Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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4. Die Evaniiden.

Die Evaniiden, ausgezeichnet durch den hoch oben am Hinterrücken angehefteten Hinterleib, ſcheinen hauptſächlich in den Eikapſeln der Schaben und bei einigen, ſonnige Lehmwände bewohnenden Hymenopteren zu paraſitieren. Die Arten der in Deutſchland einheimiſchen Gattung Foenus haben die Gewohnheit, ſich bei Nacht und bei ſchlechtem Wetter mit den Kiefern an die Stengel niedriger Pflanzen zu hängen. Ihre Entwicklung iſt noch wenig erforſcht.

An dieſe Schilderung der Lebensweiſe der Ichneumonen möge ſich noch das Wichtigſte über Mono⸗ und Polyphagie, Entwicklungszeit, Bedeutung für den Naturhaushalt u. a. m. anſchließen.

Aus den zahlreichen Zuchtverſuchen der verſchiedenen Forſcher geht hervor, daß manche Ichneumonen ſehr polyphag, andere dagegen ausgeſprochen monophag ſind. Als Beiſpiel eines monophagen Ichneumons kann Eulophus xanthopus dienen, der bis jetzt immer nur aus Gastropacha pini erzogen wurde. Sehr polyphag iſt Pimpla instigator. Er wurde bis jetzt aus 18 Wirten erhalten, nämlich aus: Pieris brassicae, Aporia erataegi, Orgyia antiqua. gonostigma; Liparis dispar, monacha, salicis, chrysorrhoea, auriflua; Gastropacha pini. neustria, processionea; Harpyia erminea, Panolis piniperda, Scoliopteryx libatrix, Psyche viciella, Phalera bucephala und Nematus perspicillaris. Die größte Zahl von Schmarotzern 24 Stück lieferte die Zucht von Gastropacha pini. Weiter ergaben die Zuchtverſuche das intereſſante Reſultat, daß einzelne größere Gruppen der Ichneumonen ſtets bei mit einander ver⸗ wandten Wirten ſchmarotzen. Beiſpielsweiſe bewohnen die Ichneumoniden nur Schmetterlingsraupen.

Die meiſten Schlupfwespen haben eine einjährige Generation. Eine doppelte vermutet Nitſche für Microgaster globatus, welchen Ratzeburg anfangs Mai und dann wieder anfangs Auguſt fliegen ſah. Bei der raſchen Entwicklung mancher kleinen Ichneumonen bei mehreren Teleas⸗Arten beträgt die Entwicklungsdauer 14 Tage bis 6 Wochen, bei Microgaster solitarius 2 bis 3 Wochen, bei Pteromalus puparum ca. 37 Tage dürfte ſelbſt, unter günſtigen Verhältniſſen, eine dreifache Generation nicht zu den Unmöglichkeiten gehören. Merk⸗ würdigerweiſe dauerte nach Ratzeburg's Beobachtungen die Entwicklung von Teleas terebrans nahezu 1 Jahr. Die Wespe ſtach die Eier von Gastropacha neustria anfangs Auguſt an, und die Brut erſchien erſt im Juni des nächſten Jahres. Nach demſelben Beobachter ſollen ſogar einzelne bei Blattwespen ſchmarotzende Ichneumonen deren Überjährigkeit nachahmen. Manche Ichneumonen ſcheinen nur die Sommergeneration ihrer Wirte zu befallen. So erzog Wagner eine beſtimmte Schlupfwespe aus der Sommer⸗Generation von Cecidomyia destructor, während er dieſelbe niemals aus der Winter⸗Generation erhielt. Höchſt merkwürdig iſt die von Ratze⸗ burg zuerſt mehrfach beobachteteÄhnlichkeit gewiſſer aus einem Wirte ſtammender Ichneu⸗ monen, die ſich entweder auf den ganzen Körper oder auch nur auf einzelne Teile desſelben erſtreckt. Er ſuchte den Grund dieſer eigentümlichen Erſcheinung in einer ArtMilchbruderſchaft, hervorgerufen durch die Aufnahme gleicher Säfte, gleiche Entwicklungszeit u. dergl. Ruthe machte ſpäter an Braconiden, mit denen er ſich eingehend beſchäftigte, ähnliche Beobachtungen.

Die Bedeutung der Ichneumonen für den Naturhaushalt wird, weil ihre Thätigkeit ſich nur dem Eigeweihten offenbart, meiſtens unterſchätzt. Jahraus, jahrein erliegen denſelben ungeheure, ſich jeder Schätzung entziehende Mengen jener unerſättlichen, die menſchlichen Pflanzungen ver⸗ wüſtender Freſſer aus dem Reiche der Inſekten.Man denke ſich, ſagt Graber durchaus zutreffend,die Schlupfwespen nur auf einige Jahre außer Thätigkeit geſetzt, und man würde