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KAnomalon circumflexum bewohnte Raupe im Gegenteil beſonders kräftig ſein müſſe, um ſich ſchließlich noch in eine Puppe verwandeln zu können. Wie ſoll ferner etwa ein Ephialtes durch die vielleicht einen Centimeter dicke Holzwand hindurch den Geſundheitszuſtand ſeines Wirtes zu beurtheilen vermögen? Wenn aber die Ratzeburg'ſche Hypotheſe nicht mehr zu halten iſt, ſo muß den Ichneumonen eine größere forſtliche Bedeutung beigelegt werden, als es dieſer vortreffliche Beobachter that, der ſie„hauptſächlich als nützlich zur Meſſung des Prozent⸗ ſatzes der kranken Raupen betrachtete“.
Als am Ende des vorigen und im Anfange dieſes Jahrhunderts der nützlichen Thätigkeit der Ichneumonen in den forſtlichen Kreiſen immer mehr Beachtung geſchenkt wurde, tauchten auch bald Vorſchläge zur direkten praktiſchen Verwertung derſelben auf, die alle darauf hinausliefen, die Zahl der Ichneumonen derart zu vermehren, daß ein Inſektenfraß überhaupt unmöglich würde. Zur Erreichung dieſes Zwecks ſchlug G. L. Hartig zuerſt die Anlage von großen Raupenzwingern vor. Sie ſollten an geeigneten Plätzen im Walde angelegt werden und, um ein Entweichen der Raupen zu verhindern, durch womöglich mit Waſſer gefüllte Gräben iſolirt ſein. Die zahlreich dahin gebrachten Raupen, ſo hoffte man, würden dann eine Menge Ichneumonen zur Ablage ihrer Eier anlocken und ſchließlich eine ſolche Vermehrung der Schmarotzer bewirken, daß ſie die benachbarten Forſten ſehr bald von der Raupenplage befreiten. Der erſte Zwinger wurde von Förſter C. Lehmann angelegt. Indes ſcheiterte das Experiment an den großen Schwierigkeiten, welche das Feſthalten der Raupen im Zwinger und ihre Fütterung verurſachten. Auch Ratzeburg bezweifelte den Erfolg ſolcher Zwingerverſuche und erblickte in ihnen nur ein Mittel zur Anſtellung viſſeeſchaftlicher Beobachtungen. Er machte den Vorſchlag, die mit Ichneumonenbrut beſetzten Eier, Raupen und Puppen in ſolche Reviere zu übertragen, in denen die Raupen noch bisher von Schmarotzern verſchont waren. Aber auch dieſes Mittel dürfte wenig Erfolg verſprechen, da die kranken zur übertragung geeigneten Raupen von den geſunden gar nicht unterſchieden werden könnten. Praktiſcher erſcheint Nitſche's Vorſchlag, dahin gehend, die eingeſammelten Puppen forſtſchäd⸗ licher Inſekten unter Drahtnetzen von ſolcher Maſchenweite aufzubewahren, daß wohl die Ichneumonen, nicht aber die Wirte entweichen können.
Bis in die jüngſte Zeit hielt man in forſtlichen Kreiſen ziemlich allgemein an der von Ratzeburg zuerſt ausgeſprochenen Anſicht feſt, daß die Ichneumonen an forſtlicher Bedeutung die Tachinen überragen. Alle tachinenbeſetzten Wirte, meinte er, ſeien ſtets ſchon vorher ſo krank, daß ſie auch ohne Schmarotzer eingegangen wären. Nun haben aber die gelegentlich der jüngſten furchtbaren Verwüſtungen der Nonne in deutſchen Nadelholzwäldern angeſtellten Unterſuchungen und Beobachtungen den exakten Beweis geliefert, daß grade die Tachinen eine hochbedeutſame Rolle als Zerſtörer dieſes gefürchteten Nadelholzverderbers ſpielten und ganz weſentlich zur Beendigung des Raupenfraßes beigetragen haben. So zeigten ſich nach einem Zuchtverſuch des Freiherrn von Schilling 20% der Nonnenpuppen mit Tachinen und nur 4,8% mit Ichneumonen beſetzt. Überhaupt heben alle Beobachter großer Raupenverheerungen der neueſten Zeit hervor, daß die letzteren, wo ſie von ſelbſt aufhörten, durch Tachinen zum Stillſtand gebracht wurden. Judeich und Nitſche beſtätigen dies zum Beiſpiel für Kiefernſpinner und Nonne. Nach meinen Beobachtungen an Puppen des Kiefernſchwärmers erliegt auch dieſer Schädling weit häufiger den Angriffen der Tachinen als denen der Ichneumonen. Ebenſo nützlich erweiſen ſich die Tachinen als Zerſtörer landwirt⸗


