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für die eigentlichen Celten oder Gallier, als auch für die Belgier, und der Zweig, der in Gallien herrſchte, iſt der Kymriſche, aus welchem das Walliſiſche in England(welsh, franz. Gallois und von Walliſern ſelbſt Cymraëg genannt) und das Nieder⸗Bretagniſche in Frankreich(Bas-Breton,— Armoricain— auch Breton- bretonnant und von den Bretagnern ſelbſt mit dem Namen Brezonec bezeichnet) ent⸗ ſtanden ſind*). Von dem alten Celtiſchen ſind keine ſchriftliche Denkmäler zu uns gekommen; höchſtens haben uns die griechiſchen und lateiniſchen Schriftſteller einige hundert Wörter aufbewahrt**). Die Prieſter, die Druiden, die allein Kenntniſſe und Bil⸗ dung hatten, durften wohlweislich nichts über Religion ſchreiben; es hingen aber alle dor⸗ tigen ſtaatlichen oder geſchichtlichen Verhältniſſe auf das Innigſte mit der Religion zuſammen.
Nachdem die griechiſche Anſiedelung zu Marſeille, um ſich gegen die Ligurer zu ſchützen, die Hülfe der Römer in Anſpruch genommen und die Römer eifrig die Ge⸗ legenheit ergriffen hatten, in Gallien einzudringen und ſich des ſüdöſtlichen Theils des Landes(Provincia transalpina) zu bemächtigen, ging der Proconſul Julius Cäſar noch weiter, und innerhalb zehn Jahren hatte er ganz Gallien unter die römi⸗ ſche Herrſchaft gebracht. Nun galt es Cäſar, der es mit dem damals allmäch⸗ tigen Pompejus aufgenommen hatte, ſich unter dieſen beſiegten Feinden Anhänger und Freunde zu verſchaffen, damit er durch ſie zum Ziele ſeines ehrgeizigen Vorhabens gelangen könne. Er that demnach das Möglichſte, die Gallier, ſobald es nur ſein konnte, zu Römern umzubilden. Bald darauf wurden Gallier als Senatoren auf⸗ genommen.
„Gallos Caesar in triumphum ducit; Idem in Curiam. Galli bracas deposuerunt, latum Clavum sumpserunt“. Supr.
Kaiſer Auguſtus organiſirte Gallien ganz nach dem römiſchen Schnitt. Verwal⸗ tung des Landes, Gerechtigkeitspflege, Geſetze, Militärweſen, Religion, ſogar die Li⸗ teratur die Schauſpiele oder ſonſtige Volksbeluſtigungen, Alles war römiſch ge⸗ worden. Claudius, der zu Lyon geboren war, ſchenkte den galliſchen Städten alle Vorrechte der römiſchen, jedoch unter der Bedingung, daß in allen die lateiniſche Sprache eingeführt und als die Staatsſprache betrachtet werde***). Von dieſem Augenblick an machte das Lateiniſche bedeutende Fortſchritte in ganz Gallien. Ueber⸗ all fand man Grammatiker und Rhetoren; ausgezeichnete Schulen wurden in Toulouſe, Bordeaux, Autün, Trier und Durocortorum(Reims) errichtet, in welchen ſogar die Söhne der Kaiſer gebildet wurden, und aus welchen die ausgezeichnetſten Männer, z. B. Trogus Pompejus, Lactantius, Auſonius, Sidonius Apollinaris, Sulpitius Se⸗ verus hervorkamen. Im IVten Jahrhundert war das Lateiniſche, namentlich in den Städten, die Umgangsſprache in den vornehmeren Kreiſen, ſogar die galliſchen Frauen †)
*) Ein anderer Zweig der Celtiſchen Sprache iſt der Gadheliſche, aus welchem das Iriſche in Irland, das Gaeliſche in Schottland und das ſogenannte Mansk auf der Inſel Man entſproſſen ſind.
**) Jakob Grimm erwähnt zwei Zauberformeln in celtiſcher Sprache, welche im Marcus Em⸗ piricus aus Bordeaur enthalten ſind, und zum Zweck hatten, einen Gegenſtand, der ins Auge flog und Schmerzen verurſachte, herauszutreiben.
***) AT) Jer Poxo“ lra 10„ u³) ah ie dadde&iν ρρέ επιοdeαμε ν(Dion Cassius, LX, 17.
†) Der heil. Hilarius zu Poitiers unterhielt eine Correſpondenz in lateiniſcher Sprache mit Albra, ſeiner Tochter, Sulpitius Severus mit Claudia feiner Schweſter, der heil. Hierony⸗ mus mit zwei baüüichen Frauen, Hedebia und Algaſia. Wie wir es oben ſchon bemerkt haben, begünſtigte das ſich verbreitende Chriſtenthum auch die Verbreitung der lateiniſchen Sprache.


