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Die urſprünglichen Bewohner der Cocons nagen nach erfolgter Ausbildung am Ende derſelben ein kreisrundes, zierliches Deckelchen ab, um durch die ſo hergeſtellte Offnung ins Freie zu gelangen. Secundäre Schmarotzer hingegen verlaſſen den Cocon ſtets durch eine meiſt ſehr kleine, oft nur nadelſtichgroße, runde Offnung an der Seite. So verfahren auch die Blattwespen⸗ Cocons bewohnenden Schmarotzer, während die Blattwespe ſelbſt ihren Cocon ſtets durch ein ziemlich großes kreisrundes Loch am einen Ende desſelben verläßt.
In auffallender Weiſe ſchwanken die Größenverhältniſſe einzelner Ichneumonen. Ein charakteriſtiſches Beiſpiel hierfür iſt Pimpla instigator. Neben faſt 2 Centimeter langen Exemplaren findet man auch häufig ſolche von nur ein Drittel bis ein Viertel dieſer Länge. Dieſe Erſcheinung beweiſt deutlich die unbedingte Abhängigkeit der Schmarotzer von den Ernährungsverhältniſſen ihrer Wirte.
Die ausgebildeten Ichneumoniden ſind bei ſehr warmem und ſchwülem Wetter ungemein lebhafte Inſekten und im Fluge nicht leicht zu fangen. Nur die Ophionen zeigen ein trägeres Weſen. Die meiſten Ichneumoniden und Cryptiden zittern, wenn ſie ſitzen oder umherlaufen, ſtets lebhaft mit ihren Fühlern, ein Verhalten, das ihnen den Namen „muscae vibrantes“ eintrug. Niemals hört man die Ichneumonen, weder im Fluge noch im Sitzen, ſummen; ſie vermögen ſich alſo ihren Opfern geräuſchlos zu nähern. Mit Vorliebe be⸗ ſuchen ſie blattlausreiches Buſchwerk, um die von den Blattläuſen abgeſonderten zuckerhaltigen Säfte aufzulecken. Beliebte Sammelpunkte ſind z. B. die an Hecken und Grabenrändern überall in Deutſchland vorkommenden Hornſträucher(Cornus sanguinea), deren mit ſchwarzen Blatt⸗ läuſen oft dicht beſetzte Blätter die Ichneumonen bisweilen in Menge anlocken. Im Walde halten ſie ſich nach meinen Erfahrungen am liebſten an den Blättern junger Eichen und Buchen auf, an welchen ich indes immer vergeblich nach Blattläuſen ſuchte. Was die Ichneumonen hier feſſelt, vermag ich nicht zu ſagen. Von dem intereſſanten Leben und Treiben dieſer Kerfe an ihren Lieblingsplätzen im Walde entwirft Taſchenberg ein farbenreiches Bild: „..... Die Flügel glatt auf den Rücken gelegt, ſchnüffeln ſie an den Blättern der Gebüſche einzeln oder um ſo zahlreicher umher, wenn Blattläuſe für ſie ihre Süßig⸗ keiten zurückließen oder Raupen vorhanden ſind, denen ſie ihre Eier anvertrauen können. Man kann es raſcheln und kniſtern hören, wenn zahlreiche Arten in Gemeinſchaft mit anderen Immen derſelben Familie, beſonders auch mit Mordwespen, flüchtigen Fliegen und anderen im bunten Gemiſche als Leckermäuler oder Räuber ſich zuſammenfinden, und unterhaltend iſt es, ihnen zuzuſchauen und die Beweglichkeit der einen, die größere Schwerfälligkeit der anderen, die Furchtſam⸗ keit dieſer, die Dreiſtigkeit jener zu beobachten. Das iſt ein Leben und Treiben wunderbarer Art, welches ſich ſchwer ſchildern läßt, ſondern ſelbſt angeſchaut ſein will, wenn es ſich um die richtige Würdigung handelt.“ Ähnliche Beobachtungen machte ich wiederholt im Sommer 1894 in den von Eulenfraß heimgeſuchten Kiefernbeſtänden der Main⸗Rheinebene und des benachbarten Bürſtädter Waldes. Je ſchwüler die Temperatur war, um ſo lebhafter entfaltete ſich das Treiben das ſeinen Höhepunkt gegen Abend erreichte. In haſtender Eile, mit unaufhörlich zitternden Fühlern huſchten die Ichneumonen über die Blätter der Eichen und Buchen, wobei es auch nicht an Zuſammenſtößen und daraus entſtehenden Balgereien fehlte. Häufig umſchwebte die ſchöne Rhyssa persuasoria geräuſchlos die Eichen, um ſich auf deren Blättern niederzulaſſen. Von


