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Mittelalter weniger von den Stürmen zu leiden, welchen andere Völker ausgeſetzt waren. Die Weſtgothen hatten das Land verlaſſen, um nach Spanien zu ziehen; die neuen Nachbarn, die Araber, hatten ſich mit Streifzügen begnügt, ohne ſich dort anzu⸗ ſiedeln; die Kriege in den nördlichen Theilen Frankreichs, in Deutſchland, in Italien hat⸗ ten den Süden faſt unberührt gelaſſen. Von dem Jahre 879 bis 1092 hatte das Haus Burgund*) unter kaiſerlicher Oberhoheit das Land in aller Ruhe regiert und einen glänzenden Hof zu Arles gehalten. Nachdem dieſe burgundiſche Linie erloſchen war, kam Raymund Berengar III., Graf zu Barcelona, in Beſitz des größern Theils dieſer Erbländer. Die provenzaliſchen Dichter, die größtentheils dem Adel angehörten, folgten nun dem Hofe nach Barcelona und freuten ſich, unter einem Fürſten, der eben⸗ ſowohl als ein ausgezeichneter Ritter, wie als ein Gönner der Künſte und des Friedens galt, zu leben, zu dichten und zu wirken. Und ſo hatte man in Catalonien dieſelben Dichter, dieſelbe poetiſche Sprache wie in der Provence, denn die Pyrenäen bildeten damals ebenſowenig wie heut zu Tage ein weſentliches Hemmniß in der Sprache; an beiden Abhängen des Berges wurden dieſelben Sprachen(im Weſten die Baſfiſche, im Oſten die Provenzaliſche) geredet. Nun müſſen wir bezüglich des Gebiets, das die Provenzaliſche Sprache im Mittelalter einnahm, weiter gehen. Im Jahr 1137 erwar⸗ ben die Grafen von Barcelona das Königreich Aragonien, und dieſes wackere Fürſten⸗ haus beſaß faſt drei Jahrhunderte lang zu verſchiedenen Zeiten bedeutende Theile die— ſes Landes an beiden Abdachungen der Pyrenäen. Und nun bahnte ſich die proven⸗ zaliſch-cataloniſche Dichtkunſt einen weiteren Weg nach dem Königshof zu Sarragoſſa in Aragonien, und auch dort fand ſie einen mächtigen Schutz in den Fürſten ſelbſt (Peter II., Jacob I., Alphons IV.).
Der erſte Dichter unter den Provenzalen war Wilhelm, der neunte Graf von Poitiers und Aquitaine, der am erſten Kreuzzug Theil nahm, und ſchon merkte man, daß ſich ſeine Sprache wenig von der der beſten Troubadours unterſchied. Ihm folgten alsbald Rambaud Vaqueiras, Bernard de Ventadour, Bertrand de Born, Richard Löwenherz, Pierre Cardinal u. ſ. w.— Im dreizehnten Jahrhundert hatte die provenzaliſche Dichterſprache ihren höchſten Glanzpunkt erreicht. Einige Beiſpiele der Sprache müſſen wir hier anführen.
„Dans orient entro l'soelh colguan
Fas à la gent un covinent novelh:
Al lial hom danarai un bezan,
Si l' deslials mi dona un clavelh,
E un marc d'aur donarai al cortes
Si l' deschauzitz mi dona un tornes;
Al vertadier darai d'aur un gran mon,
Si m'don un huou quex mensongier que y son..... (Fierre Cardinal.)
*) Rudolf, König der transjuraniſchen burgundiſchen Länder, erhielt durch einen im Jahr 930 mit Hugo, Herzog und Statthalter der Provence, geſchloſſenen Vertrag außer ſeinen Beſitzungen auf dem öſtlichen Abhang des Jura, welche das ganze Land von Schaffhauſen bis Baſel, den ganzen weſtlichen Theil der Schweiz vom Rhein bis zur Rhone begriffen, auch noch das eigentliche Burgund, die Franche Comté, Savoyen, das Delphinat, einen Theil von Langue⸗ doc und die Provence. Unter allen allemanniſchen Beſitzern dieſes Landes reſidirte Con⸗ rad von Burgund allein in der Hauptſtadt Arles. Er lebte in Frieden mit allen ſeinen Roß⸗ baren, begnäüte ſich mit einer einfachen Huldigung ſeiner Vaſallen, und, wenn wir die häufi⸗ gen Einfälle der Mauren, denen er jedoch eine gänzliche Mioderlage beibrachte, abrechnen, ſo war ſeine 43 jährige Regierung die glücklichſte Epoche für das Land.
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