Aufsatz 
Ueber die dramatische Dichtung Deutschlands im Mittelalter / von P. Häling
Entstehung
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Mone hat aus einer Handschrift zu Einsiedeln¹) ein dieser Periode angehöriges lateinisches Osterspiel mitgeteilt, das wegen seiner entwickelteren dramatischen Anordnung geeignet ist, den Vorgang zu veranschaulichen.

Die Geistlichkeit ist das darstellende Personal. Die jüngeren unter derselben, welche die Frauenrollen übernommen haben, sind nach Art orientalischer Frauen in weisse, wallende Gewänder gekleidet, während der Kopf ebenfalls mit weissen Tüchern so verhüllt ist, dass nur das Gesicht frei bleibt; in ihren Händen tragen sie Salbenbüchschen und Rauchfass. Der Schauplatz ist das in der Kirche befindliche Grab, auf dessen Rande ein Engel sitzt, an den Schultern ausgebreitete Flügel und einen Heiligenschein um den Kopf. Zu diesem kommen die Frauen, von denen die erste ihren Schmerz über den Verlust des Herrn in folgenden Worten ausspricht: ²)

Heu nobis internas mentes Quanti pulsant gemitus, Pro nostro consolatore Quo privamur miserae, Quem crudelis Judaeorum Morti dedit populus.

Zweite Frau: lIam percusso ceu pastore Oves errant miserae, Sic magistro decedente Turbantur discipuli, Atque nos eo absente Dolor tenet nimius.

Maria Magdalena: Sed eamus et ad ejus Properemus tumulum. Si dileximus viventem Diligamus mortuum.

Alle drei: Quis revolvet nobis lapidem ab ostio monumenti?

Der Engel: Quem vos quaeritis Flentes?

Die Frauen: Nos Jesum Christum.

Der Engel: Non est hic vere.

Die Frauen:(von dem Grabe zurückkehrend.) Ad monumentum venimus gementes, angelum Domini sedentem vidimus et dicentem, quia surrexit Jesus.

(Zum Apostel gewendet.)

En angeli adspectum vidimus Et responsum ejus audivimus Qui testatur Dominum vivere, Sic oportet te, Symon, credere.

Maria Magdalena: Quum venissem unguere mortuum, Monumentum inveni vacuum, Heu nescio locum discernere, Ubi possim magistrum quaerere.

¹) Die Schauspiele des Mittelalters I, 15. ²) Mone, a. a. O. I, 9.