten sich die Spiele bis unter der glanzvollen Regierung der hohenstaufischen Kaiser und unter dem Einflusse der Kreuzzüge die Laienwelt zum Wettkampf mit dem Klerus auf dem Gebiete der Dichtkunst geführt wurde, der mit dem Siege im dreizehnten Jahrhundert endigte. Das Drama, das in den Händen der Geistlichkeit verblieb, nahm von den weltbewegenden Ereignissen dieses Zeitraumes nichts in sich auf. Während es sich im Gegensatze zu dem altklassischen und modernen Drama einer epischen Breite befleissigt, welche zu einem vergrösserten äusseren Umfang der Spiele hinführte, nimmt es mehr und mehr einen gelehrten Charakter an, der sich in den dogmatischen Erörterungen ausspricht, welche zu ausgedehnten Disputationen mit Juden und Heiden, zu Streitgesängen zwischen den einzelnen Parteien, wie zwischen Teufel und Engel, führen.

Zu den hiermit geschilderten Stücken gehört derludus scenicus de nativitate Domini, aus einer dem dreizehnten Jahrhundert angehörigen Handschrift des Klosters Benediktbeuren,