Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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8.

Hemipteren leiden beſonders die Aphiden. Auch den Dipteren fehlt es nicht an Feinden unter ihnen. Von den Neuropteren ſoll nach Boudier der bekannte Ameiſenlöwe(die Larve von Myrmeleon formicarius) bisweilen von einem Ichneumoniden getötet werden. Ja ſelbſt im Waſſer lebende Neuropterenlarven ſind nicht vor den Stichen verſchiedener Ichneumoniden ſicher. So taucht der zu den Cryptiden gehörige Agriotypus armatus bis zu bedeutender Tiefe unter Waſſer, verweilt mehrere Minuten lang unten, um die in Gehäuſen ſteckenden Larven von Waſſermotten(Trichostoma piccicorne, Silo pallipes und piceus) anzuſtechen. Die Gehäuſe, deren Bewohner mit einem Ei beſchenkt wurden, bekommen ſpäter einen langen, riemenartigen Fortſatz, welcher, oft fünfmal ſo lang als die Larve, an dem lederartigen Deckel, den die Ichneumonlarve anfertigt, befeſtigt iſt. Wie notwendig dieſer Riemen für die Entwickelung der Larve iſt, geht daraus hervor, daß ſie ſich ohne denſelben niemals zum vollkommenen Inſekt auszubilden vermag. Zweifellos vermittelt der Riemen die Atmung der Larve und Nymphe. Die Entwickelungsdauer der merkwürdigen Schlupfwespe ſoll 6 Monate betragen. Am wenigſten ſcheinen die Orthopteren von den Ichneumonen angegriffen zu werden. Mit Ausnahme der Blattläuſe greifen Ichneumoniden und Braconiden Inſekten im Imaginalzuſtande nur höchſt ſelten an. Boudier ſah einen kleinen Ichneumoncramponné sur le dos de Trachyphlaeus scabriculus. Il avait introduit sa tarière entre les elytres et l'abdomen par l'anus. Mehr⸗ fach wurde auch das Anſtechen von Marienkäfern durch Braconiden beobachtet. Wie Weſtwood berichtet, legt ein amerikaniſcher Ichneumon ſeine Eier in den Körper einer geflügelten Heuſchrecke deren Inneres von den Schmarotzerlarven verzehrt wird. Man ſoll dann bisweilen Hunderte ſterbender Heuſchrecken finden, welche noch gerade ſo viel Kraft hätten, auf einen Baum oder an einen Zaun zu fliegen, wo ſie ſich mit gekrümmten Beinen ſo feſt anhefteten, daß ſie noch lange nach eingetretenem Tode in dieſer Stellung verharrten. Indes beſchränkt ſich der Wirkungskreis der Ichneumoniden und Braconiden nicht blos auf die Klaſſe der Inſekten. So erliegen z. B. die in coconartige Seidenmaſſe eingehüllten Spinneneier vielfach ihren Angriffen. Ja Kiel⸗ mann beobachtete ſogar, wie ein Ichneumon einen Regenwurm anſtach, daß ſich derſelbe wand und krümmte.

Das Anſtechen eines Opfers und die ſich dabei abſpielenden Vorgänge ſind infolge der geheimnisvollen Lebensweiſe der Ichneumonen bis jetzt nur vereinzelt und zwar meiſtens bei frei⸗ lebenden Raupen und Blattläuſen beobachtet worden. Von Legenot getrieben, ſucht der Ichneumon

die ſich in der Regel heftig ſträubende und um ſich ſchlagende Raupe oder Puppe mit einem Ei. zu beſchenken, was dem blitzſchnell zuſtechenden Tier wohl auch in den meiſten Fällen gelingt. Ratzeburg, welcher den Vorgang des Anſtechens öfters beobachtele, ſagt darüber:Einige zeigen ſich dabei als Helden; ſie benehmen ſich mit großer Kühnheit und ſcheinen in Wut zu geraten, z. B. Pimpla examinator. Der Angriff dieſes Ichneumons galt einer Puppe, die ihm Ratzeburg auf einem Blatte entgegengehalten hatte. Blitzſchnell ſtieß er ſeinen Bohrer ſo tief als möglich in die Puppe hinein.Die Puppe warf und krümmte ſich fürchterlich, und der Ichneumon war genötigt, ſeinen Bohrer ſchnell wieder herauszuziehen. Er ſetzte gleich noch ein⸗ mal an, verfehlte die Puppe aber und ſtach ins Blatt. Nachdem er aus demſelben den Bohrer nur mit Mühe hatte wieder herausziehen können, war er nicht wieder dazu zu bewegen, die Puppe, die ich ihm immer wieder in den Weg legte, von neuem zu ſtechen. Nach Reaumur's