Aufsatz 
Über die Entstehung und die geographischen Grenzen der romanischen Sprachen im Allgemeinen und der französischen Mundart insbesondere
Entstehung
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ähnliches Verhältniß. Von Pleayo an bis zu Alfons VI. König von Caſtilien und Leon hatte der Kampf gegen die Araber mit wechſelndem Glück gedauert; jedoch waren um das Jahr 1095 die chriſtlichen Könige bis zu dem Lande zwiſchen dem Minho und dem Douro gedrungen. Auch bei dieſen Eroberungen hatten ſich zahlreiche franzöſiſche Ritter, namentlich Burgunder, ausgezeichnet. Unter andern erſchienen bei König Alfons VI. zwei Prinzen aus dem Hauſe Burgund, Heinrich, ein Urenkel des Königs Robert I. von Frankreich, und deſſen Verwandter Raymund. Alfons gab ſeine Tochter Urraka dem Prinzen Raymund zur Gemahlin und dem Grafen Heinrich wurde eine zweite Tochter, Thereſia, und ſpäter der Beſitz der in Portugal eroberten Be⸗ zirke zu Theil, und ſo wird Henriquez von Burgund als der erſte Gründer der Portugieſiſchen Monarchie betrachtet. Sein Sohn, Alfons I., nahm den Titel König an.*) Nun ſoll aber Heinrich von Burgund eine große Anzahl ſeiner Landsleute nach dieſem Theil der Halbinſel haben kommen laſſen, welche ihn bei ſeinen fernern Erobe⸗ rungen unterſtützen mußten; daher, vermuthet man, ſeien die bedeutenden Abänderungen in der Sprache des Landes entſtanden. Sollte übrigens nicht der Aufenthalt der Sueven im Norden von Portugal auch Vieles zu jener Modification beigetragen haben? Jedenfalls ſcheint die portugieſiſche Mundart ſich von Norden nach Süden ausgedehnt zu haben, und zwar ſo, daß im Norden(in Gallizien) die Sprache ungebildet geblieben, während im Suͤden ſie ſich in ihrer Art verfeinert und ausgebildet hat. Die Portu⸗ gieſiſche Literatur kann mit der Spaniſchen Litteratur nicht wetteifern; ſie iſt zwar vollſtändig, d. h. jede Gattung der literariſchen Erzeugniſſe iſt in ihr repräſentirt, allein ſie iſt nicht reich; die höheren Geiſter fehlten dort; Camoöns Luſiada ausge nommen, ſind alle Gedichte(meiſtens lyriſche) matt, ohne Begeiſterung und gewöhnlich nur Nachahmungen und Ueberſetzungen. In der Proſa iſt Portugal weit hinter Spa⸗ nien geblieben. Den geſchichtlichen Werken der Portugieſen fehlt die Kritik, und in der Redekunſt konnten ſie ſich nicht üben. Der ſpaniſche Druck, welcher auf die helden⸗ müthigen burgundiſchen Könige folgte und bis in das XVII. Jahrhundert dauerte, ſowie die Inquiſition entzogen ihnen jede Veranlaſſung, als Redner aufzutreten. Es iſt jedoch anzuerkennen, daß die Portugieſiſche Sprache, ſo ähnlich ſie auch in Bezug auf die Ausſprache dem Franzöſiſchen ſein mag, ſich dennoch zur Nachahmung der alt⸗ klaſſiſchen Poeſie eignet. Wir laſſen hier als Muſter der poetiſchen Sprache der Portugieſen einige Strophen einer durchaus gelungenen Nachahmung der Horaziſchen OdeJustum et tenacem propositi virum etc. von Gargäo folgen.

O constante varão, que justo e firme Da difficil virtude segue os possos O pesado semblante do tyranno

Naâo teme, não estranha.

Veja ferver o chumbo, erguer as cruzes; Onça afiar na pedra o curvo alfange; Soffra no potro asperrema tortura;

Naâo perde a côr do resto.

*) Schäfer, in ſeinerGeſchichte von Portugal, zeigt uns, wie raſch die Eroberung Portugals durch die Araber unter den erſten Königen dieſes Landes(Alfons I., Sancho I., Alfons II., Sancho II.) vor ſich ging(1128 1245), indem Sancho I. ſchon den Titel Rex Algarbii zu den Rex Portugalliae hinzufügte und König Sancho II. das wichtige Mertola, Ayamento und

avira eroberte.