Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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die Vermutung, dieſe auffallende Erſcheinung ſei vielleicht durch den Übergang der Eier aus dem Hinterleib in die Legeröhre verurſacht worden. Eine andere ſchöne Beobachtung erzählt Taſchenberg in Brehm's Tierleben. Einſt überraſchte dieſer ausgezeichnete Beobachter ein Weibchen der langgeſchwänzten ſtattlichen Rlyyssa persuasoria an einem Fichtenſtamme im Geſchäft des Eierlegens. Dieſer ſchöne Ichneumon paraſitiert nämlich bei den in Fichtenſtämmen bohrenden Sirex-Larven. Der etwa 6 Centimeter lange pferdehaarartige Legebohrer war ſeiner ganzen Länge nach in das geſunde Holz hineingetrieben und ſtack ſo feſt in demſelben, daß Taſchenberg, tootz größter Vorſicht und einer nicht geringen Kraftanſtrengung, nicht im ſtande war, den Bohrer ohne Verletzung des Tierchens herauszuziehen.Wie, fragt der Beobachter, erſpürt die Mutterwespe die Gegenwart einer für ihr Ei paſſenden Larve; wie ermittelt ſie deren Lage, um grade hier und nicht einen Centimeter mehr oben oder unten den Bohrer ein⸗ zuſchieben......woher weiß ſie, daß nicht ſchon eine Schweſter ihr zuvorgekommen und jene Larve, nur für eine Schmarotzerlarve hinreichend, bereits mit einem Ei beſchenkt hat? Taſchenberg vermag keine Antwort auf dieſe Fragen zu geben. Ganz offen geſteht er, daß wir hier vor Naturgeheimniſſen ſtehen. Mehrfach wurde auch beobachtet, daß Ephialtes-Arten die Brut von Trypoxylon figulus durch den dicken Lehmpfropf, mit welchem dieſe in altem Holze niſtende Grabwespe die Mündung ihrer Gänge verſtopft, anſtachen.

Die Eier der Ichneumonen ſind verhältnißmäßig wenig bekannt. Sie werden entweder in den Körper des Wirtes gelegt der häufigere Fall oder ſie werden an die Haut des Wirtes angeklebt oder in die Nähe desſelben abgelegt. Sehr merkwürdig ſind die ſchon von De Geer auf der Haut der Gabelſchwanzraupe beobachteten geſtielten Eier von Paniscus testaceus, eines lehmgelben Ophioniden. Nach dieſem Beobachter ſaßen die Eierſtielchen ſo feſt in der Haut der Raupe, daß beim Losreißen derſelben ſtets ein Stückchen Haut mit weggeriſſen wurde. Ein ſonderbares Verhalten zeigen die Larven dieſes Schmarotzers. Mit dem hinteren Leibesende in der Eiſchale bleibend, beugen ſie ihren Vorderteil auf die Raupe herab und ſaugen in dieſer hängenden Lage an derſelben. Gruppenweiſe zuſammenſitzende geſtielte Eier, ſog. Eiertrauben, ſind zuerſt von Gravenhorſt und Hartig unter der Hinterleibsſpitze verſchiedener Tryphonen und Ophionen beobachtet worden. Der Stiel beſteht aus einer derben Haut, die in die eigentliche Eiſchale übergeht, deren Membran geſchuppt erſcheint. Haliday unterſuchte dieſe intereſſanten Gebilde genauer und ſtellte feſt, daß es keine Eier, ſondern Larven in verſchiedenen Entwicklungs⸗ zuſtänden waren. In einem Falle konnte er 18 ſolcher Larven an einem einzigen Ichneumon zählen, von denen ſchließlich die größeren die kleineren aufzehrten. Bezüglich der Entſtehung dieſer Gebilde iſt Weſtwood der Anſicht, daß dieſelben wahrſcheinlich aus Todesangſt aus dem Hinterleibe hervorgedrängt worden ſeien. Die ausgeſchlüpften Larven hätten dann aus Mangel an einer geeigneten Nahrung ihre ſchwächeren Genoſſen verzehrt. Ratzeburg, welcher dieſe Eiertrauben ebenfalls unterſuchte, fand, daß dieſelben zum Teil aus Eiern, zum Teil aus mehr oder weniger entwickelten Embryonen beſtanden. Der hornige, ſchwarze Kopf der Larven ſchaute bereits aus den zerplatzten Eiern heraus, der Mund erweiterte und verengerte ſich fortwährend, und die Oberkiefer ſchloſſen und öffneten ſich abwechſelnd. Zweifellos verdanken die Eiertrauben ihre Entſtehung der Legenot des Weibchens, das keinen geeigneten Wirt zur Ablage ſeiner

Eier finden konnte. In ſehr zweckmäßiger Weiſe werden die Eiſtielchen vermittelſt beſonderer 2*