Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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Ichneumoniden waren namentlich Ichneumon nigritarius und sicarius in Menge vorhanden. In dem ſo außerordentlich trockenen Sommer des Jahres 1893 machte ich reiche Beute an den mit Honigtau überzogenen Blättern einer alten Rüſter. Sehr gern beſuchen die Ichneumonen die Köpfe der Doldenblütler, um deren freiliegenden Nektar aufzulecken. Auf anderen Blüten werden ſie ſelten angetroffen. Mangels deutlicher Ausrüſtungen für einen erfolg⸗ reichen Blumenbeſuch ſpielen ſie überhaupt keine große Rolle als Blütenbeſtäuber. Die einzige, regelmäßig von Ichneumonen(aus den Gattungen lchneumon, CGryptus und Tryphon) beſtäubte Blume iſt die zu den Orchideen gehörige Listera ovata. Die übrigen von Hermann Müller als Beſtäuber beobachteten Ichneumonen(aus den Gattungen Ichneumon, Cryptus, Phygadeuon, Tryphon, Foenus, Alysia, Eulophus, Microgaster und Pezomachus) waren wohl mehr zufällige Blütenbeſucher.

Beim Aufſpüren ihrer Wirte werden die Ichneumonen ſicherlich mehr durch den Geruchs⸗ als Geſichtsſinn geleitet. Ja verſchiedene Beobachtungen weiſen darauf hin, daß dieſe Inſekten auch ohne jede Unterſtützung durch andere Sinne, einzig und allein durch ein offenbar ungemein hoch entwickeltes Geruchsvermögen geführt, ihre Opfer zu finden wiſſen. So ſah Ratzeburg, wie eine Pimpla von der Oberſeite eines Blattes aus einen unter demſelben angeſponnenen und noch von zwei anderen Blättern bedeckten Cocon von Bombyx neustria durch das Blatt hindurch anzuſtechen verſuchte.Der Ichneumon, ſagt der Beobachter,konnte dieſen unmöglich geſehen haben, ſondern mußte durch andere Sinne von der Gegenwart desſelben benachrichtigt worden ſein. Einen anderen ſehr intereſſanten Fall, der die Findigkeit der Ichneumonen trefflich illuſtriert, teilt der Entomologe Teich mit. Dieſer hatte öfter einen beſtimmten Ichneumon aus Puppen von Bombyx crataegi erzogen und ſah einſt einen ſolchen auf einen Vaccinium-Buſch zufliegen, wo er unruhig taſtend umherlief, anſcheinend bemüht, in's Innere des Buſches zu dringen. Dieſes auffallende Benehmen des Tierchens erweckte in Teich ſofort die Vermutung, daß eine Raupe von Bombyx crataegi in der Nähe ſein müſſe; und als er die Zweige aus⸗ einanderbog, fand er richtig die Raupe am Boden ſitzend, ein Beweis, daß der Ichneumon, nur durch den Geruchsſinn geleitet, die wohlverborgene Raupe aufgeſpürt hatte. Möglicherweiſe ſind die von O. vom Rathan den Antennen der Ichneumonen entdeckten Porenkanäle der Sitz dieſes feinen Geruchsvermögens.

Zur Nachtruhe ſuchen die Ichneumoniden und Braconiden gern niedere Büſche von Eichen, Buchen und Linden auf. An ſolchen Stellen kann dann der Sammler, namentlich bei trübem und ſchwülem Wetter, oft reiche Beute machen. Mit Eintritt der kalten Jahreszeit beziehen ſie Winterquartiere unter der Rinde, in Ritzen, Spalten und Löchern anbrüchiger Stämme, in Stöcken und unter dem Moosüberzug der Bäume. Derartige Plätze beherbergen oft ganze Geſellſchaften dieſer Tiere. So erhielt Kriechbaumer eine Sendung von 328 Ichneumoniden, die am 11. October 1890 in der Nähe von München unter Eichenrinde und zwar etwa ¾ davon unter der eines halb umgefallenen Baumes, alſo in ihrem Winterquartier, gefunden worden waren. In der Umgebung der Fundſtelle hatte in demſelben Jahre die Nonne gehauſt. Merk⸗ würdigerweiſe fand ſich in der ganzen Ausbeute kein einziges Männchen, was nach Kriech baumer dadurch zu erklären iſt, daß nach den bisherigen Erfahrungen die letzteren vor Eintritt der kalten Jahreszeit abſterben und nur die Weibchen, wahrſcheinlich aber auch nur von gewiſſen