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hatten ſich gewöhnt lateiniſch zu ſprechen und zu ſchreiben. Auch das Volk, ſowohl in den Städten, als auch auf dem Lande, gewöhnte ſich allmälig an die lateiniſche Sprache. Schon gegen Ende des IV. Jahrhunderts ſehen wir, daß Männer aus dem Volke lateiniſch ſprechen, oder wenigſtens radbrechen konnten; allein damals war die celtiſche Sprache in mehreren, meiſt gebirgigen oder von den Hauptſtraßen der Rö⸗ mern abgelegenen Bezirken Galliens noch in Gebrauch, was uns von den damals lebenden römiſchen Schriftſtellern vielfach beſtätigt wird“). Im Vien Jahrhundert war die einheimiſche Sprache noch weiter zurückgedraͤngt worden.
Das war der Zuſtand Galliens bezüglich der darin herrſchenden Sprachen, als von verſchiedenen Seiten die germaniſchen Völkerſtämme in das Land einfielen, indem ſie eine dritte Sprache nach Gallien brachten; im Süden erſchienen die Weſtgothen, im Oſten die Burgunder und im Norden die Franken. Mit den Weſtgothen und den Burgundern haben wir uns gegenwärtig nicht zu beſchäftigen, wohl aber mit den Franken. Die Ripuariſchen Franken ließen ſich im Norden an den Ufern des Rheins nieder, die Ausſtraſiſchen ebenfalls am Rhein, allein mehr nach Sü⸗ den zu und die Neuſtrier oder ſaliſchen Franken drangen bis an die Loire und an den Ocean. Die Ripuarier und Auſtraſier, die ſich am Rheine niederließen, ver⸗ drängten alsbald das Latein aus jenen Gegenden, ſei es, daß die Gallo⸗Römer durch die germaniſchen Stämme ausgerottet wurden, ſei es, was wahrſcheinlicher iſt, daß ſie ſich vor den in großer Ueberzahl heranrückenden Siegern zurückgezogen haben und ihnen das Land ohne Bevölkerung überließen; allein bis auf den heutigen Tag iſt die Grenze zwiſchen dem Germaniſchen und dem Gallo⸗Römiſchen, oder jetzt franzöſiſchen Elemente ungefähr dieſelbe geblieben; ſo wie auch von Cäſars Zeiten an der Landſtrich zwiſchen den Vogeſen und dem Rheine ſtets von germaniſchen Stämmen beſetzt und bewohnt wurde, deren Sprache ebenfalls bis auf den heutigen Tag trotzdem, daß dieſe Länder dem franzöſiſchen Staate nunmehr angehören, ſich beim Volke erhalten hat und ſich gewiß noch lange Zeit erhalten wird.— Dagegen verloren die Neuſtrier, welche ſich am weiteſten vom Rheine entfernt hatten und ſich mitten unter den Gallo⸗ Römern befanden, d. h. unter einem Volke, das ihnen an Zahl, an Cultur, an Intelli⸗ genz bei weitem überlegen war, alsbald ihre mitgebrachte Sprache und ſahen ſich ge⸗ nöthigt, die Sprache, die Religion und die Staatsorganiſation der Beſiegten anzu⸗ nehmen. Jedoch geſchah dieſes nur allmälig und lange noch erhielt ſich die fränkiſch⸗ deutſche Sprache in den Familien, im Lager, bei den öffentlichen Verſammlungen der Franken, an den Höfen ihrer Fürſten**). Allmälig verſchwand jedoch die germaniſche Sprache, jemehr eine Fuſion der Franken mit den Gallo⸗Römern zu Stande kam. Schon war die Trennung unter den Franken ſo groß, daß die Neuſtrier, welche das Gallo⸗Römiſche Element vertraten, den Auſtraſiern, welche noch als Germanen be⸗ trachtet waren, feindlich gegenüberſtanden. Karl Martel, der die Auüſtraſier anführte, beſiegte die Neuſtrier und mit den Karolingern fand eine neue Invaſion von Deut⸗ ſchen in Gallien ſtatt. Karl der Große behielt ſtets eine Vorliebe für das Deutſche,
*) Der heil. Hieronymus, welcher Gallien und Galatien in Klein⸗Aſien bereiſt hatte, ſagt: „Galata, excepto sermone graeco, quo omnis Oriens loquitur, propriam linguam eamdem pene habere quam Treviros; nec referre, si aliqua exinde corruperint, cum et Afri phoeniciam linguam nonnullà ex parte mutarint, et ipsa latinitas et regionibus quotidie mu-
„„ tetur et tempore“. Epist. ad Galatas.
) Chlodwig und ſeine Soͤhne, auch ſeine ſpäteren Nachkommen, ſprachen deutſch. Der heil. Re⸗ migius agt uns in ſeinem Teſtament, daß Chlodwig ihm ein Haus mit einigen Grundſtücken eſchenkt, und daß er dieſen Hof Bischofsheim genannt habe„Quas Ludovicus Biscofes- leim suà lingud vocatas mihi tradidit. Duchesne Mist. Franc. seriptor. II. 3865.


