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ſeltener und ſeltener wurden. Einen andern Grund des Untergangs der an den Höfen groß gezogenen provenzaliſchen Poeſie finden wir in den ſich damals verändernden Verhältniſſen des Adels, der durch das Emporkommen der Städte und des Bürger⸗ weſens von ſeinem Glanze, von ſeiner Macht, von ſeinem Reichthum ſchon viel ver⸗ loren hatte.*)
Die provenzaliſche Poeſie iſt untergegangen, allein das Organ derſelben lebt bis auf den heutigen Tag in dem Munde der Südfranzoſen noch fort. Das heut zu Tage geſprochene Südfranzöſiſche zerfällt in verſchiedene Dialekte, nämlich die von Toulouſe, Montpellier, Nimes, der Cevennes, Montalban und Albi, Cahors, Avignon, Marſeille, Toulon, Nieder- und Ober⸗Auvergne, Nieder⸗ und Ober⸗Limouſin, Grenoble (Seite 36 bezüglich der Provenzaliſchen oder Limoſiniſchen Mundart in Catalonien, Valencia, Mallorca u. ſ. w.).
Wir gehen nun zu dem Gebiet über, in welchem der Typus der provenzali⸗ ſchen oder ſüdfranzöſiſchen Sprache vorkommt. In Frankreich ſelbſt kann man den 46. Grad der Breite als eine Durchſchnittslinie, welche die Grenze der nördlichen Sprache(langue d'oil) von der ſüdlichen Sprache(langue d'oc)*) bildet, annehmen; denn die Loire, die man gewöhnlich als Grenzlinie angibt, entfernt ſich weit mehr, ſowohl nörd⸗ lich als auch ſüdlich, von der wirklichen Sprachgrenze. Gehen wir nun von dem weſtlichen Punkte, d. h. von Blaye ohnweit der Mündung der Gironde aus, ſo zieht ſich die Grenzlinie öſtlich, dann nördlich durch die Saintonge, zwiſchen den Departe⸗ ments Charente und Dordogne nach Limoges, Hauptorte des ehemaligen Limouſin; von da nördlich durch das Departement Haute⸗Vienne, läßt aber Poitiers im Gebiete der nordfranzöſiſchen Sprache links liegen; dann geht ſie über die Creuſe bei Guéret, läßt rechts Clermont***) im provenzaliſchen Gebiet zurück, in welchem ſich auch Riom, Thiers und Roanne befinden. Erſt in Roanne erreicht die provenzaliſche Sprache die Loire; vorher, d. h. ſtromabwärts, herrſcht auf beiden Ufern dieſes Fluſſes die nordfranzöſiſche Sprache(langue d'oil). Von Roanne zieht ſich die provenzaliſche Sprache ſüdlich nach St. Etienne und St. Vallier, von da nordöſtlich bis an die Grenze von Savoyen und dann ſüdlich an die See⸗Alpen bis Nizza(S. die Grenzen
*) Prof. Diez ſpricht ſich darüber in nachſtehender Weiſe aus:„Die Hoſpoeſie war ein Werkzeug des alten und echten Rittergeiſtes, der ſich durch jene ideale und poetiſche Richtung auszeich⸗ net, wie ſie das XIIte Jahrhundert darſtellt. Der Verfall und Untergang dieſer Poeſie war eine Folge der proſaiſchen Wendung deſſelben, indem der Geiſt der Aufopferung, der die glän⸗ zendſte Periode der Ritterzeit bezeichnet hatte, von dem einreißenden Egoismus allmälig ver⸗ drängt wurde. Dies geſchah ungefähr um die Mitte des XIIIten Jahrhunderts. Der Grund dieſes Umſchwungs lag ohne Zweifel in der Verarmung des Adels, die theils durch den Auf⸗ wand zur Beſtreitung der Kreuzfahrten und anderer kriegeriſcher Unternehmungen, törns durch durch das Emporkommen der Bürgerſchaft, theils durch die erhöhten Steuern, beſonders in der Provence und Languedoc, weil ſie dem Namen oder der That nach unter franzöſiſcher Herrſchaft ſtanden, vorzüglich aber durch Glanzſucht und Verſchwendung veranlaßt worden war, und Geiz, Raubgier und Rauhigkeit zur Folge hatte. Es trat daher eine neue Lebens⸗ weiſe in den Häuſern der Edeln ein, die ſich mit der Pflege der höhern Poeſie nicht länger vertrug. Allein dieſe war, als Hoſpoeſie, abhängig von der Gunſt der Großen, in deren Sonnenſchein ſie aufgewachſen war, und konnte ohne dieſes Element nicht beſtehen.“
**) Der Ausdruck Langue d'oc kommt von der Art und Weiſe her, wie die Völker dieſer Sprache die
Bejahung ausdrückten, oc wird das lateiniſche oe ſein; Andere glauben, es ſei das deutſche
auch. Im Worte Langue d'oil, Langue d'oi, Langue de oui finden wir oi oder oui, gehört;
gleichſam ich hab's gehört, es iſt gut, ich bin damit einverſtanden; Langue de si iſt das latei⸗ niſche sic,— ſo, gerade ſo, ganz richtig.
In Clermont lautete der bekannte Ruf der Chriſten, die im Jahr 1096 das Kreuz nehmen
wollten,„Diou li vuolt“, alſo ganz ſüdfranzöſiſch.
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