Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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an der Rinde oder an einem Aſte und läßt ſich 14 Zoll weit herab, um dann, frei in der Luft ſchwebend, einen Cocon zu ſpinnen. Die von Réaumur erwähnten hängenden Cocons gehörten wahrſcheinlich der genannten Gattung an. Er fand dieſelben zahlreich in der Nähe der Neſter des Eichenproceſſionsſpinners; ſie gehörten alſo unzweifelhaft einem Paraſiten desſelben an. Unter dieſen ſah er auch braune Cocons mit weißem Ring in der Mitte, welche, ſobald ſie berührt oder auf die flache Hand gelegt wurden, mehrere Zoll hoch ſprangen. Wurde der Cocon durch einen Windſtoß auf ein benachbartes Blatt oder in die Zweige geworfen, ſo ſprang er ſo lange hin und her, bis er wieder frei geworden war. Von Briſchke iſt neuerdings die Anfertigung der hängenden Cocons von Meteorus bimaculatus, eines Schmarotzers des Kiefernſpinners, häufig beobachtet worden. Er ſagt darüber:Aus jeder Raupe kam nur eine weiße Made, welche an irgend einem Punkte außerhalb der Raupe einen feſten, gewundenen 1 2 langen Seidenfaden zieht, an demſelben hängen bleibt und in kurzer Zeit einen dichten, glänzenden, länglich runden, aber an beiden Enden etwas zugeſpitzten Seidencocon ſpinnt, der zuerſt ſchön bläulich grün, ſpäter aber hellbraun iſt. Manche geſellig lebenden Mikrogaſter⸗ Larven fertigen ſich nach Verlaſſen ihres Wirtes keine Cocons, ſondern nur gemeinſame, an Wattebäuſchchen erinnernde Geſpinnſte an. Man findet dieſelben in manchen Jahren häufig an Gras⸗, Klee⸗ und Haidekrautſtengeln. Ratzeburg hielt dieſelben irrtümlicherweiſe für von Mikrogaſter⸗Arten angeſtochene Eierſäcke der Spinnen, bis Briſchke zeigte, daß dieſe Geſpinnſte von in Schmetterlings⸗Raupen paraſitierenden Braconiden⸗Larven herrühren. Nach dieſem Beobachter ſollen ſolche Geſpinnſte in Menge auftreten, wenn die an niedrigen Pflanzen freſſenden Raupen der Plusia gamma zahlreich von Braconiden beſetzt ſind. Oefters fand ich an ſolchen Geſpinnſten auch die Überreſte der gemeinen Bärenraupe Spilosoma fuliginosa. Vor einigen Jahren traten ſolche Mikrogaſter⸗Geſpinnſte ziemlich häufig in den Weinbergen Rhein⸗ heſſens und Frankens auf und erregten bei der Weinbau treibenden Bevölkerung ernſtliche Beſorgniſſe, weil man in denſelben die Puppen eines dem Weinſtock ſchädlichen Inſekts ver⸗ mutete. Höchſt wahrſcheinlich hatten die Mikrogaſter⸗Larven in verſchiedenen, an den Unkräutern der Weinberge freſſenden Bärenraupen(Zombyx Caja und Spilosoma fuliginosa) paraſitiert. Manche Mikrogaſter⸗Arten befallen auch die Eierſäcke der Spinnen. So machte Altum nach einem erloſchenen Kiefernſpinnerfraß die auffallende Wahrnehmung, daß in dem zerſtörten Revier und in deſſen Nachbarſchaft die Spinneneier faſt gänzlich durch Mikrogaſteren aufgerieben waren. Da die letzteren den in der Kiefernſpinnerraupe paraſitierenden völlig glichen, ſo ſchloß Altum, daß ſich nach dem Erlöſchen des Fraßes die ihrer eigentlichen Wirte beraubten Mikrogaſteren in Maſſe auf die Eier der Spinnen geworfen hatten. Einige Braconiden⸗Larven, wie z. B. die in Blattläuſen lebenden Aphidius-Arten, fertigen ſich keine Cocons an, ſondern verpuppen ſich im Innern ihres Wirtes, deſſen verhärtende Haut das fehlende Geſpinnſt erſetzt. Der alte Friſch äußert ſich ſchon ganz zutreffend über die in Blattläuſen paraſitierenden Ichneu⸗ monen. So ſagt er im 11. Teil ſeinerBeſchreibung von allerley Inſekten in Teutſchland: Es legt ein Ichneumon in die Blattläuſe ſeine Eier, in jedwede von den größten eins, und zehrt als eine Made innen alles aus, die Blattlaus bleibt feſt auf dem Blatt mit allen ſechs Füßen ſitzen, und wenn ſich der Ichneumon verwandeln will, wird der Balg der Blattlaus ein Perlein. Bei etlichen aber bleibt er ſchwarz. Endlich nagt er eine runde Öffnung in den Balg und und kriecht heraus. Das iſt einer von den größten Vertilgern der Blattläuſe.