49
ſeine Mutterſprache, ob er gleich das Latein ſehr geläufig ſprach*). Auch Ludwig der Fromme, ſein Sohn, war gewöhnt deutſch zu ſprechen, ob er gleich mit der⸗ ſelben Leichtigkeit ſich der lateiniſchen Sprache bediente**). Als nun unter den Enkeln Karls des Großen das von ihm gegründete Reich in der Weiſe zertheilt wurde, daß die Gallo⸗Römer von den Germanen gänzlich und auf immer geſchieden wurden, hörte die germaniſche Sprache in den Staaten Karls des Kahlen,(d. h. im nachmaligen Frankreich) auf, gebraucht zu werden; und um dieſe Zeit wurde zum erſten Mal in Nord⸗Frankreich die lingua romana oder lingua rustica plebeia erwähnt; da⸗ mals machte man ſchon einen Unterſchied zwiſchen den lateiniſchen Franken und den deutſchen Franken***); da es jedoch für die Fürſten und Vornehmen noch von großer Wichtigkeit war, Männer zu haben, die der deutſchen Sprache kun⸗ dig wären, ſo war man genöthigt, junge Leute nach Deutſchland zu ſchicken, damit ſie die deutſche Sprache erlernen konnten. Dies geſchah namentlich auch im Jahr 844. Unter der dritten Dynaſtie, den Capetingern, hatte das Deutſche in Frankreich ganz aufge⸗ hört; und es blieben nur einige Wörter, welche mit der gallo⸗römiſchen Sprache(nun⸗ mehr romaniſch-franzöſiſchen Sprache) vermiſcht und gleichſam in dieſelbe eingebür⸗ gert wurden.
Demnach haben drei Sprachen einen bedeutenden Einfluß auf die Entſtehung und Bildung der franzöſiſchen Sprache ausgeübt:
1. das Celtiſche, 2. das Deutſche, 3. das Lateiniſche.
Aus dem Celtiſchen kommen meiſtens ſolche Wörter, welche die gewöhnlichen Beſchäftigungen, Neigungen, Geräthſchaften bezeichnen, auch niedrige Ausdrücke, wie man dies häufig bei den Patois oder Volksdialekten findet.
Celtiſch. Franzöſiſch. Neu⸗Celtiſche Mundarten.
Bret.: al c'houedez Lerche al, Artikel, c'houedez hat an alouette Lerche ſich ſchon dieſe Bedeutung
Bret.: bada thöricht handeln waamer ſcherzen
G badaud Gaffer Irl.: ballan Ginſter und Beſen ¹ ar Bret.: bolan Ginſter, balaen Beſen belal Beſen barguigner ſich um den Preis herum⸗ Bret.: barkana handeln,(engl. bargain) zerren, zaudern; baragouiner viel hin⸗ und herſchwatzen
*) Nec patrio tantum sermone contentus, etiam peregrinis linguis ediscendis operam impendit; in quibus latinam ita didicit, ut aeque illà ac patrid linguà orare esset solitus. Eginh. Vit. Carol. Magn.
**) In dem Leben Ludwigs des Frommen, in lateiniſcher Sprache von einem Ungenannten ge⸗ ſchrieben, wird erzählt, daß, als Kaiſer Ludwig der Fromme auf ſeinem Todtenbette glaubte, er ſehe den böſen Geiſt, der ſich ihm nähern wollte, er mit Unwillen und mit aller Kraft Ius! Hus!(hinaus, hinaus) rief, weil er im Tode keine Gemeinſchaft mit dem haben wollte, den er im Leben ſtets gemieden hatte:„Conversà facie in sinistram partem, indig- nando quodammodo, virtute quantà potuit, dixit bis: Hus! Huæ! quod significat: foras! foras! Unde patet quia malignum spiritum vidit, cujus societatem nec vivus, nec moriens habere voluit. Pita Lud. Pi ab anonymo.— Rec. des Historiens de France, VI 125.—
**³) Ejusdem Arnulphi tempore(anno 888) Gallorum populi elegerunt Odonem ducem sibi in regem. Hinc divisio facta est inter teutones Francos et latinos Francos(Chronique ano- nyme Rec. des Iist. de France; VIII, 231.
7


