Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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ſtaunen, was für ein ganz anderes Geſicht die Pflanzen⸗ und Tierwelt annähme. Sie überſieht man leicht, aber ihre Thaten ſind rieſengroß, und eigene Vorkehrungen zu ihrem Schutze wären für die menſchliche Kultur nicht minder wichtig, als jene für Erhaltung der inſektenfreſſenden Vögel. Indes kann es ſich höchſtens um die Schonung der Cocons gewiſſer häufig vorkommender Ichneumonen, wie z. B. derjenigen von Microgaster glomeratus und globatus handeln. Die Schonung kranker Raupen iſt gänzlich undurchführbar, da ſie von geſunden meiſtens gar nicht zu unterſcheiden ſind. Welche Mengen der ſchädlichen Gemüſeraupen dem winzigen Microgaster glomeratus zum Opfer fallen, zeigte ſich wieder einmal in geradezu großartiger Weiſe in dem der Vermehrung der Raupen ſo außerordentlich günſtigen Sommer des Jahres 1895. An den Blättern des Gemüſes, an Mauern, Zäunen, an Baumrinde u. a. O. waren ihre zierlichen gelben Cocons, dieRaupeneier der Laien, in Menge zu bemerken. Sicherlich erliegen 90% der ſchädlichen Raupen den Angriffen dieſes Feindes aus der eigenen Sippe. Ja man kann dreiſt behaupten, ohne ſich einer Übertreibung ſchuldig zu machen, daß ohne das Eingreifen dieſer winzigen Hymenopteren der Gemüſebau geradezu unmöglich wäre. Forſtlich bedeutſam als wichtigſter Feind des Kiefernſpinners iſt Microgaster globatus, deſſen ſchneeweiße zierliche Tönnchen die an der Rinde der Kiefern hängenden toten Raupen oft völlig einhüllen.

Indes werden nicht alle Raupen in gleichem Maße von den Ichneumonen heimgeſucht. Sehr lehrreich in dieſer Beziehung ſind die von Briſchke von 18691876 im Auftrage der königl. preußiſchen Regierung ausgeführten Unterſuchungen der wichtigſten forſtſchädlichen Raupen auf tieriſche Feinde. Sie zeigten zunächſt die überraſchende Thatſache, daß die Schlupfwespen durchaus unbeſtändige Gäſte der Raupen ſind. Wirklich unſchädlich gemacht durch dieſelben wurden eigentlich nur die Raupen des Kiefernſchwärmers. Dabei halfen aber noch die Wald⸗ ameiſen getreulich mit, welche die Raupen auf den Bäumen aufmuchten, anpackten und herab⸗ warfen, worauf ſie den auf der Erde lauernden Ameiſen zur Beute wurden.(Daß Bäume, an deren Baſis Ameiſen niſten, von Raupen verſchont werden, iſt eine bei Raupenfraß häufig beobachtete Erſcheinung.) Beim Kiefernſpinner kamen dagegen die Ichneumonen kaum in Betracht. überhaupt vermögen weder Schlupfwespen noch Raupenfliegen die Vermehrung der pflanzen⸗ ſchädigenden Inſekten zu verhindern. Hat aber eine Übervermehrung der letzteren ſtattgefunden, ſo bedient ſich die Natur der ſchmarotzenden Inſekten, um das geſtörte Gleichgewicht wieder⸗ herzuſtellen. Mit der Vermehrung der Schädlinge hält diejenige der Schmarotzer gleichen Schritt, bis es ſchließlich ſoweit kommt, daß faſt ſämtliche Wirte mit Paraſiten beſetzt ſind. Endlich treten erfahrungsgemäß, wenn der Raupenfraß auf ſeinem Höhepunkt angelangt iſt, verheerende Pilzſeuchen auf, die im Verein mit den Schmarotzern die Kalamität ſchließlich beenden. Durchaus richtig iſt Ratzeburgs Bemerkung,daß das maſſenhafte Auftreten der Ichneumonen das Barometer abgebe, nach welchem wir auf das Ende eines Raupenfraßes meiſtens mit Gewißheit ſchließen können.

Aus dem häufig beobachteten Zuſammentreffen großer Ichneumonenmengen mit Krankheits⸗ erſcheinungen unter den Raupen auf dem Höhepunkt des Fraßes hatte Ratzeburg geſchloſſen, daß die Ichneumonen hauptſächlich die kranken Raupen befallen, analog den Borkenkäfern, welche am liebſten kränkelnde Bäume angehen. Neuere Beobachter, wie Altum und Nitſche, haben ſich indes mit dieſer Hypotheſe nicht befreunden können. In der That hat dieſelbe wenig Wahrſcheinlichkeit für ſich und wird auch in keiner Weiſe durch Beobachtungen geſtützt. Mit Recht macht auch Taſchenberg gegen dieſe Hypotheſe geltend, daß z. B. eine von