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haben; und nicht die unendlich vielen Wörter, welche in den letzten Jahrhunder⸗ ten aus dem Lateiniſchen(und in neueſter Zeit auch aus dem Griechiſchen) entnommen wurden, um die unabläßigen Fortſchritte der geiſtigen Entwickelung, die Fortſchritte in den Künſten, in den Wiſſenſchaften, in der induſtriellen Welt, in der ſtaatlichen und bürgerlichen Einrichtung, in allem dem, was der heutige Stand unſrer Cultur aus⸗
mach
1)
2)
t, auszudrücken.
Unter den älteſten Denkmälern der franzöſiſchen Sprache erwähnen wir
die Eidesformeln Ludwigs des Deutſchen(S. 42) und Karls des Kahlen. Wir haben zwar dieſe Eidesformeln ſchon bei der Sprache der Provenzalen angeführt, allein ſie gehöͤren einer ſo früͤhen Zeit an, daß damals alle dieſe Romaniſchen Sprachen ſich mehr dem Lateiniſchen näherten und deßhalb mehr Aehnlichkeit unter ſich haben mußten. Dabei ſind ebenfalls ſichtbare Spuren der nordfran⸗ zöſiſchen Sprache in dieſer Urkunde zu finden; z. B. die ausgedrückten Fürwörter als Subjekte; die ſtummen e in sendre, fradre, Karle; dann in sævir(savoir) ſtatt des provenzaliſchen saber.
Ein Lied zu Ehren der heiligen Eulalia, welche Hr. Hofmann von Fallers⸗ leben in einem Manuſcript der Bibliothek zu Valenciennes im Jahr 1837 auf⸗ gefunden und das er dem IXten Jahrhundert zuſchreibt; manche Gründe jedoch ſprechen dafür, daß dieſes Stüͤck erſt im folgenden Jahrhundert verfaßt wurde. Wir können des Raumes wegen nur einige Zeilen davon anführen:
Langue d'oil Xtes Jahrhundert.
Franzöſiſche Ueberſetzung.
I. Buona pulcella fut Lulalia, 1. Eulalie fut une bonne jeune fllle; 2. BDel avret corps, bellesour anima 2. Elle avail beau corps et plus belle Ame. 3. Voldrent la veintre li Deo inimi 3. Les ennemis de Dien voulurent triom- pher d'elle, 4. Foldrent la faire diavle servir. 4. Voulurent lui faire servir le diable. 5. Elle n'out eskoltet les mals conselliers 5. Elle n'avait point écouté les mauv ais conseillers 6. Ou'elle Deo raneiet chi maent sus en 6.(Qui voulaient) qu'elle renièt Dieu qui ciel habite là-haut dans le ciel. 7. Ne por or, ned argent, ne paramens, 7. Ni pour de J'or, ni pour de l'argent, ni pour des parures, 8. Por manatce regiel ne preiemen; 8. Ni par menaces de roi, ni par pridre, 9. Ne ule cause non la pouret onque plier. 9. Nulle chose ne la put jamais fléchir. 10. La polle sempre non amast la Deoo 10. Le pouvoir n'aima pas toujours le ser- menestier, vice de Dieu, II. E por o fut presente de Maæimien 11. Pouo cela elle fut traduite devant Maximien 12. Chi reæ eret a cels dis sovre pagiens... 12. Qui, ces jours-Id, était roi des payens...
3) Die Geſetze, welche Wilhelm der Eroberer den Engländern gab, bilden nach den
zwei vorhergehenden Stücken das älteſte Denkmal, das uns von der nordfran⸗ zöſiſchen Sprache zugekommen iſt. Dieſe Urkunde, welche im Jahr 1069 verfaßt wurde, iſt ſowohl für die Linguiſtik als auch für die Geſchichte und für die Juris⸗ prudenz von der größten Bedeutung.— Es ſei uns geſtattet, einige Bruchſtücke davon anzuführen. Die Urkunde beginnt, wie folgt:


